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Olympia 2018 : Streit um vereintes koreanisches Eishockeyteam

Nord und Süd getrennt – jetzt sollen die Koreanerinnen gemeinsam Eishockey spielen. Bild: AP

Bei Olympia sollen auch Nordkoreanerinnen im südkoreanischen Eishockey-Team spielen. Die Trainerin reagiert schockiert. Und es droht weiterer Ärger vor Beginn der Spiele in Pyeongchang.

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          Sarah Murray liegt das Eishockey in den Genen. Ihr Vater Andy war unter anderem Cheftrainer der Los Angeles Kings und der St. Louis Blues in der nordamerikanischen Profiliga NHL und der Kölner Haie in der DEL. Seine Tochter spielte selbst, an der Universität von Minnesota und in der Schweiz, wurde schließlich auch Trainerin. Sarah Murray, 29 Jahre alt, betreut die koreanischen Frauen-Eishockeynationalmannschaft, die südkoreanische Nationalmannschaft, wohlgemerkt. Zuletzt war sie mit ihren Spielerinnen in Nordamerika: Trainingslager, Vorbereitung auf Olympia 2018 in Pyeongchang. Das Vereinigungsministerium in Seoul gab am Dienstag bekannt, dass bei den Spielen von Pyeongchang eine gemeinsame koreanische Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft antreten soll.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Seit einer guten Woche war darüber spekuliert worden, wen Kim Jong-un, der Diktator im Norden, wohl schicken würde auf die große Olympia-Friedenstour: neben einem 140-köpfigen Orchester und den 230 Cheerleadern – auch Nordkoreas „Armee der Schönheiten“ genannt. Denn eine Teilnahme an Olympischen Spielen ganz ohne Sportler ist kaum möglich – und mit dem qualifizierten, aber nicht fristgerecht angemeldeten Eiskunstlaufpaar bislang arg mickrig. Es könnte auf eine gemeinsame Frauen-Eishockeymannschaft hinauslaufen, hieß es seit Tagen, und womöglich noch einen gemeinsamen Frauen-Bob.

          Als Coach Murray mit ihren Spielerinnen am Dienstag vom Trainingslager zurückkehrte nach Südkorea, sagte sie, was sie von den Plänen hält, in der direkten Sprache einer Eishockey-Trainerin aus dem Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Schockiert sei sie davon, sagte sie der koreanischen Nachrichtenagentur Yonhap. Keine nordkoreanische Spielerin sei gut genug, um es aus sportlichen Gründen in eine der ersten drei Reihen zu schaffen. Es wäre zudem nett, wenn ihr jemand mitteilen könnte, wie viele Frauen in ihrer Mannschaft spielen würden. Zwei Verteidigerinnen und eine Stürmerin würde sie womöglich unterbekommen. Südkoreanische Offizielle sprachen von einem 35 Spielerinnen umfassenden Kader. „35 Spielerinnen passen nicht auf die Bank, glaube ich“, sagte Sarah Murray.

          Beim Spiel gegeneinander im April 2017 schwenkten Fans gemeinsame Fähnchen.
          Beim Spiel gegeneinander im April 2017 schwenkten Fans gemeinsame Fähnchen. : Bild: AFP

          Sollten die Koreanerinnen tatsächlich mit einem größeren Kader antreten dürfen, steht weiterer Ärger ins Haus. Die Schweizerinnen, erste Gegnerinnen zum Turnierauftakt am 10. Februar, ließen wissen, dass sie „aus sportlicher Sicht und mit Blick auf alle Mannschaften, die viel Geld und Ressourcen in ihre Frauen-Mannschaften stecken, nicht dafür sind, weil es nicht fair ist und den Wettbewerb verzerrt“. Der Schweizer Verband habe „durch die Medien“ davon erfahren, zitiert Yonhap den Sprecher der Schweizer. Weder das Internationale Olympische Komitee (IOC) noch der Internationale Eishockey-Verband seien bisher an sie herangetreten.

          Auch Sarah Murray ist verärgert, dass die gemeinsame Mannschaft von den Südkoreanern schon beim ersten Treffen der Verhandlungsdelegationen am 9. Januar in Panmunjom vorgeschlagen worden war, ihr aber bis zum vergangenen Sonntag nichts darüber gesagt worden war, sondern sie von Reportern informiert wurde. Die Aufregung schade ihren Spielerinnen. „Sie haben sich ihren Platz bei Olympia verdient. Nun kommen plötzlich Leute hinzu. „Das ist gefährlich für die Chemie im Team.“

          Am Samstag soll bei einem Treffen mit IOC-Präsident Thomas Bach in Lausanne festgezurrt werden, welche nordkoreanischen Sportler in Pyeongchang teilnehmen werden. Sarah Murray sagte in Seoul, gleich, wer es sein wird: „Ich hoffe mich zwingt keiner, Nordkoreanerinnen spielen zu lassen. Ich will, dass die Besten spielen.“

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