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Olympische Winterspiele : Streit um russische Athleten weitet sich aus

Cas-Präsident John Coates bestätigt in Pyeongchang, dass bei der Ad-hoc-Kammer weitere 15 Klagen gegen die Nichteinladung durch das IOC eingegangen sind. Bild: dpa

Der Streit um die Teilnahme russischer Sportler an den Olympischen Winterspielen in Südkorea geht in die nächste Runde. Weitere 15 Athleten ziehen vor Gericht. Aus dem IOC gibt es weiter Kritik.

          15 weitere russische Sportler wollen auf dem Rechtsweg Zugang zu den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang finden. John Coates, der Präsident des Internationalen Sportschiedsgericht Cas, teilte am Mittag auf der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit, dass bei der Ad-hoc-Kammer des Cas weitere 15 Klagen gegen die Nichteinladung durch das IOC eingegangen seien. Eine halbe Stunde nachdem Coates dies mitteilte, begann in Yongpyong gegen ein Uhr am Mittag die Anhörung der 32 Kläger, die bereits am Dienstag Klagen gegen ihre Nichteinladung eingereicht hatten. Diese endete nach rund zweieinhalb Stunden und soll am Donnerstag fortgesetzt werden.

          Dann werden auch die weiteren Kläger angehört. Bei ihnen handelt es sich um 15 Sportler aus der Gruppe der 28 russischen Sportler, die vergangene Woche ihren Rechtsstreit im regulären Cas-Verfahren gewonnen hatten. Ihre vom IOC wegen des Betrugs bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 verhängte lebenslange Olympia-Sperre, war aufgehoben worden, ihre Ergebnisse in Sotschi wieder eingesetzt worden, weil das Schiedsrichter ihnen keinen individuellen Doping-Verstoß nachgewiesen hätten.

          Aus dieser Gruppe sind 13 Sportler noch aktiv, zudem arbeiten zwei der Kläger inzwischen als Trainer. Gleichwohl war ihnen zu Beginn der Woche eine Einladung zu den Spielen durch das IOC verwehrt worden, unter Verweis auf „Zweifel an ihrer Integrität“. Begründet wurde dies mit der Auswertung weiterer Beweismittel, unter anderem der Datenbank des Moskauer Anti-Doping-Labors, die sich seit Ende Oktober 2017 im Besitz der Welt-Anti-Doping-Agentur befindet.

          Coates, zugleich IOC-Mitglied und Leiter der IOC-Rechtskommission, legte auf der Session den Tätigkeitsbericht des Cas vor. Anschließend sah er sich der Kritik des britischen IOC-Mitglieds Adam Pengilly ausgesetzt. „Es wird uns nicht entgangen sein, dass es unter den Athleten in aller Welt großen Ärger gibt wegen der Entscheidung des Cas zu Russland.“ Die Welt kenne die Wahrheit, aber durch den Cas gebe es keine Gerechtigkeit. „Das Vertrauen in das Rechtssystem ist wahrscheinlich auf einem Tiefststand. Wie wollen Sie das Vertrauen wiedergewinnen, dass der Cas sauberen Athleten Schutz gewähren sollte?“

          Das IOC, das 169 russischen Sportlern Einladungen zugestanden hatte, die von 168 auch angenommen wurden, behauptet in Pyeongchang, mit diesem Team „Olympischer Athleten aus Russland“ gehe eine „neue, saubere“ Generation russischer Sportler an den Start, die die Botschaft der Möglichkeit von Erfolgen ohne Doping überbringen sollen. Ein Erfolg der Klägern vor der Ad-hoc-Kammer würde aus Sportler, denen das IOC abgesprochen hatte, sauber genug für diese Botschaft zu sein, Diplomaten in eben dieser Sache machen.

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