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Thomas de Maizière im Gespräch : „Wir setzen auf Spitze in der Breite“

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Sie sind ein Freund des objektiven Leistungsbegriffs – vor einem halben Jahr haben Sie in der F.A.S. für objektive Schulnoten für sportliche Leistungen plädiert. Ist dieser objektive Leistungsbegriff im Spitzensport, wie er in den Ergebnislisten und auch im Medaillenspiegel Ausdruck findet, noch guten Gewissens anwendbar?

Wir haben, in vielen Bereichen zu Recht, einen subjektiven Leistungsbegriff. Auf das Bemühen kommt es an, jemand ist ein anständiger Kerl, strengt sich an. Aber es gibt Lebenssachverhalte, in denen die objektive Leistung wichtig ist. Beispielsweise in der Technik oder im Bereich der Wissenschaft. Gleiches gilt für den Sport. Wenn ein Wissenschaftler oder Sportler darüber hinaus noch eine tolle Persönlichkeit ist, umso besser. Aber unterm Strich zählt eben am Ende die objektive messbare Leistung. Natürlich dann auch immer gepaart mit den jeweiligen Begleitumständen. Die kann man nicht außen vor lassen. Wind, zum Beispiel, wie wir ihn hier in Pyeongchang erlebt haben. Nicht einfach zum Beispiel für die Skispringer. Oder Nebel bei den alpinen Skirennen. Oder auch wie früher umstrittene Bewertungen im Eiskunstlauf.

Da waren es betrügerische Absprachen.

Soweit ich weiß, sind die Bewertungskriterien besser geworden. Aber ja, Wettmanipulation und Korruption sind mindestens ein so großes Problem wie Doping. Wenn ich sehe, wie viel Geld bei illegalen Sportwetten gemacht wird. Wir haben reagiert und in der vergangenen Legislaturperiode das Gesetz zur Strafbarkeit von Spiel- und Spielwettmanipulation verabschiedet. Das war mir sehr wichtig. Und dann das Thema Doping. Wenn Sie mich fragen, wird es nie einen Doping-freien Sport geben. Aber das darf nicht zur Resignation führen. Im Gegenteil. Wir dürfen nicht müde werden im Anti-Doping-Kampf. Fair und sauber, das muss unser Ziel sein. Immer und immer wieder müssen wir dafür mit aller Kraft eintreten. Neu ist das nicht. Denken Sie an die Riesen-Doping-Skandale der 1960er, 70er, 80er Jahre. Schwerster Anabolika-Missbrauch, Hormonveränderungen bei jungen Turnerinnen. Trotzdem hat die Idee des Wettbewerbs und der Olympischen Spiele überlebt. Weil diese Doping-Fälle aufgedeckt und daraus Konsequenzen gezogen worden sind. Und weil wir uns – national wie international – das Thema Anti-Doping ganz oben auf die Fahnen geschrieben haben.

Russlands Staatsdoping war darauf ausgerichtet, unbedingt die erfolgreichste Nation der Spiele in Sotschi zu werden. Ist das nicht eine derart tiefgreifende Verletzung des Gedankens der objektiven Leistungsbestimmung, dass man sich fragen muss, ob er eine so gute Idee ist?

Ich will nicht behaupten, dass es in den letzten 100 Jahren nicht auch anderswo systematisches Staatsdoping gab ...

... in Deutschland, in der DDR, zum Beispiel …

In jedem Fall ist es richtig und wichtig, dass solche Entwicklungen aufgedeckt, umfassend untersucht und aufgearbeitet wurden und werden. Und wenn es dann so weit ist, dann müssen die entsprechenden Konsequenzen in ihrer ganzen Härte gezogen werden. Im Fall Russland habe ich es daher auch als klares und richtiges Signal empfunden, das Nationale Olympische Komitee von den Olympischen Winterspielen auszuschließen.

Muss Russland diese Schuld anerkennen? Vor wenigen Tagen behauptete Außenminister Lawrow, der ganze Skandal sei von den Vereinigten Staaten inszeniert.

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