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Wladimir Putin : Der wahre Herrscher des Sports

Sport ist mehr als sein Hobby: Wladimir Putin mit dem Bobpiloten Alexander Zubkow Bild: pixathlon / RIA Novosti

Diesmal ist alles anders: Mit dem Ende der Winterspiele ist der Spuk des Gastgebers nicht vorbei. Die Machtdemonstration des russischen Präsidenten und seiner Oligarchen hat gerade erst begonnen.

          5 Min.

          Die Flamme ist aus, die Spiele mit dem unsichtbaren Trauerflor sind vorüber. Das heißt aber nicht, dass Wladimir Putin, der Sieger in der Nationenwertung von Sotschi, den Sport so schnell wieder aus seiner Umarmung entlässt. Bisher hat Olympia zwar noch jeden schwierigen Gastgeber hinter sich gelassen, sogar die anstrengenden Chinesen. Doch diesmal ist es anders. Wo immer die Funktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) demnächst hingehen werden: Putin ist schon da.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Und das nicht nur bei sportlichen Großereignissen, die sich im Reich des russischen Präsidenten ballen. Im August werden in Tscheljabinsk die Weltmeisterschaften im Judo ausgetragen, die Schwimm-WM 2015 findet in Kasan statt, 2016 die Eishockey-WM in Moskau und St. Petersburg. Dazu kommt die Formel 1, die im Oktober in Sotschi haltmachen wird und sechsmal wiederkommen will. Und 2018 der Triumph: die Fußball-Weltmeisterschaft. Dahinter steckt noch ein weiteres Prinzip: Putins Machtübernahme in der Sportpolitik.

          Putins Einfluss im Weltsport ist immens

          Längst sitzen seine schwerreichen alten Freunde und Sportkameraden an wichtigen Schlüsselpositionen, sein Einfluss im Weltsport einschließlich des Fußballs ist immens. Jahrelang hat der ehemalige Geheimdienstchef die internationale Sportpolitik systematisch infiltriert, vor allem mit Hilfe von riesigen Geldströmen. Die 37 Milliarden Euro, für die Putin und seine steinreichen Helfer einen olympischen Luxuspark in den Kaukasus haben stellen lassen, sind bis zur Fußball-WM nur der vorläufige Höhepunkt.

          Der Oligarch Wladimir Potanin, einer der reichsten Männer Russlands, hat sich Ende Januar gegenüber der russischen Ausgabe der Zeitschrift „Forbes“ gerühmt, er sei der Initiator der Sotschi-Spiele gewesen, und in diesem Zusammenhang einen erhellenden Einblick in Putins sportpolitische Expansionsstrategie gegeben. Zur Frage, wie es Sotschi geschafft habe, bei der IOC-Vollversammlung 2007 in Guatemala den Zuschlag zu erhalten, sagte Potanin: „Das ganze Gerede, dass man Koffer voll Geld bringt, und alles wird schon – das ist Unsinn.“

          Milliardär Wladimir Potanin hatte angeblich die Idee mit Sotschi
          Milliardär Wladimir Potanin hatte angeblich die Idee mit Sotschi : Bild: REUTERS

          Er beschrieb den ganz legalen, aber sehr effektiven Weg: „Wenn du Geld für die Organisationen gibst, heißt das, dass du die Möglichkeit erhältst, Wettkämpfe durchzuführen und in Führungspositionen zu kommen. Das funktioniert viel effizienter als alle Koffer voll Geld.“ Das Rezept, um nach Belieben an Mehrheiten zu kommen, ist also simpel: Sponsor und Gönner werden. „Forbes“ schreibt, nach Ansicht Potanins habe bei der Entscheidung von Guatemala neben Putins persönlichem Erscheinen eine Rolle gespielt, dass die staatliche Bank VTB den Leichtathletik-Weltverband des Senegalesen Lamine Diack unterstützt habe – der Sponsorvertrag wurde 2007 für fünf Jahre geschlossen und 2011 verlängert.

          Außerdem der Einfluss zweier Milliardärskollegen Potanins: Alischer Usmanow als Präsident des Weltverbands der Fechter und Wladimir Lisin als Präsident des Europäischen und Exekutivmitglied des Internationalen Schützenbundes brachten ihre Überzeugungskraft ein. Insgesamt hätten staatliche und staatsnahe Unternehmen für solche Aktionen 100 Millionen Dollar ausgegeben, zusätzlich zu den 100 Millionen für die Bewerbung. Sechs Jahre später fanden in Moskau die Leichtathletik-Weltmeisterschaften statt. Sieben Jahre später die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Potanin selbst baute das Skigebiet Rosa Khutor.

          Zwei Phänomene zeigen, wie weit Putin schon gekommen ist

          Das IOC mag sich zugute halten, dass die russische Durchdringung zumindest sein oberstes Entscheidungsgremium, das Exekutivkomitee, noch nicht erreicht hat – abgesehen von der fahrlässigen Nähe des Schweizer Eishockey-Präsidenten René Fasel zum weißrussischen Despoten und Putin-Verbündeten Alexander Lukaschenka. Aber zwei Phänomene zeigen, wie weit Putin auch so schon gekommen ist. Erstens: Im September 2013, just bei der Vollversammlung, die Thomas Bach zum neuen Präsidenten wählte, beugte das IOC Putin zuliebe eines seiner wichtigsten Prinzipien: die Wahrung der Autonomie des Sports.

          Der russische Politiker Alexander Schukow wurde als neues Mitglied aufgenommen. Er ist nicht nur Chef des Russischen Olympischen Komitees, sondern hat Putin schon in vielen Rollen gedient. Zurzeit ist er Erster Vizepräsident der Staatsduma. 2007 begleitete Schukow Putin nach Guatemala als Vize-Premierminister. Das IOC hat jetzt vier russische Mitglieder – nur die Schweiz hat noch eines mehr.

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