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Streusalz : Zündende Idee

Streusalz - die FAZ.NET-Kolumne zu den Olympischen Winterspielen Bild: Bernd Helfert

Einfach warten, vertrauen, mit der tropfenden Fackel in der Hand, vor Millionen Zuschauern, auch wenn die Show stockt: Nur Leistungssportler haben solche Nerven! Oder sie haben einen Kopfhörer.

          1 Min.

          Welch ein schweißtreibender Moment: 55.000 Leute in der Halle, 3,5 Milliarden Fernsehzuschauer in aller Welt schauen auf einen. Man gehört zu den Anzündern der olympischen Flamme bei der Eröffnungsfeier und hat nun Herzklopfen. Man bemüht sich, mit der brennenden Fackel in der Hand nicht so zu zittern. Und auch sonst keinen Blödsinn zu machen wie zum Beispiel Hinfallen ohne Grund oder von einem Hustenanfall geschüttelt werden, gerade in dem Moment, wenn man zur Tat schreiten soll.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Sie haben einem gesagt, man solle warten, bis die silbernen stilisierten Eiszapfen aus dem Boden aufsteigen, ein angeblich zuverlässiger hydraulischer Mechanismus, und dann ihre Enden anzünden. Doch die Sekunden vergehen, die Musik spielt, die Scheinwerfer leuchten, die Fackel in der Hand zischt und verbreitet Hitze, und ihr Treibstoff droht auszugehen - und die Eiszapfen tauchen nicht auf. Die Musik geht zu Ende und fängt gleich noch einmal von vorne an. Wo, um Himmels willen, bleiben denn nur diese verdammten Eiszapfen?

          Solche Nerven und solches Improvisationstalent haben nur Leistungssportler!

          In anderen Lebenslagen wäre es vielleicht ganz schön, für ein paar Sekunden Wayne Gretzky zu sein, The Great One. Doch in diesem Moment nicht unbedingt. Schlimmer noch traf es die ehemalige Eisschnellläuferin Catriona LeMay-Doan. Denn als sich die Eiszapfen nach langer Wartezeit endlich ächzend aus dem Boden erhoben, war für sie nichts dabei, es kamen nur drei.

          Da waren`s doch nur drei: Eiszapfen bei der Eröffnungsfeier

          Gretzky hatte einen, die ehemalige Skirennläuferin Nancy Greene hatte einen, und der Basketballspieler Steve Nash hatte einen, nur die arme Catriona nicht. Trotzdem rannten sie nicht kopflos umher, um die Lage noch zu retten. Sie blieben ganz ruhig. LeMay-Doan hielt sich vornehm zurück, während das übrige Trio seine zündende Arbeit verrichtete. Noch zwanzig Sekunden mehr, und die Fackeln wären erloschen. Bravo! Solche Nerven und solches Improvisationstalent haben wahrscheinlich nur Leistungssportler!

          Erst später wurde bekannt, wieso das Quartett ohne jede Absprache so locker mit der Krisensituation fertig wurde. Jeder von ihnen trug einen Kopfhörer, über den er Anweisungen von David Atkins, dem Direktor der Show, erhielt. „Ruhig bleiben, Wayne!“ „Bleib wo du bist, Catriona.“ „Nun aber vorwärts, Nancy und Robin.“ Die innere Stimme bewahrte sie vor allen Fehltritten. Eine zündende Idee.

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