https://www.faz.net/-gtl-6qrse

Pokal-Endrunde : „Werbung für den deutschen Basketball“

  • -Aktualisiert am

Alba Berlin und RheinEnergie Köln bestreiten das Finale um den deutschen Basketball-Pokal. Vor allem das Halbfinale der Kölner gegen Telekom Baskets Bonn sorgte beim Top-4-Turnier für Aufsehen.

          3 Min.

          Eine halbe Stunde nachdem die Schlußsirene durch die Max-Schmeling-Halle gedröhnt hatte, stand Stephan Baeck noch immer unter dem Eindruck des Spiels. In der Pressekonferenz wählte der Kölner Trainer pathetische Worte. "Das war heute großartige Werbung für den deutschen Basketball", sagte Baeck. "Ich bin beeindruckt."

          Daß der Briefkasten des Basketball-Verbandes in Hagen in der nächsten Woche mit Beitrittsanträgen verstopft sein wird, ist zwar unwahrscheinlich - doch Baecks schwärmerischer Kommentar hatte schon seine Berechtigung. Tatsächlich war das Halbfinalspiel im Vereinspokal zwischen RheinEnergie Köln und den Telekom Baskets Bonn ein hochklassiges Duell gewesen. Die Partie, die erst in den letzten Minuten entschieden wurde, endete mit einem 85:76-Sieg der Kölner. Der Meisterschaftszweite des vergangenen Jahres trifft an diesem Sonntag im Endspiel des sogenannten „Top-4-Turniers“ um den deutschen Basketball-Pokal auf den Titelverteidiger Alba Berlin, der Avitos Gießen mit 85:67 bezwang.

          "Den Gießenern hat die Luft gefehlt"

          Gegen Gießen, das sich nicht für die bevorstehenden Play-offs um die deutsche Meisterschaft qualifizieren konnte, tat sich der deutsche Meister Alba Berlin schwerer als erwartet. Bis ins dritte Viertel gelang es den Gießenern, die Partie offen zu halten. Maßgeblichen Anteil daran hatte Björn-Aubre McKie. Der Point-guard war selbst von der hart agierenden Berliner Defense kaum zu stoppen. Gleich drei Alba-Spieler versuchten sich an seiner Bewachung - mit dem ernüchternden Ergebnis, daß ihnen die Schiedsrichter schnell Fouls anhängten. So sammelte McKie 18 Punkte und war damit bester Werfer seines Teams.

          Alba Berlin hingegen hatte sein Spiel nicht so extrem auf einen Akteur zugeschnitten. Trainer Emir Mutapcic verteilte die Verantwortung geschickt und gab auch seinen Reservisten großzügig Einsatzzeit. Nur die Flügelspieler Quadre Lollis und DeJuan Collins standen länger als dreißig Minuten auf dem Feld. Die Gießener Stammkräfte hingegen hatten weit kürzere Verschnaufpausen. Gleich fünf Profis mutete Trainer Joseph Whelton mehr als eine halbe Stunde Einsatzzeit zu. Das rächte sich gegen Ende der Partie. "Den Gießenern hat die Luft gefehlt", sagte Mithat Demirel, der Regisseur des deutschen Meisters. "Das war die Konsequenz unserer guten Verteidigung."

          Rückkehrer Stanojevic konnte nicht helfen

          Die entschlossene Abwehrarbeit der Berliner war allerdings noch mehr als ein Ermüdungsprogramm für den Gegner. Alba kompensierte dadurch spielerische Defizite, die nach dem Ausfall zweier Akteure aus der Stammformation entstanden waren. Für den Nationalspieler Marko Pesic ist die Saison bereits beendet; er hatte sich im letzten Bundesligaspiel gegen Bamberg einen Mittelhandbruch zugezogen. Auf eine baldige Genesung dagegen hofft sein Teamkamerad Jovo Stanojevic. Der jugoslawische Center, der unter einer Oberschenkelzerrung leidet, probierte gegen Gießen sein Comeback - mußte das Experiment aber nach sieben Minuten wieder abbrechen. "Er ist noch nicht so weit", sagte Trainer Emir Mutapcic. "Das war heute nicht sein Spiel. Er hat der Mannschaft leider nicht helfen können."

