
Paralympics ohne IOC-Chef : Die Reisepläne des Thomas Bach
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Thomas Bach: Erst bei Olympia, dann zu allen anderen Orten auf dieser Welt aber nicht zu den Paralympics nach Rio. Bild: AP
Bach weiß ganz genau, wo er in diesen Tagen zu stehen hat. Nicht in Rio bei den Paralympics. Die allgemeine Entrüstung ist nach Ansicht des IOC völlig daneben.
Thomas Bach hat einen dichtgedrängten Terminkalender. Auch wenn das Internationale Olympische Komitee (IOC) keinen minutiösen Einblick gewährt: Man kann sich leicht vorstellen, dass der Chef der olympischen Bewegung durch die Welt saust wie – sagen wir – ein Bundespräsident. Heute hier, morgen da, über alle Grenzen und Zeitzonen hinweg.
Das will streng geplant sein, wenn die Orientierung nicht verlorengehen soll. Es ist ohnehin ein Rätsel, dass diese Überall-zur-gleichen-Zeit-Menschen immer wissen, wo sie sind. Sie scheinen sich nie fragen zu müssen, ob sie sich bei der Umkreisung der Erde mit kurzen Punktlandungen vielleicht entfernt haben von der Welt da unten.
Bach weiß ganz genau, wo er in diesen Tagen zu stehen hat. Nicht in Rio bei den Paralympics. Im Netz gibt es zu dem entsprechenden Stichwort innerhalb von 0,34 Sekunden 646.000 Antworten. Man kann nicht alle lesen. Aber die ersten 150 aus dem deutsch- und englischsprachigen Raum suggerieren, der erste Mann der olympischen Bewegung habe einen schweren Fehler begangen. Erst, weil er, statt an der Eröffnungsfeier teilzunehmen, lieber zur Beerdigung von Bundespräsident Walter Scheel ging. Dann, weil er entschied, an seinem Reiseprogramm festzuhalten. Da war kein Platz mehr für die Paralympics. Leider.
Im IOC wird der Sturm der Entrüstung als Medienaufregung wahrgenommen. Und die Interpretation dieser weltweit registrierten und kritisierten Handlung des IOC-Präsidenten als an den Haaren herbeigezogen betrachtet. Zur Erinnerung: Bach hatte mit seinen Kollegen Russland trotz des Staatsdopings mit Fahne und Stab zu den Spielen eingeladen. Das Internationale Paralympische Komitee schloss die Russen von seinen Wettkämpfen aus. Die Schelme, die nun Böses angesichts von Bachs Reiseplänen denken, liegen nach Ansicht des IOC völlig daneben. Und befragte man die Bevölkerung, würden fünfzig Prozent der Menschen Bachs Entscheidung doch wohl goutieren. Dass er Wichtigeres zu tun habe, als den Sportlern der Paralympics die Ehre zu erweisen?
Die „Einheit der Vielfalt“ ist das Motto Bachs. Es ist sein sportpolitisches Statement zum Erhalt der olympischen Bewegung: Nichts soll uns trennen! Deshalb ist er am Ende der nächsten Woche bei den Vereinten Nationen und an diesem Wochenende in Kroatien unterwegs: Das NOK feiert seinen 25. Geburtstag, er hatte schon mal abgesagt.