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Im Gespräch: Wojtek Czyz : „Für Olympia fehlen mir die physiologischen Voraussetzungen“

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Glücksmoment: Wojtek Czyz im Ziel des 100-Meter-Laufs von Athen Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Am Samstag um 14 Uhr beginnt die Eröffnungsfeier der Paralympics in Peking. Wojtek Czyz war der deutsche Star bei den „Olympischen Spielen“ der Behindertensportler vor vier Jahren. Im FAZ.NET-Gespräch spricht er über seine Prothese, seine Erwartungen und den Fall Pistorius.

          Der 28 Jahre alte Leichtathlet Wojtek Czyz war mit drei Goldmedaillen der deutsche Star bei den Paralympics 2004 in Athen. Bei den an diesem Samstag beginnenden Spielen in Peking wird er nur im Weitsprung antreten. Czyz musste vor sieben Jahren sein linkes Bein infolge einer beim Fußball erlittenen Verletzung amputiert werden. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung spricht er über seine Prothese, seine Erwartungen sowie die Fälle Pistorius und du Toit.

          Wie muss man sich den Hochleistungssport mit einer Prothese vorstellen?

          Sie ist ein Hilfsmittel, aber auch ein Teil von mir. Ich spüre die kleinsten Veränderungen. Es ist vielleicht vergleichbar mit dem Stabhochsprung, wo man auch auf einen guten Stab angewiesen ist. Der Stab ist auch ein Hilfsmittel, aber man versucht, eine Einheit damit zu bilden. Man hofft natürlich auch, wenn man anläuft, dass der Stab nicht kaputtgeht.

          Ist Ihnen das mit Ihrer Prothese schon einmal passiert?

          Mehrere Male. Letztes Jahr im Juli gab es ein Stadionfest bei meinem Verein, dem 1. FC Kaiserslautern. Dort wurden speziell für mich eine Bühne und ein Steg aufgestellt; zwölftausend Leute waren da, es war auch ein Qualifikationssprung für Peking. Und dann laufe ich an, und ein Teil meiner Prothese bricht, das eigentlich nie hätte brechen dürfen – gleich beim ersten Versuch. Da war die Enttäuschung natürlich riesig. Aber lieber dort als in Peking im Finale.

          Haben Sie für einen solchen Notfall vorgesorgt?

          Das Teil, das als unkaputtbar galt, habe ich inzwischen als Ersatzteil dabei.

          Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die bevorstehenden Spiele?

          Ich denke, es werden mit die besten Spiele, die es jemals im Behindertenbereich gegeben hat. Peking wird eine wunderschöne Kulisse bieten – und eine große Begeisterung. Ich freue mich ungemein auf die Menschen, auf die sehr freundlichen und hilfsbereiten Chinesen, auf die perfekten Organisatoren.

          Die Dinge, die vor den Olympischen Spielen eine Rolle gespielt haben – Meinungsfreiheit, Zensur –, beschäftigen Sie sich auch damit?

          Ich bin in erster Linie als Sportler dort, für alles andere habe ich keinen Kopf. Wenn man sich mit solchen Dingen beschäftigt, merkt man schnell, dass die Konzentration schwindet.

          Trübt es aber nicht auch ein bisschen die Vorfreude?

          Nein, überhaupt nicht. Ich denke, dass auf der politischen Ebene selbstverständlich ein Dialog herrscht zwischen China und der Welt. Das ist eine zaghafte Entwicklung, die auch noch weitergehen muss. Aber ich überlasse das absolut unseren hellen Köpfen in der Politik, sich darum zu kümmern.

          Beschäftigen Sie sich damit, wie in China mit Behinderten umgegangen wird?

          Ich weiß, dass China 80 Millionen Behinderte hat. Das ist natürlich eine Dimension, die wir uns hier nicht vorstellen können. Ich weiß, dass gerade in den letzten vier Jahren eines der größten Scoutings in der Weltgeschichte des Behindertensports stattgefunden hat. Man hat behindertengerechte Trainingsstätten hingezaubert, nach denen sich jeder Athlet der Welt die Finger lecken würde. Man sieht, dass China auch bei den Paralympics an die Spitze will, und ich bin überzeugt, sie werden die meisten Medaillen gewinnen.

          Im chinesischen Alltag wird Behinderung immer noch häufig als großer Makel gesehen – es geht so weit, dass behinderte Kinder von ihren Eltern versteckt werden. Ist das für Sie ein Problem?

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