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Porträt : Der Mensch Bernd Schuster: Bonder Engel oder blonder Bengel?

  • -Aktualisiert am

Sieht seine Zukunft als Trainer in Spanien: Bernd Schuster Bild: Martin Rospek

          3 Min.

          Der Fußballer Bernd Schuster hat das deutsche Fußball-Volk polarisiert. Für die einen war er der „blonde Engel“, für die anderen der „blonde Bengel“. „Leider haben mich die Leute in Deutschland gar nicht richtig erlebt“, bedauert der 41-Jährige im Rückblick.

          Abgesehen von der Sturm-und-Drang-Zeit beim 1. FC Köln in jungen Jahren und dem zweijährigen Intermezzo kurz vor Karriereende bei Bayer Leverkusen lag der Schwer- und vor allem Höhepunkt seiner Kicker-Karriere in Spanien: 13 Jahre lang kickte er dort, beim FC Barcelona, später noch bei Real und Atletico Madrid. Erfolge, Erfahrungen, Erlebnisse, die Schuster prägten.

          „Mein Name ist dort immer noch sehr groß“, sagt er ohne Anflug von Überheblichkeit. Spanische Radiostationen, Fernsehanstalten, sie reißen sich um den blonden Experten. Der selbst schätzt nicht nur den spanischen Fußball („Die spielen mit mehr Kreativität.“) sondern vor allem die Lebensart. „Leben um zu arbeiten nicht arbeiten um zu leben.“ Schuster mag es, wenn er nach einem Champions-League-Spiel noch bis drei Uhr nachts in einem Cafe sitzen kann.

          „Gaby wäre vor mir in Spanien“

          Er liebt den Charme der katalanischen Metropole Barcelona. Seine Familie teilt übrigens das Faible am Flair Espana. Angesprochen, ob Ehefrau Gaby, seine noch mit ihm in der Nähe von Köln lebenden Töchter Sara und Rebeca ein Trainer-Engagement in Spanien begrüßen würden, antwortet er ehrlich: „Die wären noch vor mir da. Lieber gestern als heute.“

          Doch noch lebt er in dem Land, in dem er viel Ablehnung spürte. An seinem Auftreten, seiner Abneigung in jungen Jahren, das deutsche Nationaltrikot zu tragen, erzürnten sich die Gemüter. Gaben ihm ein Negativimage, von dem er nie mehr ganz los kam. Er heiratete bereits im Juni 1979 eine blonde Kosmetikerin, die fünf Jahre älter war als er und stets wusste, was sie wollte. Gaby Schuster: Sprachrohr und Verhandlungspartnerin des Fußballers in einem. Ihr resolut-forsches Auftreten war vielen ein Dorn im Auge. Dass sie sich in Vertragsgespräche einmischte, sich nicht scheute, auch den DFB zu brüskieren, hing ihm lange nach.

          „Bin ein ausgeprägter Familienmensch“

          Bernd Schuster jedoch machte nie den Eindruck, als würde ihn stören, dass er es nur auf 21 Länderspiele und einen Titel (EM-Sieg 1980) brachte. Als Kind hat Schuster beim SV Hammersmiede Augsburg gekickt, erhielt fußballerischen Feinschliff beim FC Augsburg, eher er als 18-Jähriger zum 1. FC Köln kam. „Damals habe ich am Anfang keine müde Mark verdient“, beteuert er noch heute. Was sich indes schnell änderte. Der begnadete Techniker ist heute längst wirtschaftlich unabhängig.

          Was kennzeichnet den Menschen Bernd Schuster? „Ich bin ein ausgeprägter Familienmensch“, sagt er, der 1979 geheiratet hat. Vier Kinder gingen aus der glücklichen Ehe hervor. Die ältesten, die Söhne Benjamin und David studieren mittlerweile in den USA, in St. Louis. „Das sind doch unvergessliche Erfahrungen für die beiden.“ Er selbst war bei den Besuchen jenseits des Teiches ebenso begeistert. „Amerika ist ein tolles Land.“

          „Bin nicht mehr so fit“

          Zwischen 74 und 83 Kilo schwankte sein Gewicht in seiner aktiven Zeit, im Jahr 2001 ist die Spanne nach oben durchbrochen. Obwohl von größeren Verletzungen verschont, gesteht er, nicht mehr richtig fit zu sein. „Das ist doch so: Du nimmst dir vor zu joggen und bleibst bei schlechtem Wetter doch zuhause.“ Prominentenkicks absolviert er nur unregelmäßig, „am meisten Sport mache ich, wenn mich meine Söhne besuchen.“

          „Die Familie hat für mich Priorität. Ich bin nicht nach Nord- oder Süddeutschland als Trainer gegangen“, räumt er freimütig ein, „weil ich dann zu weit weg von meinen schulpflichtigen Kindern gewesen wäre.“ So beließ er es bei zwei zweitklassigen Engagements in Köln: Fortuna und 1. FC. Letzteres sei im Rückblick ein Fehler gewesen, „dass ich mich von guten Freunden dazu habe überreden lassen, eine so charakterlose Mannschaft zu trainieren.“

          „Job bei Premiere ist nur eine Übergangslösung“

          Seit der Saison 2000/2001 redet er nur im Studio von Premiere World über Aufstellung und Taktik, kommentiert die Champions League. „Das ist aber nur eine Übergangslösung, um im Geschäft zu bleiben.“ Dennoch ist nicht absehbar, dass die Bundesliga noch einmal nach Bernd Schuster als Trainer verlangt. „Ich muss mir einen Namen als Trainer erst erarbeiten“, weiß er.

          Alternative? Schuster gibt sich gelassen: „Vielleicht bekomme ich in Spanien eine Chance. Das wäre schön.“ Noch immer wirkt er eher zurückhaltend. Seine langen Haare und Schnurrbart scheinen wie ein Relikt aus Teenagertagen. Indes personifizieren sie ihn. „Ich werde nie ein Manager-Typ, der mit Schlips und Anzug herum läuft.“ .

          Die Stationen des Bernd Schuster

          Als Spieler:

          1971 - 1976: SV Hammersmiede Augsburg

          1976 - 1978: FC Augsburg

          1978 - 1980: 1. FC Köln

          1980 - 1988: FC Barcelona

          1988 - 1990: Real Madrid

          1990 - 1993: Atletico Madrid

          1993 - 1996: Bayer Leverkusen

          1997: Universidad Autonoma de Mexico

          Als Trainer:

          1997 - 1998: Fortuna Köln

          1998 - 1999: 1. FC Köln

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