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Paralympics 2016 : Stars mit Strahlkraft

  • -Aktualisiert am

In Jubellaune: Markus Rehm (l.) und seine Staffel-Kollegen feiern ihre Goldmedaille Bild: AP

Wer wird das Gesicht der Paralympics? Nach seiner ersten Goldmedaille mit der Staffel hat Leichtathlet Markus Rehm gute Chancen. Doch auch eine Britin und ein Brasilianer stehen im Fokus.

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          Erst kommen die Japaner, dann will auch das brasilianische Fernsehen sein Recht. Und schließlich kann auch noch Bundespräsident Joachim Gauck per Live-Schaltung ein paar warme Worte für Markus Rehm und seine deutschen Mitstreiter loswerden. Zumindest aus deutscher Sicht ist Markus Rehm, der unterschenkelamputierte Weltklasse-Leichtathlet, der mediale Superstar der Paralympics in Rio de Janeiro. Rehm beherrscht das Spiel mit den Medien, und die Medien wissen um die Strahlkraft des deutschen Stars. Ob soziale Netzwerke, Titelseiten oder TV-Studio – im Rennen um die Präsenz bei den Paralympics hat Rehm schon jetzt eine Goldmedaille sicher.

          Seit der Südafrikaner Oscar Pistorius von der paralympischen Bühne verschwand, ist die Rolle des Superstars, der weltweit alles überstrahlt, bei den Paralympcs vakant. Und Rehm bringt das Zeug mit, diese Rolle international auszufüllen. Am Montag gewann der Achtundzwanzigjährige mit der deutschen 4 × 100-Meter-Staffel seine erste echte Goldmedaille in Rio – nach dramatischem Verlauf. Routiniert spult er das Programm ab, weiß um seine Vorreiterrolle. „Die Vorfreude ist deutlich größer als der Druck“, sagt er. Als Welt- und Europameister sowie Weltranglistenerster sei es normal, mit der Rolle des Top-Favoriten an den Start zu gehen, sagt Rehm.

          Sinnbild der Trennung

          Was ihn bei diesen Spielen aus dem Kreis all jener heraushebt, die ohnehin schon Herausragendes und Besonderes leisten, ist seine Geschichte vom bislang unerfüllten Traum eines Starts bei einer Leichtathletik-WM oder den Olympischen Spielen. Er ist zum Sinnbild der Trennung von Olympia und Paralympics geworden und eben des Versuchs, genau diese Trennung zu überwinden. Das macht ihn international zu einer Symbolfigur, für die sich Sendeanstalten und Journalisten aus aller Welt interessieren. Und Rehm nutzt die Chance, seine Botschaften in die ganze Welt hinauszutransportieren. Den Satz, den er in Rio immer wieder anbringt, ist der Satz von der Gleichberechtigung: „Ich möchte, dass wir das gleiche Ansehen genießen wie die olympischen Athleten.“ Das Staffel-Gold könnte den Hype um ihn noch einmal zusätzlich anheizen.

          Bis zum Weitsprung am Samstag ist es nun noch eine lange Woche, die es auszufüllen gilt. Doch auch die internationale Konkurrenz um den virtuellen Thron bei diesen Paralympics wittert ihre Chance. Eine, die das Zeug dazu hat, in Rio Rehm von den Titelseiten zu verdrängen, ist Hannah Cockroft. „Ich bin in Großbritannien überall auf den Plakaten zu sehen. Es ist schön, dass die Menschen meinen Namen kennen“, sagt die Britin, die spätestens seit London 2012 zu einer der schillerndsten Figuren der Paralympischen Spiele aufstieg und seitdem den vielversprechenden Namen „Hurricane Hannah“ trägt. „Das alles hilft dem Rollstuhlsport und der Leichtathletik bei den Paralympischen Spielen“, sagt sie.

          Auch schon erfolgreich: Die Britin Hannah Cockroft
          Auch schon erfolgreich: Die Britin Hannah Cockroft : Bild: Reuters

          Und weil britische Stars durch die Verbreitung innerhalb des Commonwealth eben auch immer internationale sind, die von der BBC über den ganzen Globus transportiert werden, ist auch Cockroft in Rio de Janeiro eines der Gesichter der Spiele. Und auch sie nutzt ihre Prominenz für die Verbreitung von Botschaften: „Ja es hat Fortschritte gegeben. Aber ich glaube, dass wir immer noch nicht gleichberechtigt mit unseren olympischen Gegenübern sind“, sagte sie der Tageszeitung „The Guardian“. Es fehle vor allem an Unterstützung bei der Ausrüstung. Der Behindertensport sei immer noch nicht für alle leicht zu betreiben. Die Britin, die infolge von Herzattacken, die sie als Baby hatte, auf den Rollstuhl angewiesen ist, gewann zum Auftakt ihrer Wettbewerbe das Finale über 100 Meter in der Klasse T34 in paralympischer Rekordzeit von 17,42 Sekunden und setzte damit den Siegeszug von London fort. Es soll nicht ihre letzte Goldmedaille bleiben, in Rio hat sie noch zweimal die Chance, ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit zu bestätigen, der sie derzeit umgibt.

          Und unter jenen vielleicht zehn Kandidaten, die das Zeug zum Gesicht dieser Spiele haben, ist auch noch ein Brasilianer in ausgezeichneter Startposition. Der Schwimmer Daniel Dias, der ohne Hände und mit einem verkürzten Bein geboren wurde, bringt das Aquatics Stadium von Rio regelmäßig zum Beben. Bereits seine erste Goldmedaille zum Auftakt der Spiele sorgten für intensive Momente und ein begeistertes Publikum. Dias ist einer der Motoren dieser Tage von Rio, die dafür sorgen, dass der Eintrittskartenverkauf doch noch zu einer Erfolgsgeschichte geworden ist. Mit dem Weltrekord über 200 Meter Freistil wurde es zwar nichts, aber dafür klappte es schon zum Auftakt mit der magischen Verbindung zwischen Publikum und Athleten: „Dass die Zuschauer so gejubelt haben, macht mich trotzdem zufrieden. Diese Unterstützung ist unbezahlbar“, sagte Dias.

          Er steht vor historischen Tagen in Rio de Janeiro und könnte zum erfolgreichsten Sportler der Paralympics aufsteigen. Nach den vier Goldmedaillen in Peking und sechs in London sind die Spiele im eigenen Land der absolute Karrierehöhepunkt: „Es ist eine unglaubliche Zeit, nicht nur für mich, sondern für alle brasilianischen Athleten.“ Doch bei allem Druck, der auf den Sportlern lastet, rät er auch dazu, die Spiele zu genießen. Und ist zumindest mit dieser Botschaft schon einmal ganz nah bei Rehm und Cockroft.

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