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Olympia-Kommentar : Passendes Ende im falschen Film

Unter Doping-Verdacht: Alexander Kruschelnizkij, Bronzemedaillengewinner im Mixed-Curling-Wettbewerb mit seiner Frau Anastassija Bryscgalowa. Bild: Reuters

Sollte sich der Doping-Fall eines russischen Curlers bestätigen, wäre das IOC bloßgestellt. Dass aus den Olympischen Athleten aus Russland schon bald wieder Sportler mit Flagge und Hymne werden, ist trotzdem wahrscheinlich.

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          Aus dramaturgischer Perspektive ist die jüngste Wendung des russischen Doping-Stücks nahezu perfekt. Alexander Kruschelnizkij, Bronzemedaillengewinner im Mixed-Curling-Wettbewerb mit seiner Frau Anastassija Bryscgalowa, steht unter Doping-Verdacht. Das Internationale Sportschiedsgericht Cas führt ein Verfahren gegen ihn, das russische Curling-Team bestätigt, dass Kruschelnizkijs Proben Spuren von Meldonium enthalten haben sollen. Welcher Drehbuchschreiber hätte sich das besser ausdenken können?

          Meldonium-Doping-Verdacht gegen einen russischen Sportler, mithin ein Mitglied der „Olympischen Athleten aus Russland“, der nach Definition des Internationalen Olympischen Komitees „neuen, sauberen“ Generation russischer Sportler, in der vermeintlich des Dopings unverdächtigsten Olympia-Sportart überhaupt. Und das alles wenige Tage, bevor bekanntwerden wird, ob vor der Schlussfeier die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees aufgehoben wird, Russland also Flagge und Hymne zum Finale der Spiele zurückbekommt. Das, und nicht etwa der sportliche Wettkampf, sei das wesentliche Ziel in Pyeongchang, hatte Delegationsleiter Stanislaw Posdnjakow erst am Wochenende erklärt, noch vor allen Medaillen.

          Gar nicht so wenig Doping im Curlin

          Prompt heißt es bei den russischen Curlern, so dumm könne Kruschelnizkij nicht sein. Prompt sagt der Präsident des russischen Verbandes, er wisse, dass der Athlet unschuldig sei. Spekuliert, dass ein russischer Konkurrent Kruschelnizkij etwas untergejubelt haben könnte oder eine fremde Macht. Prompt fragen die Sportler, was Doping in ihrem Sport denn bringen solle. Dabei hat auch das Curling eine gar nicht mal kleine Zahl von Doping-Fällen. Immer wieder sind positive Proben mit Spuren verbotener Medikamente und Steroiden aufgetaucht. Und aus dem Dokumentenkonvolut, das die Welt-Anti-Doping-Agentur aus dem Moskauer Anti-Doping-Labor zusammengetragen hat, geht hervor, dass die in Sotschi für Russland angetretene Jekaterina Galkina höchst auffällige Testosteronwerte hatte vor den Spielen, ihre Probe aber als sauber in der Adams-Datenbank eingetragen wurde.

          Warum auch nicht? Es braucht Kraft und Präzision für die Arbeit auf dem Eis, beidem kann man mit Mitteln aus der Apotheke auf die Sprünge helfen. Dass es nun um Meldonium gehen soll, wird sogleich als Beweismittel für die Unschuld Kruschelnizkijs angeführt. Niemand nehme doch heute noch das vor dem Verbot 2016 so beliebte Herz-Mittel aus lettischer Produktion.

          Nun wird der Cas sich mit dem Fall beschäftigen. Noch spannender als die Frage, ob dem Ehepaar Kruschelnizkij/Brysgalowa die Medaille wieder aberkannt und den bereits abgereisten Norwegern zuerkannt wird, ist aber der Umgang des Internationalen Olympischen Komitees mit dem Fall. Bestätigt sich der Meldonium-Verdacht, wäre belegt, dass die neue, saubere Generation russischer Sportler erstens nicht sauber und zweitens wohl auch nicht erneuert daherkommt. Jedenfalls nicht, was den Umgang mit dem Medizinschrank angeht. Das IOC wäre bloßgestellt.

          Die Erwartungen, was Konsequenzen angeht, sind gering: es sei „unglaublich“ und verärgere die anderen Sportler, dass die Russen überhaupt mitmachen dürften, sagte der kanadische Curler Marc Kennedy. Der schwedische Biathlet Samuelsson ruft zum Boykott des Weltcup-Finales in Sibirien auf. Vom IOC heißt es, ein möglicher Doping-Fall wäre nur einer von vielen Faktoren bei der Bewertung. Diese waren unklar gelassen worden. Gut möglich, dass aus den Olympischen Athleten aus Russland schon am Sonntag trotz allem wieder russische Sportler mit Flagge und Hymne werden. Es wäre das passende Ende im falschen Film.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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