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Philipp Kohlschreiber : Endlich Zeit zum Nachdenken

  • -Aktualisiert am

Kohlschreiber musste sich Janko Tipsarevic geschlagen geben Bild: dpa

Philipp Kohlschreiber hat seinen ersten Viertelfinal-Einzug bei den US Open verpasst. Gegen den Serben Janko Tipsarevic war er am Ende chancenlos. Nun hat er Zeit für Gespräche.

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          Was tun? Philipp Kohlschreiber hat in den kommenden Tagen zwar ein wenig Freizeit, wusste nach seinem Ausscheiden bei den US Open aber nicht, was er damit anstellen sollte. Er werde wohl daheim „entspannen“, sagte er. Umso besser wusste der Augsburger, was er lieber lassen sollte. Keinesfalls das Davis-Cup-Spiel besuchen, zu dem er von Patrik Kühnen nicht eingeladen wurde, und auch nicht den Teamchef aufsuchen, um ihn um ein Gespräch nach dem Gespräch zu bitten, das in der vergangenen Woche in New York so unerfreulich verlaufen war.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „Es ist verdammt wichtig, dass die Jungs durch Patrik und mich nicht durch Nebenschauplätze leiden“, sagte Kohlschreiber am Mittwoch in Richtung der vier Herren, die in Kühnens Auftrag übernächstes Wochenende gegen Australien um den Verbleib in der Weltgruppe spielen: „Da will ich keine Unruhe reinbringen.“ Muss er auch nicht. Hat er nämlich schon: mit seinem Auftritt in der vergangenen Woche in New York, als er Kühnen bloßstellte und öffentlich über einen hitzig geführten Wortwechsel plauderte, der die alten Meinungsverschiedenheiten aufs Neue offenbarte und besser intern geblieben wäre, um zumindest den Anschein von Burgfrieden zu wahren.

          Kohlschreiber könnte die freien Tage, die ihm der Serbe Janko Tipsarevic durch einen 6:3, 7:6 (7:5) und 6:2-Sieg bescherte, dazu nutzen, um in sich zu gehen. Zwar betont er unermüdlich seine Bereitschaft, für Deutschland im Davis-Cup antreten zu wollen. Doch bis dato herrscht Funkstille zwischen dem Achtundzwanzigjährigen und dem Rest des Teams. Von den Spielern Florian Mayer, Philipp Petzschner, Cedrik-Marcel Stebe und Benjamin Becker, die in Hamburg den Abstieg in die Zweitklassigkeit verhindern sollen, meldete sich noch keiner bei Kohlschreiber.

          Nur Kühnen hat noch einmal angerufen, um den Augsburger wegen der Vorwürfe der „fehlenden Rückendeckung“ und des „nicht glücklichen Händchens“ zur Rede zu stellen. Weil sich Kohlschreiber aber, nachdem er die Welle selbst losgetreten hatte, nicht weiter von „einem anstrengenden Gespräch“ stören lassen wollte während des Grand-Slam-Turniers, teilte ihm der Teamchef kurzerhand mit, dass er zumindest vom 14. bis 16. September in Hamburg auf seine Dienste verzichte.

          Gemeinsame Zukunft ausgeschlossen

          Eine gemeinsame Zukunft scheint unmöglich. Auf die Frage, ob er sich eine Rückkehr vorstellen könne, solange Kühnen Teamchef ist, reagierte Kohlschreiber so: „Das werde ich beantworten, wenn es an der Zeit ist. Alles, was ich sage, ist gerade nur Gift.“ Tatsächlich hatte Kühnen mehrmals keine gute Figur gemacht, weder bei seinen Aufstellungen noch bei der Einstellung, Letzteres vor allem beim vergangenen Davis-Cup-Spiel in Bamberg. Nach dem 1:4 gegen Argentinien hatte der Teamchef wortlos zugehört, wie Tommy Haas dem wegen Krankheit fehlenden Kohlschreiber öffentlich den Teamgeist absprach.

          Anlass für Haas’ Ausbruch war lediglich die läppische Frage, ob der entschuldigt Abwesende eine SMS mit Aufmunterungen an die Einsatzkräfte geschickt hatte oder nicht. Bei den US Open war Kohlschreiber von 16 Deutschen (zehn Herren und sechs Damen) der letzte, der noch im Wettbewerb verblieben war. Zweimal kämpfte sich der Zwanzigste der Weltrangliste über fünf Sätze zum Sieg, unter anderen gegen den amerikanischen Top-Ten-Spieler John Isner. Dass im Achtelfinale Endstation war, lag vor allem an der Stärke des zwölf Plätze höher eingestuften Serben bei den sogenannten „Big points“: „In den entscheidenden Momenten bin ich nicht spritzig und gedankenschnell gewesen. Da sind die Punkte einfach weggegangen“, sagte Kohlschreiber.

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