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Otto Rehhagel : Rehakles

Setzt seinen Triumphzug weiter fort: Otto Rehhagel Bild: AP

Sein Außenseiter-Triumph mit der griechischen Nationalmannschaft paßt zu Otto Rehhagels Karriere, in der sich unmögliche Missionen zu einer Konstanten entwickelt haben.

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          Im Frühjahr 2003 machte sich Bayer Leverkusen auf die Suche nach neuem Führungspersonal. Trainer Toppmöller war schon entlassen, und die Mannschaft stand im Abstiegskampf der Bundesliga, als der Klub auf den Gedanken verfiel, Otto Rehhagel als Helfer zu gewinnen. Rehhagel befand sich damals in Griechenland, und sein Engagement als Nationaltrainer verlief nicht gerade glücklich. Die ersten beiden Qualifikationsspiele für die Fußball-Europameisterschaft waren verlorengegangen, dann folgten zwar zwei Siege gegen Armenien und Nordirland, aber Rehhagel war sich einer langfristigen Beschäftigung in Griechenland trotzdem nicht sicher.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Er rechnete damit, die kommende Partie in Spanien zu verlieren - und damit womöglich auch seinen Job. Rehhagel führte Gespräche mit Leverkusen, die Sache zerschlug sich allerdings, nicht zuletzt, weil der Sportbeauftragte des Bayer-Werks über einen möglichen Sportdirektor Rehhagel spottete, da könne man doch gleich Max Merkel einstellen. Rehhagel sagte Leverkusen daraufhin ab, gewann das Spiel in Spanien vollkommen überraschend. Seither schreibt der deutsche Trainer immer weiter an einem Fußballmärchen, das auch über ein Jahr später nach dem EM-Halbfinale immer noch nicht zu Ende ist. Das letzte Kapitel ist nach dem 1:0 der Griechen am Donnerstag gegen die Favoriten aus der Tschechischen Republik allerdings exakt terminiert: An diesem Sonntag um 20.45 Uhr spielt Griechenland im Endspiel gegen Gastgeber Portugal um den Titel.

          Griechen haben tiefes Vertrauen in Rehagel

          Das ist eine Sensation. Aber Rehhagels Triumph mit dem Außenseiter paßt zu einer Karriere, in der sich unmögliche Missionen zu einer Konstanten entwickelt haben. Dem 65 Jahre alten Trainer, immer wieder unterschätzt, gelang es in seiner Bundesliga-Hochzeit mit Werder Bremen nicht nur, einen Meister mit vergleichsweise geringen Mitteln zu formen, sondern den Klub zum großen Gegenspieler des FC Bayern München reifen zu lassen. Den 1. FC Kaiserslautern führte er in den neunziger Jahren nach dem Abstieg direkt zurück in die erste Liga - und gewann mit dem Aufsteiger umgehend die deutsche Meisterschaft. Ein sportliches Kunststück, das es davor und danach in Deutschland nicht gegeben hat.

          Rehhagels griechische Erfolgsgeschichte verblüfft auf ihre eigene Weise. Dem vom Fußball noch immer begeisterten Kind der Bundesliga gelingt es selbst in einem fremden Land, seinen Enthusiasmus und seine Einstellung auch im Pensionärsalter paßgenau zu vermitteln. Die Griechen haben längst tiefes Vertrauen zu einem Trainer gefaßt, dem sie in Anlehnung an den Heroen Herakles den sportlichen Ehrentitel "Rehakles" verliehen haben. Schon im Eröffnungsspiel des Turniers siegte das Team 2:1 gegen Portugal und lenkte die Aufmerksamkeit bei der EM auf ein Land, das im Fußball immer zu den Randgebieten zählte - sich aber spätestens nach dem 1:0 im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Frankreich seinen Platz in der EM-Historie sicherte. Mit dem Endspiel steht für Griechenland am Sonntag der Höhepunkt der Fußball-Geschichte bevor. Aber nicht unbedingt für Rehhagel, der vom Fußball-Olymp genau beobachtet, wie Deutschland einen Bundestrainer für unmögliche Missionen sucht.

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