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Olympia-Kommentar : Der angepasste Sport ist in der Krise

  • -Aktualisiert am

Eleganz und Stil treten beim Snowboarden viel zu oft in den Hintergrund. Bild: EPA

Olympische Sportarten haben sich zu einem Geschäftsmodell entwickelt, das vor allem Materielles im Sinn hat. Es folgt dem Grundgesetz des Mehrwerts: Schneller! Höher! Stärker! Stil und Eleganz fehlen, allen voran beim Snowboarden, viel zu oft.

          Was ist das Problem? Warum ist Olympia in der Krise? Doping, ja. Die alten Korruptionsgeschichten, klar. Die Nähe zu den Autokraten. Die große Koalition mit den Sponsoren, die Geldmacherei, die fehlende Nachhaltigkeit, die Inkaufnahme von Umweltzerstörung in den Ausrichterregionen, die ausufernde Gier, die Überheblichkeit. Es ist eine lange Liste. Wenn man sie durchgeht, findet man die meisten Punkte auch im Leistungssport. Der olympische Gigantismus hat die Entwicklung angeschoben, und der organisierte Sport ist gerne mitgegangen. Mit all den Interessen, die sich daraus ergeben.

          Olympia befeuert den Leistungssport und spiegelt ihn zu jeder Zeit. Man kann das am Beispiel Snowboarden sehen, an allen „jungen“ Sportarten, die sich der olympische Riese einverleibt hat und noch einverleiben will. Surfen und Skateboarden sind die nächsten Leckerbissen. Snowboarden, 1998 zum ersten Mal olympisch, hat sich seither von einem idealistisch geprägten Außenseitersport zu einem Geschäftsmodell entwickelt, das vor allem Materielles im Sinn hat: Olympia-Gold, Sponsoren-Geld. Warum auch nicht, mag man sagen. So ist der Lauf der Dinge. Aber Sport ist eben mehr als ein Start-up, das an die Börse will.

          Im Snowboarden gab es einmal einen Fahrer, und es gibt ihn immer noch, wenn auch nicht mehr auf Wettkämpfen, der rotierte weniger in der Luft als die anderen, der flog manchmal nur fast wie in Zeitlupe dahin. Er flog nicht mal, er schwebte. Der Mann heißt Nicolas Müller, kommt aus Laax in der Schweiz und ist eine Ikone des Freestyle-Snowboardens. Müllers Choreographien besaßen nicht die höchsten Schwierigkeiten, aber sie hatten Stil und Eleganz. Sie hatten diesen Hauch von Schönheit und Harmonie, den man im heutigen Leistungssport nur noch selten findet, weil man ihm allzu oft die Anstrengung ansieht, das Bemühte, das verbissene Streben nach Geld, nach Sieg. Wenn man so will: nach dem olympischen Grundgesetz des Mehrwerts: Schneller! Höher! Stärker!

          Es gibt Weltklasse-Snowboarder von heute, die Müller in ihren Läufen für ein paar Sekunden zitieren, mit einem lässigen Manöver, einem Schlenker ohne Nutzen. Der Mann ist nicht vergessen, nur ist unter all der Optimierungsanstrengung des „Immer-schneller-höher-stärker“ seine Sicht der Dinge, seine Idee des Sports, nur noch mit allergrößter Mühe zu erkennen.

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