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Paralympics-Eröffnung ohne IOC-Chef : Bachs kalte Schulter

An den Feierlichkeiten der Olympischen Spiele nahm Thomas Bach noch teil – den Paralympics bleibt er fern. Bild: dpa

Der Eröffnung der Paralympics in Rio de Janeiro blieb Thomas Bach fern. Wieder mal liegen die Worte und Werte des IOC-Präsidenten weit auseinander – ein Gesichtsverlust.

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          Es geht nichts über Prinzipienfestigkeit. Was haben wir alles gehört vom Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees in diesem Sommer zu den Stichworten Russland, Staatsdoping und Ausschluss. Keinesfalls dürfe der einzelne, saubere Athlet leiden unter dem schmutzigen Spiel, das die russische Staatsführung da getrieben hatte seit – ja, wie lange eigentlich schon?

          Thomas Bach lieferte keine Antwort, sondern entschied: Dem Nationalen Olympischen Komitee sei nichts nachzuweisen – trotz des Vertreters des Sportministeriums in der Führung des NOK –, also gehören russische Sportler zu Olympia. Die Botschaft: Der Athlet steht im Mittelpunkt. In Rio, bei der Eröffnungsfeier, hörte sich das so an: „Wir leben in einer Welt der Krisen, des Misstrauens und der Unsicherheit. Hier ist unsere Olympische Antwort: (...) In dieser Olympischen Welt gilt das eine universelle Recht für alle. In dieser Olympischen Welt sind alle gleich. In dieser Olympischen Welt sehen wir, dass die Werte unserer geteilten Menschlichkeit stärker sind als die Mächte, die uns trennen wollen. Ich rufe Euch auf, Olympische Sportler: Respektiert Euch selbst, respektiert Euch gegenseitig, respektiert die Olympischen Werte (...).“

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          Respekt, Gleichheit, Unzertrennlichkeit? Schön wärs. Auch für die paralympischen Sportler, die nun, gut zwei Wochen nach dem Ende von Bachs olympischer Sause zusehen müssen, wie sie in Rio zurechtkommen mit dem Notbudget, das Olympia ihnen übriggelassen hat. Da wäre ein wenig Respekt, ein Ausdruck von Unzertrennlichkeit und Gleichheit nicht nur angemessen, sondern zwingend erforderlich gewesen. Seit 28 Jahren hat der IOC-Präsident stets an der Eröffnung der Paralympics teilgenommen, es war eine Selbstverständlichkeit für Juan Antonio Samaranch und Jacques Rogge. Man kann Bachs Vorgängern alles Mögliche vorwerfen, Samaranch mehr als Rogge, aber den Paralympics erwiesen beide den gebotenen Respekt.

          Bach nicht. Der Eröffnung der Paralympics bleibt er fern, weil er am Staatsakt für Walter Scheel teilnehmen müsse, hieß es vom IOC. Scheel war noch nicht Bundespräsident, sondern Außenminister, als er seine Version von „Hoch auf dem Gelben Wagen“ auf Schallplatte pressen ließ, zu Gunsten der „Aktion Sorgenkind“. Man kann guten Gewissens annehmen, dass Scheel Bachs Teilnahme an der Eröffnung in Rio gutgeheißen hätte. In Sotschi vor zweieinhalb Jahren war Bach übrigens bei der Eröffnung der Paralympics dabei – obwohl Wladimir Putin zwei Wochen vorher gerade, mit Schluss der Winterspiele von Sotschi, die Krim der Ukraine entrissen hatte.

          Warum also erlaubt sich Bach nun diesen Gesichtsverlust? Weil das Internationale Paralympische Komitee nach der Art intensiver Auseinandersetzung mit dem russischen Staats-Doping, auf die man bis heute vom IOC wartet, zum nachvollziehbaren Schluss gekommen war, dass die Betrüger draußen bleiben müssen? Weil Bach seine Partner im Kreml nicht enttäuschen will? Oder weil die brasilianischen Ermittler wissen ließen, dass sie Fragen an „den Zeugen Bach“ haben, nachdem sie im Ticket-Schwarzmarkt-Skandal die Anklage gegen dessen langjährigen Mitstreiter Patrick Hickey aus Irland ausformuliert haben? Vielleicht kommt auch ein Grund zum anderen. Fest steht nur, dass Bach ein weiteres Mal in olympischer Rekordzeit bewiesen hat, wie weit bei ihm Worte und Handeln auseinanderliegen. Alle sind gleich? Von wegen. Die Paralympier wissen es jetzt besser.

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