          Die Unterstützung ihres besten Schützen können die Berliner allerdings an diesem Sonntag gut gebrauchen. Dann treffen die sie auf RheinEnergie Köln, das vom ehemaligen Alba-Spieler Stephan Baeck betreut wird. Das Semifinale der Kölner gegen Bonn war eine Partie mit echtem Pokalcharakter - sie wurde von beiden Mannschaften mit hoher Intensität und vor allem mit viel Körpereinsatz gespielt. Unter der ruppigen Gangart litt das Niveau jedoch nicht. Im Gegenteil: Köln und Bonn nutzten das Match als Generalprobe für die am kommenden Wochenende beginnenden Play-offs.

          Kölns Regisseur Obradovic überragend

          Die Kölner proftierten gegen Tabellenführer Bonn vom souveränen Spielaufbau ihres Regisseurs Sasa Obradovic. Der jugoslawische Welt- und Europameister setzte seine Mitspieler überlegt ein, während Terrence Rechner, sein Widerpart auf Bonner Seite, gleich mehrere Jobs zu erledigen hatte. Er organisierte das Spiel, opferte sich in der Abwehr auf und ging nebenbei noch auf Korbjagd. Das Kölner Prinzip der Arbeitsteilung erwies sich am Schluß als das erfolgreichere. Obradovic war zwar mit 23 Punkten auch als Werfer erfolgreich, doch er wurde immer wieder als Aufbauspieler entlastet, wenn Vladimir Bogojevic oder Johannes Strasser den Ball nach vorn schleppten. Terrence Rencher und Bonn hingegen blieben als atemlose Verlierer zurück.

          Baskets-Trainer Predrag Krunic ging mit seiner Mannschaft milde ins Gericht. "Bis auf die letzten paar Minuten haben wir die Partie kontrolliert", sagte Krunic. "Uns hat heute etwas Glück gefehlt." Gelegenheit zur Revanche haben die Bonner unter Umständen schon in Kürze. Sollten sowohl die Baskets als auch die Kölner ihre Viertelfinal-Partien in den Play-offs gewinnen, sähe man sich im Halbfinale wieder. Die Statistik der laufenden Saison spricht allerdings gegen Bonn. In den bislang drei Begegnungen war stets der rheinische Rivale aus Köln siegreich.

          Weitere Themen

          Die Skyliners verlieren wieder

          Basketball-Bundesliga : Die Skyliners verlieren wieder

          Nach dem Sieg gegen Gießen müssen die Frankfurter in der Basketball-Bundesliga die nächste Niederlage einstecken. Oldenburg gewinnt gegen die Skyliners 87:74. In der Halle ist ein alter Bekannter zu Besuch.

          Gigantische Olympische Ringe Video-Seite öffnen

          Sommerspiele in Japan : Gigantische Olympische Ringe

          Die Installation ist 32,6 Meter breit und 15,3 Meter hoch. Sie soll in der Bucht von Tokio vor Anker gehen, in der Schwimm- und Triathlonwettbewerbe stattfinden. Die Olympischen Sommerspiele beginnen am 24. Juli.

          Der Tabellenführer hat lange große Mühe

          Leipzig besiegt Union : Der Tabellenführer hat lange große Mühe

          Aufsteiger Union Berlin geht beim großen Favoriten RB Leipzig zunächst in Führung und steht auch im Anschluss stabil. Doch drei Tore in einer Hälfte retten den Bundesliga-Spitzenreiter noch vor einer drohenden Pleite.

          Topmeldungen

          Handball-EM im Liveticker : Deutschland packt zu

          Mit vollem Einsatz spielt die deutsche Nationalmannschaft gegen starke Kroaten. Das bringt viele Zeitstrafen – aber auch einen ausgeglichenen Punktestand. Verfolgen Sie das Spiel im Liveticker.
          IBMs Quantencomputer „System Q“ ist auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas zu sehen.

          Quantencomputer : Die nächste Revolution

          Quantencomputer können Verschlüsselungen knacken, neue Batterien entdecken und an Finanzmärkten Geld verdienen. Und das sind nur die Möglichkeiten, die bisher bekannt sind.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.