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Oscars für „Icarus“ und Bryant : „Bach muss zurücktreten“

Bryan Fogel: Oscar für den besten Dokumentarfilm Bild: AP

Kobe Bryant erhält den Oscar für „Dear Basketball“, eine Liebeserklärung an seinen Sport. Bryan Fogel wird für seine Dokumentation „Icarus“ ausgezeichnet. Danach holt er aus.

          2 Min.

          Leid und Liebe – um die beiden großen Hollywood-Themen ging es auch bei den Oscar-Verleihungen am Sonntagabend, die sich auf den Sport bezogen. Als beste Dokumentation wurde in Los Angeles Bryan Fogels „Icarus“ ausgezeichnet, in dem das staatlich gesponserte russische Doping-Vertuschungssystem von 2011 bis 2015 nachgezeichnet wird. Den Oscar für den besten Kurz-Zeichentrickfilm erhielt „Dear Basketball“, eine Liebeserklärung des ehemaligen Profis Kobe Bryant an seinen Sport. Bryant, fünfmaliger Meister der Profiliga NBA mit den Los Angeles Lakers und zweimaliger Olympiasieger, der vor zwei Jahren seine Karriere beendet hat, schrieb das Drehbuch. Umgesetzt wurde es vom ehemaligen Disney-Zeichner Glen Keane.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Bryant bedankte sich für die „unglaubliche Ehre“. Der Oscar fühle sich noch besser an als seine Meisterschaften. „Das ist verrückt, Mann.“ Fogel wiederum, mit Produzent Dan Cogan an seiner Seite, nutzte die große Bühne, um seinen Film Gregorij Rodtschenkow zu widmen. Er ist der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, dessen Aussagen die Welt des Sports hauptsächlich das Wissen um das russische Staatsdoping verdankt. Rodtschenkow, der gegenüber der „New York Times“, der amerikanischen Justiz und dem kanadischen Jura-Professor Richard McLaren aussagte, spielt eine zentrale Rolle in Fogels Film. Er hat inzwischen Schutz gesucht im amerikanischen Zeugenschutzprogramm und zeigt sich in der Öffentlichkeit nur noch maskiert oder hinter einem Schirm verbogen.

          Beim anschließenden Interview hinter der Bühne nutzte Fogel die Aufmerksamkeit, um gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu wettern und seinen Präsidenten Thomas Bach wegen der Entscheidungen in der Russland-Affäre zum Rücktritt aufzufordern. Das Russische Olympische Komitee (ROC) war von den Winterspielen in Pyeongchang ausgeschlossen worden, 169 russische Sportler wurden aber eingeladen, unter neutraler Flagge trotzdem dort zu starten. Drei Tage nach den Spielen wurde die Suspendierung des ROC wieder aufgehoben.

          Kobe Bryant: Oscar für den besten Kurz-Zeichentrickfilm
          Kobe Bryant: Oscar für den besten Kurz-Zeichentrickfilm : Bild: EPA

          „Thomas Bach muss schlicht und einfach zurücktreten“, forderte Fogel. „Er ist ein Betrüger, und was er dem Planeten Erde und jedem Athleten, der an das olympische Ideal glaubt, gezeigt hat, ist, dass man diesem und diesen Worten nicht trauen darf. Man kann einen Betrug dieses Kalibers bestätigen, beweisen und benennen, der über Jahrzehnte lief, und diesem Land, das diesen Betrug begangen hat, wird dann im Wesentlichen ein Klaps auf die Hand gegeben. Und 160 seiner Athleten wird es erlaubt, an den Spielen teilzunehmen – zwei von ihnen gedopt –, ohne dass das Land jemals Verantwortung übernimmt, sich für seine Taten entschuldigt oder irgendeine dieser Wahrheiten anerkennt, während es weiterhin Dr. Gregorij Rodtschenkow jagt – und dann wird die Sperre dieses Landes direkt nach den Spielen aufgehoben? Welch ein Betrug. Was für eine korrupte Organisation. Und dieser Mann sollte sich schämen. Er muss zurücktreten.“

          Das Internationale Olympische Komitee reagierte kurz angebunden auf die heftige Kritik. Ein Sprecher erklärte schriftlich: „Wir gratulieren Herrn Fogel zu seinem Oscar-Erfolg, aber seine Backstage-Kommentare waren vollkommen unangemessen.“

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