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Thomas de Maizière im Gespräch : „Wir setzen auf Spitze in der Breite“

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Besuch in Pyeongchang: Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (rechts) und DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Bild: dpa

Der scheidende Bundesinnenminister Thomas de Maizière spricht im F.A.Z.-Interview darüber, warum für Deutschland das niederländische System nicht in Frage kommt und warum man sich von nordkoreanischer Propaganda nicht beeindrucken lassen sollte.

          Sie haben in Pyeongchang die letzten Olympischen Spiele als Bundesinnenminister erlebt. Welche Entwicklung hat Olympia genommen in den letzten Jahren, in denen Sie die Spiele als Minister begleitet haben?

          Ich erinnere mich, dass es oft vor der Eröffnung von Olympischen Spielen hieß: Falscher Ort, zu groß, wird nicht fertig, keine Nachnutzung und so weiter. Und wenn es dann losging und die Spiele begannen, waren doch wieder alle begeistert. Den Eindruck habe ich auch hier. Wie ich höre, sind die Sportlerinnen und Sportler sehr zufrieden mit den Trainings- und Wettkampfstätten. Das ist doch erst mal das Wichtigste. Und ganz so einfach ist es ja dann am Ende auch immer nicht: Die einen sagen: zu groß, zu viele Wettbewerbe, zu gigantisch. Die anderen wiederum sagen, sie wären doch auch gerne dabei und Teil des Ganzen. Das passt nicht zusammen. Denn was man bei dem ganzen Für und Wider nicht vergessen darf: Kleinere Spiele heißt auch immer weniger Wettbewerbe. Dann muss sich auch einer am Ende des Tages hinstellen und sagen, worauf man denn verzichten könnte. Würden wir Deutschen beispielsweise auf Bob und Rodeln verzichten wollen?!

          Würde der DOSB nicht sagen.

          Ich auch nicht. Aber so ist es doch. Diese Bahnen gehören zu den teuersten Anlagen bei solchen Sportgroßereignissen. Ich glaube, dass ein evolutionärer Weg richtig ist. Das allmähliche Ändern der Kriterien ist unter Umständen der sinnvollere und damit nachhaltigere Weg. Und neue Ideen sind jetzt das Gebot der Stunde. Der IOC-Präsident Thomas Bach sprach mal davon, eine, ich sage mal, mobile Bobbahn, entwickeln zu lassen. Eine Bahn, die man für die Spiele auf- und nach Ende wieder abbauen könnte. Solche Überlegungen und Entwicklungen sind wichtig für die Zukunft des Sports.

          Die Spiele in Pyeongchang stehen unter dem Eindruck der politischen Gespräche zwischen Nord- und Südkorea. Es gibt zwei Betrachtungsweisen: Entweder man findet es großartig, dass Olympia dieses Forum bietet. Oder man findet es zweifelhaft, dass die Diktatur Nordkorea diese Bühne nutzen kann, um sich zu präsentieren mit Cheerleadern und anderem Begleitpersonal. Welche Haltung haben Sie?

          Noch im Dezember, bei der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes, gab es kritische Stimmen, ob man es angesichts der politischen Lage überhaupt verantworten könne, deutsche Sportlerinnen und Sportler nach Pyeongchang zu schicken. Man ist zu einer Entscheidung gekommen, die Spiele haben begonnen, und der Nächste kritisiert jetzt, dass man dem nordkoreanischen Regime hier vor Ort eine Bühne bietet. Ob Nordkorea diese Bühne für politische Zwecke nun erfolgreich nutzt oder nicht, hängt doch im Wesentlichen davon ab, wie alle anderen mit dem ganzen Thema umgehen. Wer lässt sich denn von 200 Cheerleadern beeindrucken? Wenn es so käme, dass sich Nord- und Südkorea vor dem Hintergrund der Olympischen Winterspiele 2018 wieder dauerhaft einander annähern würden, dass es wieder zu regelmäßigen politischen Gesprächen zwischen beiden Seiten kommt, wäre das doch eine wunderbare Bestätigung des olympischen Gedankens. Und wenn es am Ende nicht so kommt und sich herausstellt, dass es nur eine reine Propagandaveranstaltung der nordkoreanischen Führung war, dann ist das auch zu registrieren. Zeuge eines kleinen Schrittes der Entspannung konnten wir dieser Tage jedenfalls werden. Aber zu Propaganda gehören immer zwei. Ich finde, wir müssen nicht zu kleinlaut sein.

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