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Die Paralympischen Spiele : Hört die Signale!

Die Vorfreude bei den deutschen Teilnehmern der Paralympischen Spiele ist groß. Bild: dpa

Die Paralympischen Spiele sollen den Paralympiern Infastruktur und Aufmerksamkeit garantieren. Doch das wäre ihnen in Rio de Janeiro beinahe zum Verhängnis geworden.

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          Vier Jahre ist es her, dass der Para-Sport sein bislang größtes Fest feierte. London, da waren sich alle einig, die es erlebt hatten, setzte in jeder Hinsicht neue Maßstäbe. Ausverkaufte Arenen mit bis zu 80.000 Zuschauern im Olympiastadion, ein ebenso faires wie leidenschaftliches Publikum, dazu großer Sport – das war der Stoff, aus dem paralympische Träume waren. Besser, das ahnte man schon damals, konnte es so schnell nicht werden. Dass es aber ein derart böses Erwachen geben würde wie wenige Wochen vor den Spielen von Rio, als die Organisatoren plötzlich mehr oder weniger blank dastanden, weil offensichtlich olympische Löcher hatten gestopft werden müssen – damit hatte wohl niemand gerechnet.

          Die Kopplung an die Olympischen Spiele, die den Paralympiern eigentlich Infrastruktur und auch Aufmerksamkeit garantieren soll, wäre ihnen beinahe zum Verhängnis geworden. Das muss schmerzhaft gewesen sein für Sir Philip Craven und seinen Verband, der im Vergleich zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) auf bescheidenem Niveau operiert – die jährlichen Einnahmen belaufen sich auf gerade einmal 12 Millionen Euro –, aber mit viel Herzblut Großes leistet. Es wäre spannend gewesen, ob im Fall der Fälle Thomas Bach und das IOC das IPC und die Organisatoren von Rio rausgeboxt hätte.

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          Wenn jetzt die Wettkämpfe beginnen, dann haben die 4350 Sportlern aus 176 Ländern (plus einem Flüchtlingsteam mit zwei Athleten) diese Bühne, die sich ihnen nur alle vier Jahre bietet, verdient. Bei allen Unschärfen und manchmal auch Widersprüchen, die im paralympischen Sport mit seinem komplexen Klassifizierungswesen stecken, ist es gut, dass es die Spiele gibt. Es ist nicht nur reine Rhetorik, dass von ihnen ein Signal ausgeht – individuell, was die Ermunterung und Unterstützung von Menschen mit Beeinträchtigung angeht, aber auch gesellschaftlich. Nur eines sollte man nicht glauben: Dass die paralympische Welt eine heile ist.

          Auch den Para-Sportlern ist nichts Menschliches fremd. Um das zu wissen, hätte es noch nicht einmal der Aufdeckung der systematischen russischen Manipulationen im Umfeld der Winterspiele von Sotschi bedurft. Es gibt auch im Para-Sport das ungute und zugleich wachsende Gefühl, dass nicht immer mit lauteren Mitteln um vordere Plätze gekämpft wird. Und manchmal wird es auch Gewissheit, die Liste der Doping-Vergehen in der Sparte Powerlifting etwa ist erschreckend lang.

          Das Beispiel, das Sir Craven mit seiner kompromisslosen Haltung in der Russland-Frage gab, war in dieser Hinsicht ein richtiges und wichtiges Zeichen und hat das IPC darüber hinaus schon zu einem Gewinner gemacht, noch bevor die Spiele überhaupt begonnen haben. Gut, dass es nun losgeht. Und eine Schande, dass es daran jemals Zweifel gab.

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