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Once-Team : Auf zum Gipfel

  • -Aktualisiert am

Führend: Once-Team Bild: dpa

Die Pyrenäen als erste Kraftprobe - in den Bergen ist die Mannschaft Gold wert. Beim Once-Team ist Radsport noch Teamsport.

          Manolo Saiz beendete die Diskussion auf seine Weise. Wer denn nun eigentlich bei Once der Kapitän sei, wollten die Journalisten wissen, der Auserkorene, der versuchen soll, den großen Lance Armstrong vom Thron zu stoßen. Ganz klar Joseba Beloki, meinte Igor Gonzalez de Galdeano, der Träger des Gelben Trikots, denn Beloki sei der Bergspezialist und schließlich schon zwei Mal Dritter bei der Tour gewesen.

          Das sehe er anders, sagte Beloki, derzeit auf Rang Drei hinter Armstrong platziert: Sie seien ein gleichberechtigtes Gespann. „Es gibt nur einen Chef in unserem Team“, intervenierte Saiz, der große alte Mann des spanischen Radsports. „Und das bin ich.“ Das klingt sehr selbstherrlich, doch so war es nicht gemeint. Saiz mag es schlicht nicht, den Radsport auf einzelne Namen und einzelne Köpfe zu reduzieren.

          Neue Generation von Fahrern

          Weder Beloki, noch Galdeano sind seine Stars. Was für ihn zählt, ist sein Team und das setzt er mit seiner Person gleich. Denn er hat Once vor 10 Jahren gegründet - der Sponsor ist eine von einem Blindenverband geleitete spanische Lotterie. Die Trikotfarbe ist gelb - nur bei der Tour müssen die Once-Protagonisten ersatzweise in rosafarbene Jerseys schlüpfen.

          Die derzeit täglich das Bild der Etappen prägen. Once dominiert, Once siegt. Saiz steht für den Aufstieg zu einer der größten und stärksten Mannschaften im Radsport. Bei der diesjährigen Tour de France liegt das Team in der Manschaftswertung vorne. Und hat, wie schon 1990, beim ersten Auftritt der damals unbekannten kleinen spanischen Mannschaft, das Mannschaftszeitfahren gewonnen.

          „Alle reden über Armstrong, Galdeano, Beloki“, Saiz dagegen wehrt sich, Radsport zum Individualsport zu machen. „Was für den Radsport viel wichtiger ist, ist, dass bei dieser Tour eine ganz neue Generation in Erscheinung tritt.“ Galdeano sei sicher einer dieser Generation, aber auch Fahrer wie Raimundas Rumsas, Santiago Botero, Francisco Mancebo und Unai Osa. Das sei für ihn, so Saiz, viel aufregender als der vermeintlich große Kampf an der Spitze.

          Schüler gegen seinen Meister

          Und so will Saiz auch nichts davon wissen, dass es ein Duell gebe zwischen ihm und dem Sportlichen Leiter von Armstrongs Mannschaft, US Postal, Johan Bruyneel. Bruyneel war pikanterweise jahrelang Fahrer in Saiz' Mannschaft, die beiden kennen sich sehr gut. Doch Saiz meint: „Es gibt 19 Mannschaften bei der Tour, jede mit anderen Zielen. Das macht die Tour spannend und nicht der Zweikampf zwischen mir und Johan.“

          Sein ehemaliger Schüler Bruyneel, weiß Saiz, sieht das jedoch vermutlich anders. „Es ist immer so, dass ein Schüler die Ambition hat, seinen Meister zu überflügeln. Und das ist auch gut so.“ Allerdings glaubt Saiz nicht, dass die intime Kenntnis seiner Arbeitsweise Bruyneel taktische Vorteile verschafft: „Ich weiß nicht, wie es ist, mit einem Fahrer wie Armstrong zu arbeiten. Und er weiß nicht, wie man mit Beloki und Galdeano arbeitet.“ Jeder dieser Athleten habe unterschiedliche Fähigkeiten und die verlangten individuelle taktische Entscheidungen.

          Der Schlüssel ist das Team

          Die Taktik von Once in den Bergen, wo die Entscheidung im Kampf um das Gelbe Trikot erwartet wird, entspricht Saiz' Team-Philosophie. Zum einen wird man sich nicht auf einen Gegner konzentrieren: „Es gibt 1000 Möglichkeiten und viele Fahrer, die in den Bergen gut sind“, so Joseba Beloki. Zum anderen wird Once nicht, wie das etwa bei US-Postal üblich, als Ein-Mann Truppe auftreten: „Der Schlüssel zum Erfolg für Igor und mich“, so Beloki, „ist, dass wir bei allem, was wir tun, an den anderen denken.“

          Kein Schachzug bei Once ist Einzelaktion, jeder Angriff ist als Teamwork konzipiert. Darauf, dass dieses Teamwork auch fruchtet, wollten sich Beloki und Galdeano vor der ersten Pyrenäenetappe allerdings noch nicht festlegen. Einstimmig nannten beide nicht sich selbst sondern Armstrong als Favoriten. „Auf mich hat Armstrong trotz der Niederlage beim Zeitfahren sehr stark gewirkt“, erklärt Saiz.

          Warten auf den Fehler

          Allerdings glaubte er beim Amerikaner auch eine gewisse Unsicherheit entdeckt zu haben: „Früher hat er nur über sich selbst geredet. In diesem Jahr redet er viel über andere. Das zeigt, dass er nervös ist. Und wer nervös ist, macht Fehler.“ Auf einen solchen Fehler werden die Once-Fahrer warten: „Wir werden in den Bergen sehen, ob wir den Super-Armstrong der vergangenen Jahre haben“, sagte Beloki. Wenn nicht, dann wird Once zur Stelle sein.

          Aber auch wenn es Once nicht gelingt, Armstrong zu stürzen, ist Saiz nicht traurig, die Mannschaft hat sich schon jetzt blendend verkauft und das ist ihm ja schließlich das Wichtigste. Die Mannschaft ist sein Lebenswerk und an dieses lässt er keinen Makel.

          Saiz' schöne, heile Welt

          „Jedes Mal wenn einer gut fährt, heißt es, er sei gedopt“, entgegnete er auf die Dopinggerüchte um Galdeano, die am Montag aufkamen. Es stellte sich heraus, dass Galdeano das Medikament, das ihm nachgewiesen wurde, schon seit langem auf Verschreibung hin bekommt, einen Dopingfall Galdeano gab es nicht. „Unser Erfolg beruht auf harter Arbeit und einer guten Nachwuchsförderung“, wehrt sich Saiz gegen alle Verdächtigungen.

          Saiz' Radsportwelt ist noch in Ordnung, der Generalverdacht gegen den Sport entspringt für ihn destruktiven Gemütern: „Wer uns verdächtigt, der stellt auch die großen Karrieren eines Merckx oder eines Hinault in Frage.“ Den Verdacht wird Saiz aber wohl nicht loswerden. An saubere Sieger im Radsport zu glauben ist schwer geworden, auch wenn sie so sympathisch daher kommen wie Saiz' junge Truppe.

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