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Russland und Olympia : Verbale Breitseite gegen das IOC

Vor der russischen Flagge auf den Zuschauerrängen: Die Eishockeymannschaft der „Olympischen Athleten aus Russland“. Bild: AFP

Das IOC wird von Doping-Bekämpfern hart kritisiert für seine Taktik in der Russland-Frage: Die Interessen der sauberen Athleten genössen keine Priorität. Beachtlich ist dabei der ungewöhnlich scharfe Ton.

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          Führende Doping-Bekämpfer haben eine verbale Breitseite gegen das Internationale Olympische Komitee (IOC) losgelassen, das am Sonntag beschlossen hat, die Sperre des Russischen Olympischen Komitees (ROC) bald wieder aufzuheben. Die Vereinigung der führenden Nationalen Anti-Doping-Agenturen (iNado) mit Sitz in Bonn erklärte in einer in ungewöhnlich scharfem Ton abgefassten Stellungnahme, die „enttäuschende Tatsache, dass dies ein weiterer kurzlebiger, ausgehandelter Deal ist, der in den nächsten Tagen schnell wieder aufgehoben wird, zeigt, dass der Umgang des IOC mit diesem Thema sich von schlecht zu noch schlechter entwickelt hat.“ Angesichts zweier Doping-Fälle während der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang hatte das IOC den Russen die Wiederzulassung vor der Schlussfeier zwar verweigert, ihnen aber ihre Wiederaufnahme in Aussicht gestellt, falls alle weiteren Doping-Proben negativ ausfielen.

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Weiter wird in der Erklärung angeprangert, es habe zwei positive Tests russischer Athleten erfordert, um das IOC in Zugzwang zu bringen, das „die klare Absicht“ gehabt habe, das ROC schon vor der olympischen Schlussfeier in Pyeongchang wieder aufzunehmen. Dies hätte bedeutet, dass die russische Mannschaft, die bei den Winterspielen nur als „Olympische Athleten aus Russland“ und nicht als Nation hatte auftreten dürfen, mit der Nationalflagge ins Stadion hätte einmarschieren können. Möglicherweise hätte sogar die russische Gold-Mannschaft im Eishockey, deren Finalmatch erst nach den IOC-Sitzungen zu Ende ging, wieder mit Fahne und Hymne geehrt werden können. „Es ist offensichtlich“, erklärt die Vereinigung, „dass die Entscheidung eher aus pragmatischen als aus prinzipiellen Gründen getroffen wurde.“ Auch die deutsche Nationale Anti-Doping-Agentur (Nada) gehört der iNado an. Der etwa zehn Millionen Euro umfassende Etat der Nada wird zum größten Teil vom deutschen Steuerzahler finanziert.

          Fahrlässigkeit statt systematisches Doping

          IOC-Präsident Thomas Bach hatte am Sonntag die Handlungsweise des IOC rechtfertigt. Es hatte im Dezember 2017 das Russische Olympische Komitee wegen des systematischen Doping-Betrugs während der Winterspiele 2014 in Sotschi von Pyeongchang ausgeschlossen. 168 russische Sportler waren trotzdem nach Pyeongchang eingeladen und auf Verhaltensregeln festgelegt worden, die auch das Einhalten der Anti-Doping-Regeln umfasste. Die beiden positiven Tests eines Curlers und einer Bob-Pilotin seien auf „Fahrlässigkeit“ zurückzuführen, sagte Bach bei seiner Abschlusspressekonferenz. Sie wiesen nicht „auf systemisches oder systematisches Doping“ hin, Delegationsleiter oder das ROC seien dafür nicht verantwortlich zu machen.

          „Saubere Athleten, denen ihre olympischen Momente gestohlen wurden“, formulierte das iNado, „sei es nun, indem sie eine Medaille verpassten oder sich nicht qualifizieren konnten als Konsequenz verfälschter Ergebnisse russischer Athleten, verdienen eine prinzipientreuere und standhaftere Reaktion. Eine Reihe von Entscheidungen des IOC in dieser Sache haben demonstriert, dass die Interessen dieser sauberen Athleten keine Priorität haben.“

          Auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), die seit mehr als zwei Jahren mit dem russischen Staats-Doping befasst ist, verweigerte der geplanten Aufhebung der ROC-Sperre die Unterstützung. „Um Zweifel zu vermeiden“, erklärte die Wada, „sollte klargestellt werden, dass die Russische Anti-Doping-Agentur Rusada noch nicht die nötigen Kriterien erfüllt hat, um den Fahrplan zur Übereinstimmung (mit dem Anti-Doping-Regelwerk, d. Red.) zu erfüllen.“ Die Rusada bleibt also weiterhin suspendiert. Zum Fahrplan zählt die Forderung der Wada an Russland, die Ergebnisse des McLaren-Reports, der das staatliche Doping-Vertuschungssystem in Russland belegt, anzuerkennen. Die Beweise dazu liegen seit Juli 2016 vor.

          Mit ätzenden Worten meldete sich Jim Walden zu Wort, der Rechtsanwalt des ehemaligen Moskauer Laborchefs Grigorij Rodtschenkow, der entscheidende Informationen zur Aufdeckung des russischen Doping-Systems beitrug, und der inzwischen vom FBI geschützt werden muss. „Thomas Bach war ein Ertrinkender“, wird Walden vom Branchendienst „insidethegames“ zitiert. „Aber am Ende warfen besonnenere Köpfe im IOC ihm einen Rettungsring zu.“ Walden beklagte wiederholte Vergeltungsversuche Russlands gegen seinen Mandanten.

          Derweil erklärte Sportminister Pawel Kolobkow gegenüber der Nachrichtenagentur Tass russische Olympia-Starter zu Helden. Zu der Tatsache, dass die Sportler nicht unter Russlands Fahne hatten starten dürfen, sagte er: „Diese Art der Entscheidung wird den Willen der russischen Athleten nicht brechen... Das Eishockey-Finale hat das wieder einmal bewiesen.“ Und Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte laut der Agentur Interfax, die Begeisterung der russischen Bürger für die Sportler sei wichtiger als die Tatsache, dass Russland bei der Schlussfeier seine Flagge nicht habe nutzen dürfen. „Für den russischen Sport sind Medaillen immer noch der wichtigste Gradmesser.“ Die „Olympischen Athleten aus Russland“ gewannen zweimal Gold, sechsmal Silber und neunmal Bronze. Nach IOC-Darstellung nicht für ihr Land.

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