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Deutsche bei den Paralympics : „Meilenweit von dem, was wir können“

  • Aktualisiert am

Gesche Schunemann (links) und Johanna Welin verpassen Gold im Finale deutlich Bild: AFP

Das Tischtennis-Team stand gegen China knapp vor einer Überraschung. Die Rollstuhl-Basketballerinnen waren im Endspiel dagegen chancenlos: Es sind nicht die Spiele der deutschen Mannschaften.

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          Am Ende wurden die Verliererinnen gefeiert wie die Sieger. „Obrigado Rio“ („Danke Rio“) stand auf der Fahne, mit denen sich die deutschen Rollstuhl-Basketballerinnen bei den Paralympics in Rio de Janeiro von den Zuschauern verabschiedeten. Die Brasilianer jubelten und klatschten, doch die deutschen Spielerinnen merkten schnell, dass der Applaus des Publikums kein gleichwertiger Ersatz für ein verlorenes Endspiel ist. „Es tut weh, weil die Goldmedaille so nah war“, sagte Johanna Welin. Ihre Mannschaft verlor dieses Finale gegen die Vereinigten Staaten am Freitagabend klar mit 45:62 (17:29).

          Als die beiden Tischtennis-Spieler Thomas Schmidberger und Thomas Brüchle eine Stunde später auch noch das Endspiel des Teamwettbewerbs gegen China mit 1:2 verloren, war klar: Die Paralympics 2016 in Rio sind die ersten, bei denen die Deutschen in keinem Mannschaftssport die Goldmedaille gewonnen haben.

          Knapp war es dagegen bei den Tischtennisspielern Thomas Schmidberger (rechts) und Thomas Bruchle
          Knapp war es dagegen bei den Tischtennisspielern Thomas Schmidberger (rechts) und Thomas Bruchle : Bild: dpa

          Die Sitzvolleyballer wurden am Freitag nach einer knappen 5:6-Niederlage gegen die Ukraine nur Sechster. Das Goalball-Team scheiterte im Viertelfinale an den Vereinigten Staaten. Die Rollstuhl-Basketballer kamen ebenfalls nur bis zur Runde der letzten Acht. Für das Blindenfußball- oder Rollstuhl-Rugby-Turnier hatte sich gar kein deutsches Team qualifiziert.

          „In den Mannschaftssportarten ist das Abschneiden immer abhängig von einzelnen Aktionen“, sagte der Chef de Mission Karl Quade. „Wenn die Sitzvolleyballer im ersten Spiel gegen Ägypten den Sack zugemacht hätten, wäre es ganz anders gelaufen. Bei den Rollstuhl-Basketballerinnen ging heute nichts. Die Goalballer haben eine ganz junge Mannschaft, die hier super mitgespielt hat.“ Und so fällt sein Fazit am Ende gar nicht so negativ aus. „Es sind bei diesen Paralympics auch knappe Entscheidungen für uns gefallen, wenn ich nur an den Radsport denke. Es gleicht sich alles irgendwie aus.“

          „Meilenweit von dem, was wir können“

          Für die Rollstuhl-Basketballerinnen war das am Freitagabend kein Trost. Sie waren als Titelverteidiger und Europameister in dieses Turnier gegangen - und haderten nach der deutlichen Finalpleite gegen die USA mit ihrer Leistung. „Wir waren meilenweit von dem entfernt, was wir spielen können“, sagte Marina Mohnen. „Viele von uns sind schon so lange dabei, da darf so etwas nicht passieren. Schon gar nicht in einem Goldmedaillen-Spiel.“

          Im Rollstuhl-Basketball ist die Leistungsdichte enorm groß. Es gibt die USA, den Weltmeister Kanada, den Europameister Deutschland und den Paralympics-Dritten Niederlande, die diesen Sport seit Jahren dominieren. „Wenn wir gegeneinander spielen, entscheidet nur die Tagesform“, erklärte Welin. Die Deutschen gewannen gegen die USA das WM-Halbfinale 2014, verloren aber bereits das WM-Endspiel 2010.

          Die Offensive machte den Unterschied

          Die Niederlage im Paralympics-Finale lag in erster Linie an einer schwachen Offensiv-Leistung. „Wir hatten nur eine Quote von 31 Prozent. Damit kannst du kein Spiel gewinnen“, sagte Welin. Den Niederländerinnen war es am Vortag gegen Deutschland genauso gegangen. „Da habe ich die so schlecht treffen sehen wie noch nie“, meinte die 32-Jährige. Alles eine Frage der Tagesform.

          Die Tischtennis-Spieler waren einem Sieg gegen China deutlich näher. Das Doppel zum Auftakt wurde gewonnen, Thomas Brüchle lag im entscheidenden Einzel bereits mit 2:1 Sätzen und 9:6 Punkten vorn. „Wir haben sensationell gespielt - leider nicht mit einem guten Ende“, sagte Trainer Michele Comparato. „Wir haben jetzt im Einzel und mit der Mannschaft vier Silbermedaillen geholt. Das sind die silbernen Spiele für das Tischtennis-Team. Eine Goldene wäre geil gewesen.“

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