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Thomas de Maizière im Gespräch : „Wir setzen auf Spitze in der Breite“

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Wir reden hier nicht über Breitensportförderung oder darüber, dass Bewegung zur Vermeidung von Herz-Kreislauf-Krankheiten in der Gesellschaft gut ist. Wir reden über Spitzensport. Es bedarf einer besonderen Begründung, warum der Steuerzahler überhaupt Spitzensport fördern soll. In anderen Staaten macht das die Wirtschaft. Die Begründung kann nur in der nationalen Repräsentation liegen, in der Förderung von Vorbildern für eine Gesellschaft, die mit Fairplay gute Leistungen erbringen. Ziel der Reform ist es, mit dem eingesetzten Geld mehr Spitzenergebnisse für Deutschland zu erreichen. Natürlich ist das aber nicht das alleinige Ziel, sonst würden wir den Weg wie andere beschreiten und zum alleinigen Kriterium unserer Förderung machen, in welchen Sportarten wir mit möglichst wenig Athleten die meisten Medaillen gewinnen können. Das entspricht nicht unserer Tradition. Leichtathletik, Schwimmen, Turnen sind elementar für die deutsche Sporttradition. Das heißt, ja, wir wollen mehr Spitzenplätze, aber eben nicht um jeden Preis.

Das muss auch immer eine Rolle spielen? Sehr erfolgreich sind zum Beispiel die Schwimmer nicht.

Nicht zwingend in der gleichen Gewichtung wie jetzt. Aber in Deutschland wird Leistungssportförderung immer mehr Breite haben als in anderen Staaten. Das ist so. Andere Nationen konzentrieren sich zum Beispiel auf Eisschnelllauf. Wir setzen auf Spitze in der Breite. Aber das heißt eben nicht, dass wir alles und alles im gleichen Umfang fördern.

Haben Sie Verständnis für die Sorgen der Verbände, von DOSB-Präsident Hörmann, was die Finanzierung im Jahr 2018 angeht, weil es mit der Regierungsbildung so lange gedauert hat?

Ich habe bereits darauf hingewiesen: Eines der größten Probleme der längeren Regierungsbildung ist, dass es keinen Haushalt gibt. Aber auch da muss ich den Sport um etwas Geduld bitten. Es betrifft ja nicht nur den Sport, sondern auch andere Politikfelder. Bis der neue Haushalt steht, muss man eben ein bisschen improvisieren. Der Sport hat da keine negative Sonderrolle. Im Sport gibt es vielfach so eine selbstbezogene Betrachtung, die andere Lebenssachverhalte ein bisschen ausblendet.

Gibt es eine Tendenz zur Jammerei im deutschen Sport? Über die Finanzierung wird immer wieder geklagt, dann gibt es auch immer mal wieder Klagen von deutschen Sportlern, die sich beschweren, dass es für einen Olympiasieg nur 20 000 Euro nicht mal steuerfrei gibt, während es in anderen Ländern Autos, Häuser und mehr Geld gibt.

Mein Eindruck ist, dass diejenigen, die am wenigsten jammern, die Sportler selbst sind. Das sind stolze, selbstbewusste Persönlichkeiten, für die es das Größte ist, einmal bei Olympia dabei zu sein und auf dem Podium zu stehen. Beschwerden kommen aus meiner Sicht meist von den Verbänden, die wie andere auch möglichst viel für ihren Bereich herausholen wollen. Das haben sie gemein mit Funktionären anderer Politikfelder. Das darf man nicht überbewerten.

Haben Sie Interesse, nach dem Ausscheiden aus der Regierung ein Amt im Sport zu übernehmen?

Über meine Pläne kann und will ich mich hier nicht äußern. Außerdem wäre es dafür auch noch viel zu früh. Ich erwarte jetzt erst mal einen anderen Tagesrhythmus. Mehr Zeit mit der Familie. Längere Reisen. Dass das Handy nicht jede Nacht eingeschaltet auf dem Nachttisch liegt. Gleichzeitig bin ich natürlich ein wenig wehmütig. Insbesondere an Tagen wie diesen: Die Olympischen Spiele hier in Pyeongchang als Sportminister besuchen zu dürfen, an den Wettkampfstätten mitzufiebern und jede Medaille im Deutschen Haus mitfeiern zu können, das ist schon ein großes Geschenk.

Das Gespräch führte Christoph Becker.

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