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Streusalz : Deutsche Mysterien

  • -Aktualisiert am

Streusalz - die FAZ.NET-Kolumne zu den Olympischen Winterspielen Bild: Bernd Helfert

Felix Lochs Erfolg in der Bobbahn irritiert die Kanadier: Durch eine unerklärliche Werteverschiebung lieben die Deutschen obskure Sportarten. Warum können sie sportlich fast alles, aber ausgerechnet kein Eishockey spielen?

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          Wenn die Kanadier aus aktuellem Anlass versuchen, das Mysterium der deutschen Wintersporterfolge zu ergründen, tun sie sich manchmal ein bisschen schwer. Die German Sporthilfe erwähnen sie bewundernd, und auch die imponierende Summe, die das Berliner Innenministerium dem Sport jedes Jahr überweist, 200 Millionen Dollar, wow! Wobei man sagen muss, dass in Kanada die Staatsstütze für den Sport vor den aktuellen Spielen auch nicht von schlechten Eltern war. Wie auch immer: 800 deutsche Sportsoldaten zählen die kanadischen Analysten auf, dazu Forschungsstätten, medizinische Betreuung (von Doping nicht zu reden), alles hochprofessionell und allererste Sahne.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Ob am Tresen oder in den Leitartikeln, den Ursprung der Erfolgsgeschichte des deutschen Wintersports orten die Kanadier, was naheliegt, in der Kälte, im Kalten Krieg, um genau zu sein. Der deutsche Osten habe vorgelegt, der deutsche Westen habe nachgelegt, und dass man den Sport auf beiden Seiten des Eisernen Vorhanges als ultimatives staatliches Qualitätsmerkmal definierte, das habe sich halt ganz besonders tief in die deutsche Seele gegraben und dort auch die Zeitenwende überdauert, mehr noch als bei anderen Nationen. Keine üble Erklärung, damit könnte man die Analyse schließen. Doch da ist noch eines.

          Unerklärliche Verschiebung der Werte

          Was die Kanadier irritiert, ist dies: Warum, fragen sie sich, können diese Deutschen, die im Winter sportlich fast alles können, ausgerechnet das Wichtigste nicht: Eishockey spielen? Peter O'Neil, Kolumnist der „Vancouver Sun“, erwähnt fassungslos und mit sichtlichem Erschaudern, man habe ihm erzählt, dass das deutsche Fernsehen sich manchmal aus Jahrhundertevents - etwa dem Eishockeymatch Kanada gegen Russland - ausblende, um irgendwelche obskuren Disziplinen zu übertragen. Bob statt Eishockey - als würde man mitten in der Mondlandung zu einer Kochsendung hinüberschalten.

          Kochsendung statt Mondlandung: Bobfahrer Felix Loch holt Gold

          Deutschland, schlussfolgern die Kanadier, liebt infolge einer unerklärlichen Verschiebung der Werte obskure Sportarten. Es ist ein Land der Bobfahrer, in dem nicht nur vier, sondern alle 82 Millionen Menschen die Schlitten anschieben. Ja, es würde die Kanadier kein bisschen wundern, wenn man ihnen erzählte, dass im winterlichen Deutschland die Menschen nicht mit dem Bi-Emm-Dabblju über die Autobahn rasen, sondern mit dem Viererbob. Was nebenbei ja auch erklären würde, warum sie so schnell sind im Eiskanal.

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