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Putin und die Olympische Winterspiele : Sport. Macht. Politik. 

Vermeintlicher Gönner: So zeigt sich Putin im Rahmen der Olympischen Winterspiele Bild: dpa

Russlands Präsident Wladimir Putin macht mit dem Sport Politik - nicht nur bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi. Der Westen schaut dabei entweder in die Röhre - oder macht mit.

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          Wladimir Putin hat seinen Weg an die Spitze nicht nur dem Geheimdienst, sondern auch dem Sport zu verdanken. In seiner Jugend ging er eisern zum täglichen Training: Kampfsport. Der Trainer holte den Rowdy weg aus dem halbkriminellen Milieu in einem Leningrader Hinterhof. Putin sagt, das habe eine entscheidende Rolle für sein weiteres Leben gespielt. „Wenn ich nicht Sport gemacht hätte, wer weiß, wie es mit mir weitergegangen wäre.“ Der russische Präsident treibt auch heute noch jeden Tag Sport, er schwimmt, fährt Ski, spielt Eishockey, hat einen schwarzen Gürtel im Judo. In den siebziger Jahren war der junge Putin Judo-Stadtmeister von St. Petersburg. Heute ist er Ehrenpräsident des Internationalen Judoverbands.

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          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Mancher Sportsfreund Putins hat schon mächtig von seiner Bekanntschaft mit dem Präsidenten profitiert. Arkadij Rotenberg etwa. Der langjährige Judo-Partner Putins ist heute „Development Manager“ der Internationalen Judo-Föderation. Mit Putins Aufstieg wurde auch Rotenberg reich, mit einer Bank, mit Wodka, mit Pipeline-Rohren und einem Baukonzern. Zusammen mit seinem Bruder Boris hat er in Sotschi mehr als sieben Milliarden Dollar Umsatz gemacht. Während die „Alt-Oligarchen“ aus der Jelzin-Zeit, Russlands reichste Männer wie Oleg Deripaska oder Wladimir Potanin, Milliarden in Sotschi investieren mussten, die sie wer weiß wann überhaupt wiedersehen, sind die neuen Oligarchen, Putins Freunde, durch Sotschi sehr viel reicher geworden. Sotschi – das ist auch ein Spiel um Macht und Geld und um die Balance zwischen den Spielern. Wer auch immer in Moskau Geschäfte machen wollte musste seinen Tribut zahlen – oder konnte kassieren.

          Was der Chef im Kreml macht, das ist für die herrschende Klasse Befehl. Wer in der Politik und beim großen Geld mitmischt, wer reich und einflussreich ist, der treibt Sport. Und übernimmt wichtige Funktionen in nationalen und internationalen Sportorganisationen. Wie sehr der Sport und das große Geschäft in Russland verflochten sind, zeigt ein Blick auf die Spitzenposten der russischen Sportverbände. Witalij Mutko, der in den neunziger Jahren mit Putin eine Datschen-Kooperative gegründet hatte, ist heute Sportminister und Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees. Der Stahl-Oligarch Wladimir Lisin, dessen Vermögen auf mehr als 20 Milliarden Dollar geschätzt wird, führt den europäischen Schießsportverband an. Michail Prochorow, einer der reichsten Russen, steht dem russischen Biathlon-Verband vor und hat einen Mehrheitsanteil am amerikanischen Basketball-Club Brooklyn Nets. Nikolaj Patruschew, früherer Chef des Geheimdienstes FSB und heute Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, ist Präsident des russischen Volleyball-Verbandes. Die Aufzählung ließe sich noch fortsetzen.

          Dieses enge Netzwerk aus Sport, Politik und Wirtschaft greift schon lange über Russlands Grenzen hinaus. Heute hat Moskau wichtige Posten im Internationalen Olympischen Komitee, im Weltfußballverband Fifa und im europäischen Fußballverband Uefa erobert, die Zahl seiner Sitze deutlich vergrößert. Der Erfolg dieser Bemühungen zeigt sich seit Jahren. Sotschi, die 50 Milliarden Dollar teuren Winterspiele in den Subtropen, war nur der erste große Streich. Noch in diesem Jahr folgt an gleicher Stelle der erste Formel-1-Grand-Prix in Russland, dann kommt die Judo-WM in Tscheljabinsk. Im nächsten Jahr steigt die Schwimm-WM im tatarischen Kasan, im Jahr 2016 findet die Eishockey-WM in Moskau und St. Petersburg statt.

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