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Paralympics : Höchstleistung und Hightech bei den Winterspielen der Behinderten

  • Aktualisiert am

Nach Dopingsperre wieder am Start: Thomas Oelsner Bild: dpa

Nach strenger Nominierung haben nur Medaillenfavoriten einen Platz im deutschen Team für die Winterspiele der Behinderten in Salt Lake erhalten.

          Die deutsche Mannschaft setzt bei den ersten Winter-Paralympics des neuen Jahrtausends auf die Erfolgsformel „Klasse statt Masse“. Nur 26 Starter - 22 Männer und vier Frauen - sollen von Donnerstag und bis zum 16. März in Salt Lake City im Ski alpin und Ski nordisch die magere Bilanz von Nagano 1998 wieder aufbessern.

          Damals hatten 81 Athleten 44 Medaillen gewonnen. Vier Jahre zuvor in Lillehammer konnten die Deutschen noch 64 Podiums-Plätze bejubeln. „Durch die neuen Nominierungs-Kriterien mit der Konzentration auf die Spitzen-Athleten hat diesmal jeder eine Medaillenchance“, betont der Chef de Mission, Karl Quade, vor dem am Donnerstag im Rice-Eccles Stadium beginnenden VIII. Wintersportfest der Behinderten.

          Schießen nach Gehör

          Als Medaillen-Garanten der unter dem Motto „Leistung - Vorbild - Anerkennung“ startenden deutschen Sportler gelten wie schon bei den Olympischen Winterspielen die Biathleten. Auf der Anlage in Soldier Hollow brauchen die Blinden und Sehgeschädigten ein gutes Gehör. Denn das Zielen am Schießstand wird den Sportlern mit Hilfe eines akustischen Systems ermöglicht. Über Kopfhörer erhält der Wettkämpfer ein Dauertonsignal, dessen unterschiedliche Tonhöhen ihm die Ausrichtung des Gewehrs zur Scheibe anzeigen. Je höher das Tonsignal ist, umso näher das Ziel.

          Zu den Favoritinnen zählt Verena Bentele aus Tettnang. Die gerade 20 Jahre alt gewordene Psychologie-Studentin hat schon alles gewonnen: EM- und WM-Titel sowie Olympia-Gold in Nagano. Daher geht die blinde Biathletin, die für den WSV Oberhof startet, gelassen in den Wettkampf: „Hoffentlich wird alles entspannt und lustig. Denn mit dem Spaß kommt der Erfolg von allein“, meint Verdie Blondine. Mit der neuer Lasertechnik hat sie „Trocken-Training“ im Wohnzimmer absolviert.

          „Hoffentlich unfallfrei“

          Vereinskollege Thomas Oelsner ist weitaus angespannter. „Weil ich bei meinen letzten Paralympics ein gutes Ergebnis erzielen möchte“, erklärt der deutsche Aktivensprecher, der auch im Skilanglauf auf der kurzen, mittleren und langen Distanz vor allem die Konkurrenz aus dem eigenen Lager fürchtet.

          Auf dem alpinen Hochgeschwindigkeitskurs von Snowbasin will Gerd Schönfelder aus dem bayerischen Kulmain wieder in die Goldspur fahren. Vor vier Jahren erkämpfe der Armamputierte nach einem schweren Sturz und mit angerissenem Kreuzband noch Bronze. Bei bisher vier Paralympics-Teilnahmen holte er sechs Mal Gold, zwei Mal Silber und einmal Bronze. „Ich hoffe, dass es diesmal unfallfreier wird“, so Schönfelder, der vor allem die Amerikaner stark einschätzt. Der 31-Jährige wird in den vier alpinen Disziplinen Abfahrt, Super G, Riesenslalom und Slalom starten.

          IOC unterstützt Paralympics mit Millionen

          Insgesamt kämpfen an den neun Wettkampftagen in den Startklassen LW (Einschränkung des Bewegungsapparates) und B (Sehbehinderte) 421 Sportler - 332 Männer und 89 Frauen - um Edelmetall. Das zahlenmäßig stärkste Aufgebot stellen die Gastgeber mit 57 Sportlern (41/16). Medaillen werden in maximal 95 Wettbewerben vergeben. Ohne deutsche Beteiligung finden die Spiele im Eisschlitten-Hockey statt. Aus dem einstigen Reha-Sport ist 26 Jahre nach der Premiere im schwedischen Ornsköldsvik längst ein Hochleistungssport geworden.

          Das Internationale Olympische Komitee (IOC) unterstützt die Paralympics- Bewegung bis 2004 mit über zwei Millionen US-Dollar (2,3 Mio Euro). Die TV-Rechte sind vom Internationalen Paralympics-Komitee (IPC) bis einschließlich 2006 an die US-Produktionsfirma WeMedia verkauft worden. Die Entsendung des deutschen Teams kostet 440 000 Euro.

          Es werde eine ähnliche „Materialschlacht“ wie bei den Nichtbehinderten geben, glaubt Chef de Mission Quade. Auch Doping-Fälle wie bei den Sommer-Paralympics vor zwei Jahren in Sydney werden trotz der erhöhten Anzahl von Kontrollen durch das IPC nicht ausgeschlossen.

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