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Olympische Winterspiele : Zum Abschluss erklingt die Hymne doch

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Bobpilotin Nadeschda Sergejewa (rechts) hat den Dopingverstoß eingeräumt. Bild: dpa

Die Bobpilotin Nadeschda Sergejewa hat zugegeben, gegen die Dopingregeln verstoßen zu haben. Dem IOC macht das eine wichtige Entscheidung zur Causa Russland noch schwerer. Diese wird nun auf die Tage nach Olympia vertagt.

          Das Auftreten der russischen Eishockeymannschaft bei der olympischen Siegerehrung konnte nur als eine Provokation an die Adresse des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) verstanden werden. Aus voller Brust und mit trotzigen Mienen sangen die Olympiasieger zusammen mit ihren Fans in der Halle die russische Nationalhymne, während aus den Lautsprechern die olympische Hymne für sie gespielt wurde. Es handelte sich hier nicht nur um die Missachtung eines olympischen Symbols. Aufgrund des russischen Doping-Betrugs bei den Winterspielen vor vier Jahren in Sotschi war es der Mannschaft lediglich erlaubt, als „Olympische Athleten aus Russland“ in Pyeongchang anzutreten, auf die Nationalflagge und ihre Hymne mussten sie verzichten. „Wir hatten hier keine russische Mannschaft“, sagte IOC-Präsident Thomas Bach noch wenige Stunden vor dedem demonstrativen Gesang im Hockey Center von Gangneung.

          Ein Katalog von Verhaltensregeln war den „Olympischen Athleten aus Russland“ mit auf den olympischen Weg gegeben worden, die den Spielern und Trainern auch verboten, ihre Nationalhymne an den Wettkampfstätten zu singen. Dass im Hintergrund auch eine riesige Trikolore mit Doppeladler hochgehalten wurde, während am Fahnenmast eine neutrale Flagge gehisst wurde, kann man dagegen nur den Fans anlasten, für die die Richtlinien nicht galten. Nur Stunden zuvor hatte das IOC beschlossen, die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees (ROC) nicht wie geplant aufzuheben. Ansonsten hätte die „Sbornaja“ beim Endspiel wohl ganz legal wieder unter den russischen Hoheitszeichen zum Endspiel antreten können. Zwei Doping-Fälle im Team der nach IOC-Darstellung handverlesenen Athleten verhinderten das Ende der Sanktionen. In den Proben des Curlers Alexander Kruschelnitzki und der Bob-Pilotin Nadeschda Sergejewa waren verbotene Substanzen aufgespürt worden.

          Sollten sämtliche weiteren aktuellen Doping-Proben keinen positiven Fall mehr erbringen, wird die Sperre allerdings in kürzester Zeit automatisch aufgehoben. Dieser Beschluss der IOC-Exekutive wurde am Sonntag von der Vollversammlung, allerdings mit 52 Anwesenden nur noch knapp beschlussfähig, bestätigt. Die Entscheidung war zunächst von Samstag auf Sonntag verschoben worden. Die Exekutive hatte die „Implementation Group“, die einen Report über das Verhalten der „Olympischen Athleten aus Russland“ erstellt hatte, gebeten, diesen in der Zwischenzeit zu ergänzen.

          Der Ort ohne Entscheidung: die Sitzung des IOC-Exekutivkomitees.

          Bach bestätigte in Pyeongchang, es sei um die Feststellung gegangen, dass es sich bei den beiden Doping-Fällen um individuelle Fahrlässigkeit gehandelt habe und es nicht etwa Hinweise auf ein Doping-System oder die Verantwortung von Delegationsleitern oder des ROC gegeben habe. Binnen weniger Tage könnte das ROC nach Beschlusslage wieder als vollwertiges Mitglied im IOC aufgenommen werden. Damit möchte das IOC einen Schlussstrich unter die Affäre um das russische Staats-Doping ziehen. Sollten weitere Doping-Proben von Pyeongchang ein positives Ergebnis bringen, müsste die IOC-Exekutive über das weitere Vorgehen beraten. Spätere Nachtests, bestätigte Bach, spielten keine Rolle mehr in der Suspendierungsfrage. Damit hat das IOC sich vorerst aus einer heiklen Lage befreit: Die Sperre gegen Russland wurde zwar verlängert, aber nur um ein paar Tage. Und das Problem, das sich am Sonntag für Präsident Putins Herzensteam auftat, lösten die sangesfreudigen Eishockey-Cracks in Eigenregie.

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