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Rollstuhl-Rugby in Rio : Der härteste Sport der Paralympics

  • Aktualisiert am

Heftige Verrenkung: Der Franzose Christophe Salegui in der Punktezone Bild: dpa

Beulen, Kratzer, Schrammen: Rollstuhl-Rugby sorgt bei den Paralympics in Rio für das größte Spektakel – und lässt die Zuschauer mitleiden. Nicht umsonst hatte die Sportart lange Zeit einen mörderischen Namen.

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          Rumms, da liegt der Rolli auf dem Rücken. Flugs rennt ein Helfer mit einer grünen Gummimatte aufs Feld, legt sie unter den Rollstuhl und hievt Ryley Batt auf seine Räder. Wegen der Rundumpanzerung kommt Australiens Star-Spieler nicht allein wieder hoch. Jeder kann sehen: Rollstuhl-Rugby ist nichts für Zartbesaitete. Ohne Rücksicht auf sich krachen die Spieler mit ihren Spezial-Rollstühlen immer wieder aneinander. Autoscooter ohne Gummipuffer. „Murderball“ (Mörderball) hieß die Sportart nicht umsonst, als sie vor knapp 40 Jahren in Kanada erfunden wurde.

          Beulen, Kratzer, Schrammen, abgeplatzte Farbe: der Rollstuhl von Ryley Batt sieht ramponiert aus - wie die Sportgeräte der anderen Spieler auch. Der Australier gilt als bester Rollstuhl-Rugby-Spieler der Welt. Paralympics-Sieger Australien deklassierte am Donnerstag in Rio de Janeiro den Gastgeber Brasilien mit 72:45 (36:25) - und Batt ist mit 34 Zählern der beste Punktejäger.

          Deutsches Team ist nicht dabei

          Die deutsche Mannschaft ist in dem Turnier nicht dabei – wie schon 2012, nachdem das Team von der Premiere 2000 in Sydney bis 2008 in Peking Stammgast war. Beim Qualifikationsturnier im April in Paris reichte es nur zum fünften Platz. Mindestens Rang zwei hätte es aber sein müssen. „Wir hatten uns mehr erhofft“, sagte Rugby-Cheftrainer Christoph Werner enttäuscht und blickte voraus auf die Paralympics in Tokio: „Jetzt beginnt das Projekt 2020.“

          In Rio spielen der zweimalige Paralympics-Sieger aus den Vereinigten Staaten, der Weltranglistenerste Kanada, Australien und Japan um die Medaillen. Schon nach zwei von drei Vorrundenspieltagen konnten Frankreich, Großbritannien, Schweden und Brasilien die Halbfinals nicht mehr erreichen.

          Nichts für Weicheier: Beim Rollstuhl-Rugby wird mit harten Bandagen gekämpft Bilderstrecke
          Nichts für Weicheier: Beim Rollstuhl-Rugby wird mit harten Bandagen gekämpft :

          Die 16.000 Zuschauer fassende Arena Carioca 1 ist zu rund drei Vierteln gefüllt. Die Begeisterung schlägt hoch, vor allem wenn die Gastgeber zu Punkten kommen. Ebenso vernehmbar ist auch das Aufstöhnen der Besucher auf den Rängen, als würden sie selbst durchgestaucht, wenn zwei Spieler mit voller Wucht kollidieren. Der Sport ist umwerfend, gleichermaßen für Spieler wie - im übertragenen Sinne - Zuschauer. Es knallt, scheppert und kracht am laufenden Band. Radwechsel sind Routine und gehen behände wie in der Formel 1.

          Doch die Schäden an den sechsrädrigen Spezial-Rollstühlen, die mit ihren Stoßfängern aus Stahl und Aluminium besonders wehrhaft aussehen, können auch umfangreicher sein. Teile brechen ab, Schweißnähte reißen auf. Mit 15 bis 20 Kilometern pro Stunde rauschen die Spieler zusammen. „Da sitzen ja auch noch Menschen mit 70 bis 80 Kilogramm Gewicht drin. Die Kräfte sind brutal“, sagt Peter Franzel, Leiter der Paralympics-Werkstatt einer deutschen Firma (Ottobock).

          Ryley Batt ist ein Hüne. In der Defensive blockt er die Gegner hart weg, im Angriff rammt er sich schon mal durch zwei Kontrahenten durch. Gleichzeitig aber ist der bullige Glatzkopf auch ein virtuoser Rollstuhlfahrer, der geschickt die Brasilianer ausmanövriert. Er kam ohne Beine zur Welt, seine Finger mussten ihm auseinanderoperiert werden. Erst mit zwölf Jahren setzte er sich in einen Rollstuhl. Davor rollte er auf einem Skateboard durch die Welt. Seit 2002 spielt er Rollstuhl-Rugby, 2004 in Athen wurde er mit 15 Jahren der jüngste Spieler bei Paralympics. Sein Ziel für Rio ist klar: „Gold gewinnen.“ Und dafür lässt es Batt ordentlich krachen.

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