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Paralympics : Arm, schwarz, behindert

  • -Aktualisiert am

Die Brasilianerin Rosinha Santos (mitte) zählt zu den Stars des Paralympischen Teams. Bild: Picture-Alliance

In Rio de Janeiro beginnen am Mittwoch die Paralympics. Rosinha Santos hat in ihrer brasilianischen Heimat den Aufstieg zu einer der populärsten paralympischen Sportlerinnen geschafft - trotz mehrerer Nachteile.

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          Der Weg zum Training führt Rosinha, vorbei an den Nachbarn und bellenden Hunden, auf einen grünen Rasen vor dem Hochhaus. Mit ein paar Gürteln schnallt sich die Frau mit dem kräftigen Oberkörper am Metallpodest fest, damit die Fliehkräfte die Athletin nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Und weil es so Vorschrift ist in ihrer Wettkampfkategorie. Dann holt sich mit ihren langen Armen aus und schleudert den Diskus hinaus in den Vorgarten, der gerade mal so groß ist, dass er ausreicht, die Wucht ihre Würfe aufzunehmen.

          „Das reicht, um einigermaßen zu trainieren.“ Und vor allem hat es einen großen Vorteil: Roseane Ferreira dos Santos, wie die 45-jährige Athletin mit vollem Namen heißt, muss in keinen Bus zum eigentlich Trainingsplatz in der Vila Olímpica do Mato Alto in Rios armem Stadtteil Jacarepaguá steigen. Die zeitaufwendige und kraftraubende Anfahrt entfällt. Ein modernes Trainingsleistungszentrum gibt es in der Olympiastadt ohnehin nicht. Stattdessen nimmt sie den Aufzug aus dem 14. Stock und fährt anschließend die Rampe hinab in den kleinen Park.

          Immerhin wurde vor den Paralympischen Spiele in die Barrierefreiheit in Bus, Metro und Straßenbahn investiert. „Früher hätte ich nie gedacht, dass ich mit meinem Rollstuhl einmal in einen Bus einsteigen kann. Heute ist das möglich. Die Spiele haben für uns Rollstuhlfahrer in Rio einen großen Fortschritt gebracht“, sagt Rosinha. Auf ihrem weißen Hemd prangen die Logos der Sponsoren, denn die zweimalige Goldmedaillen-Gewinnerin von Sydney 2000 zählt zu den Stars im brasilianischen Team. „Damals musste ich viele Autogramme schreiben, und die Menschen haben mich erkannt, als ich im Restaurant beim Essen saß“, erinnert sich die in der bettelarmen Stadt Recife im Nordosten Brasiliens geborene Medaillenhoffnung der Gastgeber an die erfolgreichste Zeit ihrer Karriere. In Athen und Peking war sie ebenfalls dabei, in London reichte es nicht. Für Rio aber mobilisierte sie noch einmal alle Energien: „Es ist ein spektakuläres Gefühl, in der eigenen Stadt, vor der Familie und Freunden antreten zu dürfen.“

          Inzwischen staunen die Nachbarn wieder über ihren Fleiß und ihren Eifer. „Ich muss aufpassen, dass ich bei meinen Würfen niemanden treffe“, sagt sie und lacht. Und vor allem die Kinder, die sie Tante rufen, sind neugierig: „Wir kommst du voran?“, fragen sie, wenn Rosinha einen anstrengenden Trainingstag beendet hat. Inzwischen lebt sie im 14. Stock eines Hochhauses in Barra und ist ein lebendiges Beispiel dafür, wie Brasiliens paralympischer Sport überwiegend funktioniert: mit viel Improvisation und Idealismus.

          Trotz Rückschlägen will sie aufs Podium

          Nach einem Unfall mit einem betrunkenen Motorradfahrer verlor sie im Alter von 18 Jahren ein Bein. Vor gut zwei Jahren diagnostizierten die Ärzte zudem Krebs im Rachen. Trotz aller Rückschläge will die Frau noch einmal alles geben. „Vielleicht reicht es für eine Medaille. Ein Podiumsplatz wäre schon schön.“

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