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Portät : Eindhoven statt Eisbachtal

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Aus der Oberliga in den Uefa-Cup: Roman Weidenfeller Bild: dpa

Roman Weidenfeller, 188 Zentimeter groß, 85 Kilo schwer, ist erst einmal ein netter Kerl. Sympathisch und bescheiden, selbstbewusst und erstaunlich abgeklärt. Wenn er direkt nach seinem ersten Europacupspiel in die Fernsehkameras über seine fantastische Leistung sprechen soll, dann sagt er nichts über seine tollen Taten.

          Wer ist dieser Mann? Wo kommt er her, was macht er, wie verhält er sich außerhalb des Platzes? Denn was Roman Weidenfeller auf dem Platz kann, „das haben ja alle gesehen“, wie sein Trainer Andreas Brehme bemerkte.

          Alle wollten nach dem Gesehenen etwas von Roman Weidenfeller wissen. Bevor der junge Mann zu den Pressevertretern schritt, gab ihm Jürgen Friedrichs, der Vorstandsvorsitzende, noch ein paar Tipps mit auf den Weg. Dieser hätte es gar nicht bedurft: Der 20-Jährige erledigte seinen Job im Frage-Antwort-Spiel vor Kameras, Mikrofonen und Notizblöcken ebenso souverän-selbstbewusst wie zuvor die Partie im Fritz-Walter-Stadion.

          Wer er ist?

          Roman Weidenfeller ist 188 Zentimeter groß, 85 Kilo schwer und ist erst einmal ein netter Kerl. Sympathisch und bescheiden, selbstbewusst und erstaunlich abgeklärt. Wenn er direkt nach seinem ersten Europacupspiel in die Fernsehkameras über seine fantastische Leistung sprechen soll, dann sagt er nichts über seine tollen Taten. „Die Mannschaft hat toll gekämpft.“ Wenn ihm ein Radiomikrofon vor die Nase gehalten wird, erklärt er, dass er nur Georg Koch gut vertreten will. „Ich würde nie Ansprüche auf die Nummer eins stellen.“

          Erst wenn er sich ein wenig mehr Zeit nimmt, Vertrauen in den Gesprächspartner schöpft, Kameras und Mikrofone abgeschaltet sind, spricht er auch über sich und die Privatperson. Heraus kommt ein Keeper, der auch vom Kopf die Klasse mitbringt, um Andreas Brehmes Prophezeihung zu erfüllen. „Da wächst ein großer Torwart heran.“ Der sagt dazu nur: „Die haben so viel auf mein Tor geschossen und dann ist ein Traum in Erfüllung gegangen.“

          Woher er kommt?

          Aufgewachsen ist Roman Weidenfeller in Nentershausen, 160 Kilometer von Kaiserslautern entfernt. Ein Steinwurf ist es von dort zum Sportplatz der Sportfreunde Eisbachtal, zugleich sein Heimatverein. Dort spielt sein Bruder als linker Verteidiger und dort spielen auch Kaiserslauterns Amateure am Samstag. Es ist das Duell des Ersten beim Zweiten der Oberliga Südwest, Roman Weidenfeller hatte sich sehr darauf gefreut, denn normalerweise hätte er mitgespielt. Es ist Ironie des Fußballer-Schicksals, dass Roman Weidenfeller nun diese Begegnung absagen muss. Motto: Eindhoven statt Eisbachtal.

          „Ich gehe davon aus, dass ich jetzt auch in der Bundesliga gebraucht werde.“ Schon Sonntag im Heimspiel gegen TSV 1860 München. Dann gucken wohl auch seine Eltern zu, die Sohnemanns Bravourstück gegen den holländischen Meister nur am Fernsehschirm verfolgt haben. „Erst einmal war das sehr kurzfristig, dann hatte meine Mutter auch Angst von den holländischen Fans“, erklärt er die Abstinenz von Mama und Papa, „die sonste meine Spiele vor Ort verfolgen“.

          Die Nähe zur Familie, so verrät Roman Weidenfeller auch, sei für ihn noch immer ganz wichtig. 1996 hat er das kleine Eisbachtal verlassen, um noch als 15-Jähriger beim großen 1. FC Kaiserslautern anzuheuern. Für ihn war das ein schwieriger Schritt, „ich habe anfangs im Internat des Vereins gewohnt.“ Dem 1. FC Kaiserslautern ist er verbunden, er hat schon bei den B- und A-Junioren des 1. FC Kaiserslautern das Tor gehütet, er hat alle Jugendnationalmannschaften durchlaufen. Und er hat sogar international auf sich aufmerksam gemacht: 1997 bei der U 17-Weltmeisterschaft in Ägypten wurde er als bester Keeper für die Fifa-Elf nominiert. Dennoch ist er so bescheiden, dass er als eines seiner persönlichen Saisonziele den Regionalliga-Aufstieg der Amateurelf erwähnt. „Ich habe keine Lust, noch ein Jahr in der Oberliga zu spielen.“

          Was er macht?

          Der Mann ist eigentlich Fußball-Profi, hat Vertrag bis 2002 und die Zukunft vor sich. Denn nicht der erfahrenere Uwe Gospodarek sondern er, der Nobody, der noch am Wochende bei den Amateuren gegen den TuS Koblenz vor 400 Zuschauern das Tor hütete, erhielt von Andreas Brehme das Vertrauen. Er wohnt in Bad Dürkheim, „mit meiner Freundin“, schiebt er in einem Nebensatz ein. Dass seine Lebensgefährtin vier Jahre älter ist, verrät er ebenso wenig wie er seine Handynummer an gierige Reporter weiterreicht. „Fragen Sie doch auf der Geschäftsstelle nach mir.“ Er weiß abzuwägen, worauf er antworten kann. Hobby? „Ich spiele nebenbei Tennis.“ Aufgeregt? „Das ganze Feeling war anders. Das war das bisherige Highlight meiner Karriere.“

          Verständlich für einen, der offiziell als dritter Torwart geführt und von Gerry Ehrmann trainiert wird. „Alle drei Torhüter sind großartig“, meint Andreas Brehme, sein jüngster hat gerade ein Bundesliga-Spiel absolviert, nun die Perspektive auf ein paar mehr. Roman Weidenfeller ist die Nummer eins - so lange bis Georg Koch („Er hat mit gleich gratuliert, wir verstehen uns gut.“) zurückkommt. „Ich weiß genau, was ich will“, erklärt der zweifache U 21-Nationalspieler, „doch ich stelle hier keine Ansprüche.“

          Ein bisschen Pfälzer Bub ist er schon, ein wenig auch mit den guten Sprüchen der Torwart-Branche bestens vertraut. „Letzte Frage, Roman: Welche Schwäche hast Du?“ Roman Weidenfeller überlegt, antwortet dann: „Schwächen hat man, aber man erzählt sie nicht.“ Dann lacht er und geht.

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