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Kritik am IOC : „Das darf sich nicht wiederholen!“

Karla Borger, Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland, setzt sich für die Rechte der Athleten ein. Bild: dpa

Vor dem Abflug zu den Olympischen Winterspielen geht es den Athleten nur um eines: Negativ bleiben. Der Verein Athleten Deutschland fordert, dass der chinesischen Regierung keine Plattform geboten wird.

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          Olympia, der Traum vieler Athleten, steht vor der Tür. Ein Wintermärchen wird es wohl nicht. „Die Lage ist vorfreudig, aber angespannt“, sagt Johannes Herber, der Geschäftsführer von Athleten Deutschland, mit Blick auf die Winterspiele in Peking, die Ende nächster Woche beginnen. Olympia-Teilnehmer hätten sich in persönliche Blasen begeben, um nicht durch eine Corona-Infektion ihre Teilnahme zu gefährden.

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          Michael Reinsch
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Rodler, Bobfahrer berichteten am Mittwoch vor ihrem Abflug von einer Zitterpartie: Nur schön negativ bleiben. Herber hat einen guten Draht zu den Aktiven. Am Mittwoch trug er die Sorgen dem neuen Sportausschuss des Deutschen Bundestages vor, der zeitweise öffentlich tagte und als Einrichtung des Parlaments von den Alltagssorgen erfuhr. Nur wer negative Corona-Test nachweisen kann, wird nach China einreisen und an den Spielen teilnehmen dürfen.

          Die Sportler haben, teils nach zehn Jahren Vorbereitung, und nun wochenlanger Isolation in einer Sportblase das berechtigte Gefühl, keinen Einfluss mehr zu haben. Der Gegner ist unsichtbar. Es ist nicht die einzige Belastung für das Olympiateam. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) könne nicht garantieren, klagte Herber, dass Teilnehmern von den chinesischen Gastgebern keine Repressalien drohen, sollten sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nehmen.

          Fokus auf den Wettkampf

          In diesem Zusammenhang sagte Thomas Weikert, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), den Abgeordneten, er nehme die Drohung eines Mitglieds des chinesischen Organisationskomitees, dass Verstöße gegen chinesische Gesetze ebenso wie Kritik an Olympia sanktioniert werden würden, sehr ernst. Er sei in Kontakt mit dem IOC. Bislang habe gegolten, dass Athleten sich äußern dürften, so lange sie die Olympische Charta einhalten.

          „Das soll weiter möglich sein“, fügte der Rechtsanwalt hinzu: „Wir stellen uns vor die Athleten, dass sie das können, und schützen sie, so weit wir das können.“ Die Bobfahrerin Mariama Jamanka, Olympiasiegerin 2018, findet es „gut und richtig“, dass „diese Themen“ angesprochen werden. Aber nun sei es Zeit für sie, sich auf das zu konzentrieren, was sie liebe und wofür sie so lange trainiert habe: auf den Wettkampf. Ab in den Tunnel.

          Athleten Deutschland, mit der Präsidentin Karla Borger auch im Sportausschuss präsent, ist quasi die Stimme derer, die vor ihrem großen Aufritt bei Olympia nun eher einsilbiger werden. Der Verein warf dem IOC vor, es habe mit seiner verantwortungslosen Vergabeentscheidung Athleten auf aller Welt in eine unmögliche Situation gebracht.

          „Sie stecken in einem Dilemma, weil sie nicht wollen, dass mit ihrem Sport Schaden angerichtet wird oder dieser mit Menschenrechtsverletzungen in Verbindung steht“, heißt es einem offenen Brief: „Einige trauen sich, offen Kritik zu üben. Gleichzeitig sollte die Verantwortung für die unmögliche Situation, in die der Weltsport seit Jahren absehbar zusteuert, nicht auf den Schultern der Athlet*innen abgeladen werden. Sie waren von allen Vergabe- und Entscheidungsprozessen ausgeschlossen, sind selbst betroffen. Es ist deshalb ungerecht, dass sie Jahre später die Fehler des IOC ausbaden sollen.“

          Keine Plattform der chinesischen Regierung

          Die Konsequenz, die daraus zu ziehen sei, gaben Herber und die Beach-Volleyballspielerin Borger dem Sportausschuss schriftlich: „Wir sehen es als Aufgabe der Politik, gegenüber dem IOC und der Olympischen Bewegung unmissverständlich klarzumachen, dass diese ihrer menschenrechtlichen Verantwortung nachkommen muss und sich solche Situationen nicht wiederholen dürfen.

          Dem chinesischen Regime sollte keine Plattform und Bühne geboten werden, die Bilder der Spiele für Zwecke seiner Propaganda und des Sportwashings zu nutzen“. Einerseits begrüßten die Athletenvertreter, dass hochrangige Politiker Deutschlands den Spielen fernbleiben, dankten andererseits dafür, dass die Olympiamannschaft und das Krisenreaktionsteam des DOSB von einem Olympic Attaché mit diplomatischer Immunität unterstützt werden wird.

          Staatliche Hilfe wird weit über das Spitzensportproblem hinaus gebraucht. Für die Basis sprach Weikert, als er darstellte, dass viele der 90.000 Sportvereine Deutschlands an einem kritischen Punkt stünden. Obwohl es in diesem Winter keine Verbote gebe, seien sie von Normalität meilenweit entfernt. Bund, Länder und Sport müssten helfen. Der DOSB-Chef machte mit dem Wort von der Querschnittsaufgabe deutlich, dass nicht allein die übliche Sportförderung, sondern auch die Ressorts Gesundheit, Familie und Integration gefragt seien. „Die beste Hilfe für den Breitensport ist es, ihn zuzulassen und zu fördern.“

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