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Viererbob bei Olympia : Champions im Eiskanal

Goldene Männer in Grau: Francesco Friedrich, Candy Bauer, Martin Grothkopp und Thorsten Margis. Bild: Reuters

Friedrich findet auch im Vierer-Bob die goldene Spur, diesmal vor Landsmann Nico Walther. Der Coup bestätigt die Strategie des Cheftrainers nach der Schmach von Sotschi: Konkurrenz im Schlittenbau führt zu drei Olympiasiegen.

          Die Sonne schien, es war warm geworden am Sonntagmittag an der Bobbahn von Alpensia. Ein Hauch von Frühling lag in der Luft und ein Hauch vom letzten Schultag vor den großen Ferien. Die große olympische Anspannung hatte sich gelöst.

          Die Teams packten ihre Schlitten auf Kleinlastwagen, da lief vor Kurve 14 die Siegerehrung. Zwei deutsche Flaggen wurden aufgezogen, die deutsche Hymne gespielt. Zwei der drei Schlitten, die das deutsche Team verlud, konnten von der Konkurrenz in Pyeongchang nicht geschlagen werden.

          „Es ist Wahnsinn. Wir hätten nicht gedacht, dass er so krass fahren kann“, sagte Thorsten Margis. Er, Francesco Friedrich, war mit Margis zum Beginn der Woche Olympiasieger im Zweierbob geworden, zeitgleich mit den Kanadiern. Die Spannung war unglaublich, die Deutschen hatten einen schlechten ersten Tag gehabt, aber im letzten Moment doch noch den Sprung geschafft.

          Südkoreas Bahn mit besonderen Eigenschaften

          Nun, sechs Tage später, hatte Friedrich die Sache im Griff. Und die Konkurrenz. Olympiasieg, der zweite, dieses Mal mit 53 Hundertstelsekunden Vorsprung. Die letzte Fahrt, als Anschieber die reine Freude, erzählt Margis: „Man sitzt hinten drin und hofft, dass er Kurve zwei hinkriegt. Hat er, immer wieder. Bei der Überfahrt zur zwölf sind wir schon am Jubeln, weil es voll geil war. Überfahrt 13, 14 hat er uns kurz ausgehoben, ich denke: Huch, was macht er jetzt? Aber dann waren wir durch, dann war es gegessen.“

          Friedrich selbst hatte schon vor den Rennen festgestellt, dass die Bahn in Südkorea „eine der wenigen ist, auf der es mir immer schon auffiel, dass es im Vierer viel leichter ist als im Zweier. Der Schlitten hat hundertprozentig auf die Bahn gepasst. Ich habe mit minimalen Lenkbewegungen immer genau die Bahn treffen können.“

          Aber es waren nicht nur Friedrich, Margis, Candy Bauer und Martin Grothkopp, die im Ziel jubelten. Dort standen schon Nico Walther und seine Anschieber Kevin Kuske, Alexander Rödiger und Eric Franke und freuten sich: Mit der letzten Fahrt holten sie den Koreaner Won Yun-jong und seine Crew ein. Wieder gab es einen Medaillensatz zweimal zu verteilen, dieses Mal jenen aus Silber.

          „Andre bleibt für mich der größte Bobpilot“

          Der Schlüssel: ein deutlich verbesserter Start im vierten Durchgang, 4,88 Sekunden zeigte die Uhr. Kein schlechter Wert für das Team um den inzwischen 39 Jahre alten Kevin Kuske, der mit Andre Lange in Salt Lake City 2002 und Turin 2006 Olympiasieger im Vierer und in Turin und Vancouver 2010 im Zweier geworden war.

          Mit der Silbermedaille in Südkorea übertrifft er Lange nun. „Aber darüber denke ich gar nicht nach“, sagte Kuske: „Andre bleibt für mich der größte Bobpilot, den es je gab. Ich freue mich einfach, nach dem harten Ritt hier eine Silbermedaille zu haben. Aber jetzt ist definitiv Schluss.“

          Bundestrainer René Spies, der mit seinen Piloten in Pyeongchang drei Goldmedaillen und eine Silbermedaille gewonnen hat, hatte vor zwei Jahren, als er die Verantwortung übernahm, nicht mit diesem Erfolg gerechnet. „Hätte ich gesagt, wir fahren nach Pyeongchang und gewinnen drei Goldmedaillen, dann hätten die mich innerhalb von einer Woche entlassen und für verrückt erklärt. Aber so ist das manchmal im Sport.“

          Den deutschen Piloten wurde freigestellt, welches Bob-Fabrikat sie für ihre Fahrten nutzen wollen. Friedrich fuhr schließlich im Zweierbob des Berliner Instituts für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten zum Olympiasieg, im Vierer gelang ihm der Sieg mit einem Bob des Tiroler Herstellers Wallner, der im Windkanal von BMW einen aerodynamischen Schliff bekam.

          Mariama Jamanka fuhr mit dem FES-Zweier zum überraschenden Sieg bei den Frauen. Nach dem Fehlschlag von Sotschi, als die Deutschen nicht stark genug am Start und ihre Bobs in der Bahn zu langsam waren, fuhren sie nun wieder in erstklassigem Material zu Tale.

          Das Abschneiden des dritten deutschen Vierers, gesteuert von Johannes Lochner, dem Sieger des Gesamt-Weltcups, zeigt allerdings, dass allein das Material nicht für einen Olympiasieg ausreicht. Lochner wurde Achter mit seiner Crew und erzählte anschließend, dass er vom ersten Training an nicht auf Touren gekommen sei in Pyeongchang.

          Francesco Friedrich bejubelt die Goldmedaille im Viererbob.

          Woran das lag, war ihm bis zum Schluss nicht klar. Er wolle den Schlitten nun komplett zerlegen und untersuchen, ob es nicht doch einen Defekt gab. „Es ist schade. Wir hatten pro Lauf drei Zehntel Rückstand, das hatten wir in den letzten zwei Jahren nicht einmal. Das ist schade.“

          Aber Lochner war beeindruckt von der „Stärke und vom Selbstbewusstsein“ des Olympiasiegers. „Hier mit einer halben Sekunde Vorsprung zu gewinnen, ist sensationell.“ Friedrich hatte keines der sieben Rennen im Weltcup gewonnen. „Er ist keiner, der reihenweise die Weltcups gewinnt“, sagt Spies. „Das ist einer, der zum Big Point da ist.

          Einer, der das auch weiß, dass er dann da ist. Nico Walther fragt dann: Was ist mit Friedrich los, wo kommt der jetzt her? Aber Francesco Friedrich ist an diesen beiden Tagen on fire. Er hat die Ruhe, er zieht es runter. Er ist einfach ein Champion.“

          Friedrich ist nun nach Lange, Wolfgang Hoppe, Meinhard Nehmer und Andreas Ostler der fünfte Deutsche, der beide Wettbewerbe bei ein- und denselben Olympischen Spielen gewonnen hat. Spies, der Cheftrainer, stand in der Frühlingsluft in Südkorea und spürte, wie sich auch in ihm die Anspannung aufgelöst hatte. „Lust auf mehr durch den Erfolg?

          Im Moment bin ich so leer, was die Zukunft angeht, weil wir so einen großen Erfolg erzielt haben. Aber mir ist klar, dass wir ganz, ganz hart arbeiten müssen, um so etwas in vier Jahren eventuell zu wiederholen.“

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