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Thomas de Maizière im Gespräch : „Wir setzen auf Spitze in der Breite“

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Russland muss etwas tun. Ganz klar. Ich höre von unterschiedlichen Reaktionen. Hier in Pyeongchang herrscht, soweit ich es mitbekommen habe, ein vermittelnder Ton. Dazu stehen allerdings die kürzlich getätigten Äußerungen des russischen Außenministers im krassen Widerspruch. Das finde ich mehr als befremdlich. In jedem Fall hilft es der Reputation Russlands nicht, dass solch eine Debatte überhaupt geführt wird und man sich hier nicht eindeutig zu den Fehlern bekennt.

Aufgeflogen ist das, weil Herr Rodtschenkow geflüchtet ist und ausgepackt hat. Nun hat er behauptet, er gehe davon aus, dass ähnliche Programme in vielen weiteren Ländern gefahren werden. Er sprach von 20. Was lässt sich international tun, um das Entstehen zu verhindern oder wenigstens schnell zu ermitteln?

Wir brauchen eine starke Welt-Anti-Doping-Agentur. Eine Wada, die auf einer ausreichenden finanziellen Unterstützung fußt. Wir brauchen ein besseres System, um Doping-Proben ausreichend lange aufheben und entsprechend analysieren zu können, damit niemand auf Vergesslichkeit und Vergessen setzen kann. Und schließlich plädiere ich für harte Sanktionen. Genau diese Mischung halte ich für richtig.

Das ist alles schon vorhanden.

Das stimmt nicht. Einiges davon ist eben nicht vorhanden. Aus meinen Gesprächen hier vor Ort habe ich mitgenommen, dass es beispielsweise nicht genügend Ressourcen gibt, Doping-Proben lange genug aufzubewahren und zu speichern. Wie ich höre, gibt es in Afrika im Moment kein einziges funktionierendes Anti-Doping-Labor. Hier ist noch viel zu tun, und was noch viel wichtiger ist, es muss zügig passieren.

Wer wird das bezahlen? Deutschland?

Wir haben das Anti-Doping-Gesetz auf den Weg gebracht, welches seit 2015 in Kraft ist und fördern das weltweit anerkannte nationale Doping-Kontrollsystem der Nada. Wir sind ein starker Partner der Nada in Sachen Förderung. Was die Wada angeht, liegt der Anteil der Zahlungen Europas bei knapp 50 Prozent. Große asiatische Staaten, Japan und China zum Beispiel, zahlen zu wenig. Hier wünsche ich mir deutlich mehr Beteiligung und eine angemessenere Verteilung. Deswegen werbe ich für eine Debatte: Was wäre ein fairer, angemessener Schlüssel? Bemessungsgrundlage könnte hier beispielsweise das Bruttosozialprodukt sein oder die Teilnehmerzahl bei Olympischen Spielen. Oder die Ausrichterstaaten könnten etwas mehr zahlen. Denkbar wären auch ein Basissatz und dann entsprechende Zuschläge je nach Wirtschaftskraft, Teilnehmerzahl oder Medaillen. Wenn ein solcher Schlüssel zu einer faireren Verteilung führen würde, ist Deutschland sicher auch weiter bereit, seinen angemessenen Beitrag zu leisten. Im Moment leisten wir jedenfalls im Vergleich zu anderen Staaten sicherlich nicht zu wenig.

Welche Entwicklung sehen Sie für den deutschen Spitzensport in den kommenden zwanzig Jahren?

Der DOSB und das Bundesinnenministerium haben eine große Reform des Leistungssports auf den Weg gebracht. Wenn Sie sehen, dass hiernach die Nachwuchsförderung nicht erst mit Mitte zwanzig beginnt, sondern bei den 15-Jährigen angesetzt werden soll, stelle ich mir vor, dass diese Reform in 12, 15 Jahren Früchte trägt.

Kritiker bemängeln die Ausrichtung an Medaillenerfolgen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften, die Konzentration auf die ganz großen Wettkämpfe.

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