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PGA-Championships : Wo Mr. Baltus Roll ermordet wurde - Golf am Tatort

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Einer der besten Golfplätze der Welt Bild: AP

Beim letzten der vier Majors genießen die Stars perfekte Bedingungen. Doch der Golfplatz in New Jersey fällt etwas aus dem Rahmen. Mit ihm verbinden sich schöne Anekdoten und eine schaurige Geschichte.

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          Die besten Golfprofis der Welt geraten ins Schwärmen: "Fair, ehrlich. Wenn wir Profis es zu bestimmen hätten, würden wir jede Woche auf so einem Platz spielen", lobt der irische Weltranglistenachte Padraig Harrington den Lower Course des Baltusrol Golf Club. Seit Donnerstag wird auf dem 30 Kilometer westlich von New York in Springfield im amerikanischen Bundesstaat New Jersey gelegenen Traditionsplatz die 87. PGA Championship, das letzte der vier Majors, ausgetragen - und ausnahmsweise ist sich die Weltelite einig. "Der Platz ist nicht auf hinterhältig getrimmt worden, alle Schwierigkeiten liegen deutlich vor einem", sagt der Titelverteidiger und Weltranglistenzweite Vijay Singh aus Fidschi. "Es testet wirklich alle golferischen Fähigkeiten", behauptet der amerikanische Ryder-Cup-Kapitän Tom Lehman, "am Ende wird hier wirklich der gewinnen, der in dieser Woche am besten gespielt hat."

          Die Stars - in Baltusrol sind 97 der Top 100 der Weltrangliste versammelt, darunter die beiden Deutschen Bernhard Langer (53.) und Alexander Cejka (91.) - genießen die perfekten Bedingungen und den reizvollen Platz, eine willkommene Abwechslung nach den Widrigkeiten der ersten drei Majors. Das Masters in Augusta wurde zeitweise nach Dauerregen zu einer Schlammschlacht, bei der am Ball klebender Dreck den Ballflug unberechenbar gestaltete. Bei den US Open in Pinehurst sorgten die künstlich verengten, von garstigem Rough gesäumten Fairways und die Grüns, die wie umgedrehte Untertassen am Ende der Spielbahn lauerten, dafür, daß dem sogenannten "rub of the green", was im Deutschen nur unzureichend mit "Spielzufall" übersetzt werden kann, Tür und Tor geöffnet wurde. Bei den British Open fehlte der übliche schottische Wind, so daß der Old Course von St. Andrews wehrlos dem überlegenen Sieger Tiger Woods ausgeliefert war.

          Das längste Loch in der Geschichte der Majors

          Der Lower Course des Baltusrol Golf Club, auf dem die US Open bereits sechsmal (1936 wurde sie auf dem Upper Course ausgetragen) und die US Womens' Open schon zweimal zu Gast waren, ist vor allem lang: 7392 Yards (6759 Meter), und das bei Par 70. Zum Vergleich: Plätze, auf denen Amateure ihrem Freizeitvergnügen nachgehen, sind in der Regel zwischen 500 und 1000 Meter kürzer - und das bei Par 72. Doch der Lower Course verfügt nur über zwei statt der üblichen vier Par-5-Löcher, die für Profis immer eine Birdie-Chance darstellen. Bei dieser PGA Championship kommen diese langen Löcher erst ganz am Ende - und leichte Beute für die Profis stellen sie auch nicht dar.

          Befreiungsschlag

          "Man kann wirklich nicht behaupten, daß dieses 17. Loch erreichbar sei oder eine Birdie-Chance biete", sagt Singh, "wenn man mit dem Abschlag das Fairway verfehlt, ist es ein sehr schweres Par 5." Der Schotte Colin Montgomerie haut in die gleiche Kerbe: "Es wird interessant. Du spielst 16 Löcher und wartest, daß endlich ein Par 5 kommt. Und dann ist es 655 Yards (599 Meter) lang." Will heißen: Keine Chance, den Ball mit dem zweiten Schlag aufs Grün zu befördern. Bei der letzten US Open 1993 in Baltusrol (Sieger Lee Janzen) schaffte "Long" John Daly zwar einmal dieses Kunststück mit einem Driver und einem Eisen 1, aber damals war das Loch noch 18 Meter kürzer. "Man braucht drei Schläge", beschreibt Tiger Woods seine Strategie am längsten Loch in der Geschichte der Majors. Wenigstens am 18. Loch bietet sich Wagemutigen die Chance, das Grün mit dem zweiten Schlag zu attackieren. Allerdings lauert vor dem 507 Meter langen Schlußloch eines von nur zwei Wasserhindernissen. Das erste erwartet die Spieler am vierten Loch, dem sogenannten "Signature Hole".

          Eine hübsche Anekdote und ein Mordfall

          Mit diesem 194 Yards (177 Meter) langen Par-3-Loch verbindet sich eine wunderbare Anekdote. Robert Trent Jones sen. überarbeitete den Platz 1954, so wie das sein Sohn Rees Jones vor dieser PGA Championship tat. Er ließ am vierten Loch einen Teich anlegen und sah sich danach heftiger Kritik der Mitglieder gegenüber, die das für unfair hielten. Der Nestor der modernen Golfplatz-Architektur stimmte deshalb zu, mit dem Club Pro und dem Präsidenten eine Runde zu spielen. Am 4. Loch lochte Jones den Ball mit dem ersten Schlag ein. Dieses As oder Hole-in-one ließ alle Kritiker sofort verstummen.

          Aber nicht nur wegen dieser schönen Geschichte fällt Baltusrol aus dem Rahmen üblicher amerikanischer Country Clubs. In dem exklusiven Privatklub (Aufnahmegebühr 75 000 Dollar) in der nur 15 000 Einwohner zählenden Kleinstadt Springfield findet man keine Tennisplätze und kein Schwimmbad, sondern nur zwei hervorragende zwischen 1918 und 1922 erbaute und von A.W. Tillinghurst entworfene Golfplätze. Baltusrol ist weder der teuerste - Donalds Trumps Platz in Bedminster verlangt 150 000 Dollar - noch der beste in New Jersey. Diese Ehre gebührt dem ultraprivaten Pine Valley Golf Club, der seit Jahren von den amerikanischen Golfmagazinen als Nummer eins der Welt gepriesen wird. Aber dafür ist der Baltusrol Golf Club wahrscheinlich der einzige in der Welt, der nach dem Opfer eines Verbrechens benannt ist. Im Jahre 1831 wurde Baltus Roll auf seiner Farm im nahe gelegenen Watchung Mountains von Räubern ermordet. Aber da die 200 Hektar, auf denen der Club 1895 seine ersten neun Löcher baute, einst dem bedauernswerten Ermordeten gehörten, einigten sich die Gründer auf den einzigartigen Namen, der im Laufe der Jahre zu einem Wort verschmolz und den letzten Buchstaben verlor.

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