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Bach und die Menschenrechte : Der Eiertanz des IOC-Präsidenten in China

Sein oder Nichtsein: Thomas Bach Bild: Reuters

Thomas Bachs Kronzeugen reichen vom Papst bis Hamlet: Wie der deutsche IOC-Präsident sich vor den Olympischen Spielen in China um die Antwort auf die Menschenrechts-Frage drückt.

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          Thomas Bach, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), hat in Peking Hamlet ins Spiel gebracht. Bach wollte darlegen, warum Sportler bei Siegerehrungen keine politischen Statements abgeben sollten. Doch das war nachrangig in einer bemerkenswerten Pressekonferenz.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Das Wichtigste zuerst: Es geht um den Umgang des Gastgebers der Olympischen Winterspiele, der Volksrepublik China unter Staats- und Parteichef Xi Jinping, mit den Uiguren. In dieser Angelegenheit, in der es Belege für die Internierung von zeitweilig über einer Million Menschen, Berichte unter anderem über Zwangssterilisationen und juristische Bewertungen gibt, die Chinas Unterdrückungspolitik als Verbrechen gegen die Menschlichkeit ansehen, und andere, die von Genozid sprechen, in dieser Angelegenheit hat Thomas Bach das IOC für neutral erklärt am Donnerstag und damit implizit deutlich gemacht, dass für ihn diese Neutralität mehr zählt als die universelle Gültigkeit von Menschenrechten.

          „Die Position des IOC muss angesichts seiner Neutralität sein: Wir kommentieren politische Angelegenheiten nicht. Wenn wir einen politischen Standpunkt einnehmen, zwischen Spannungen geraten, Streit und Konfrontation politischer Mächte, dann bringen wir die Spiele in Gefahr“, sagte Bach.

          Der Umgang der chinesischen Staatsmacht mit der eigenen Bevölkerung, die Unterdrückung der Uiguren und anderer Muslime aufgrund ihres Glaubens, ist keine Folge internationalen Streits, im Gegenteil. China spricht stets von einer internen Angelegenheit, die das Ausland nichts angehe. Bach verglich die olympische Großwetterlage gleichwohl mit dem Ende der Olympischen Spiele der Antike, mit Auseinandersetzungen zwischen Sparta und Athen, die für die Zeit der Spiele ruhten, und der Einmischung des römischen Kaisers, die „das Ende der Spiele über fast 2000 Jahre“ bedeutet habe.

          Unter seinem deutschen Präsidenten, das hat Bach damit klar zum Ausdruck gebracht, spricht nichts dagegen, dass sich das IOC Gastgeber für seine Spiele sucht, in dem die eigene Bevölkerung teils auf schrecklichste Art und Weise drangsaliert und unterjocht wird, solange sich nur jemand im Ausland findet, der diese Unterdrückung kritisiert.

          Gefragt, welche Botschaft von China bei diesen Winterspielen ausgehe, sagte Bach: „China ist eine Wintersportnation.“ Er hatte dabei die 346 Millionen Wintersportler im Sinne, die Chinas Staatsmacht und das Organisationskomitee zuletzt gezählt haben wollen und die das Organisationskomitee am Morgen auch noch einmal referiert hatte, bevor Xi Jinping die 139. Session des IOC eröffnete und dabei dessen „Mut und Tapferkeit“ lobte. Eine „neue Ära des globalen Wintersports“ sieht Bach angebrochen.

          Papst Franziskus schreibt dem IOC

          Es war der erste Auftritt des IOC-Chefs vor einer großen Schar internationaler Journalisten in Peking. Angesichts der langen Liste an Themen, die sich in den Monaten aufgestaut hatten, in denen vom IOC in Sachen Peking nicht viel zu hören war außer Lob für den Stand der Vorbereitungen der Spiele und Zuversicht angesichts der chinesischen Pandemie-Schutzpläne, war klar, dass die Fragen aus zwei Richtungen kommen würden.

          Da waren chinesische Journalisten, die noch ein wenig mehr zu den Bemühungen der Gastgeber um die Vorbereitung oder der Pandemieunterdrückung wissen wollten. Und da waren diejenigen, die sich dafür interessierten, was Bach zu seinem geplanten Treffen mit der über Wochen aus der Öffentlichkeit verschwundenen Tennisspielerin Peng Shuai zu sagen hatte. Und zur Unterdrückung der Menschenrechte in China. Und zur Frage, wie sich das IOC positionieren würde, nachdem Menschenrechtler und Organisationen, die angeben, für Athleteninteressen einzutreten, Sportler davor gewarnt hatten, in China ihre Meinung zu Themen frei zu äußern, wenn diese nicht der Position der chinesischen Regierung entspricht.

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