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Winterspiele 2018 : Zweiter russischer Doping-Fall bei Olympia

Bob-Pilotin Nadescha Sergejewa (Bild rechts). Bild: Reuters

Das Internationale Olympische Komitee bezeichnete die in Korea startenden Sportler als „neue, saubere Generation“ russischer Athleten. Doch nun gibt es schon den zweiten Doping-Fall.

          Nach dem zweiten Doping-Fall im Team „Olympische Athleten aus Russland“ (OAR) bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea steigt der Druck auf das Internationale Olympische Komitee (IOC). Am Freitag war bekanntgeworden, dass in der Doping-Probe der Bob-Pilotin Nadescha Sergejewa, Zwölfte im Frauenrennen, Spuren des verbotenen Mittels Trimetazidin gefunden wurden. Der Stoffwechselstimulator gehört zu den Mitteln, die seit langem im russischen Sport, aber auch in anderen Ländern eingesetzt wurden. Positive Proben auf Trimetazidin hatte der frühere Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregorij Rodtschenkow, verschleiert, wie es im Bericht des kanadischen Juristen McLaren zur Aufarbeitung des staatlichen Dopings in Russland heißt.

          Das IOC hatte die in Pyeongchang startenden Sportler als „neue, saubere Generation“ russischer Athleten bezeichnet. Bei der Tagung der IOC-Exekutive in Pyeongchang an diesem Samstag soll über die Aufhebung der Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees beraten werden. Das IOC hatte das russische NOK wegen des groß aufgezogenen Betrugs in Sotschi, der laut IOC-Präsident Thomas Bach ein „nie dagewesener Angriff auf die Integrität der Spiele war“, vor 80 Tagen suspendiert. Die Suspendierung soll aufgehoben werden, sofern die IOC-Exekutive der Ansicht ist, „Wort und Geist“ des Beschlusses vom 5. Dezember seien eingehalten worden.

          Bis zum Freitag hatte es danach ausgesehen, dass die russische Mannschaft bei der Schlussfeier wieder unter der eigenen Flagge würde ins Stadion laufen dürfen, obwohl vor Nadescha Sergejewa der Curler Alexander Kruschelnizkij in Pyeongchang des Dopings mit Meldonium überführt worden war. Das Internationale Sportschiedsgericht hatte ihm am Donnerstag seine Medaille aberkannt. Nun aber sind die „Olympischen Athleten aus Russland“ für zwei der vier bekannten positiven Proben in Pyeongchang verantwortlich. Anders als im Fall Kruschelnizkij, in dem die Verantwortlichen des Teams entweder einen Anschlag eines frustrierten russischen Konkurrenten oder eine feindlich gesinnte politische Macht hinter der positiven Probe vermuten, bekam Sergejewa von Delegationsleiter Sergej Podsnjakow keine Rückendeckung.

          „Es spricht für ihre Fahrlässigkeit. Sie hat uns im Stich gelassen“, sagte Podsnjakow der Nachrichtenagentur AP. Alexander Subkow, der Präsident des Russischen Bob-Verbandes, dessen Goldmedaillen aus Sotschi wegen Dopings aberkannt bleiben, sagte zur russischen Zeitung „Sport Express“, Sergejewa behaupte, sie habe keine Medizin genommen, die Trimetazidin enthalte, und das Team bestätige, dass es ihr keine solche verabreicht habe. Man bereite eine Verteidigung vor. Trimetazidin, hilfreich bei Angina, ist schon vor Jahren bei Sportlern aus aller Welt als verbotener Leistungssteigerer entdeckt worden. Unter anderen bei einem russischen Olympiasieger im Rudern und bei einem chinesischen Goldmedaillengewinner.

          Sergejewa, laut IOC Mitglied einer neuen Generation, hatte 2014 in Sotschi zum russischen Olympiateam gehört. Sie wurde mit ihrer Anschieberin 16. Zwei Jahre später, im März 2016, waren in einer ihrer Doping-Proben Spuren des drei Monate zuvor verbotenen Mittels Meldonium gefunden worden. Das Herzmittel gehörte damals offenbar zum Standardprogramm osteuropäischer Athleten, war aber erst zum 1. Januar 2016 in die Verbotsliste aufgenommen worden. Weil die Einnahme vor dem 1. März und der festgestellte Wert bei Sergejewa unter einem Mikrogramm lagen, verzichtete die Welt-Anti-Doping-Agentur auf ein Verfahren. Sie hatte zuvor festgestellt, dass die Nachweisbarkeit wesentlich länger möglich war, als von ihr angegeben.

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