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Olympia 2014 : De Maizière reist nach Sotschi

  • Aktualisiert am

Thomas de Maizière vertritt die Bundesregierung bei Olympia in Sotschi Bild: dpa

Nach der Absage von Bundespräsident Gauck vertritt Innenminister de Maizière die Bundesregierung in Sotschi. Die Amerikaner werten Obamas Verzicht auf Olympia zudem als „schmerzhafte Botschaft für Putins Prestigeprojekt“.

          Die deutsche Bundesregierung wird bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi mit Innenminister Thomas de Maizière vertreten sein und liegt damit auf einer Linie mit Frankreich und Großbritannien. Nach dem Verzicht von Bundespräsident Joachim Gauck, dem amerikanischen Präsidenten Barack Obama und dem französischen Präsidenten François Hollande auf eine Reise nach Russland bestätigte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag den Besuch von de Maizière.

          Der CDU-Politiker wolle sich Wettbewerbe anschauen und die deutschen Athleten unterstützen. Der vom Verteidigungs- ins Innenministerium zurückgekehrte de Maizière ist in seinem Amt auch für den Sport zuständig. Die Details der Reise sollen erst im Januar festgelegt werden.

          Frankreich entsendet Sportministerin Valérie Fourneyron zur Eröffnungsfeier, aus Großbritannien soll nach Informationen des Branchenportals „inside the games“ Sportministerin Helen Grant zu den Spielen vom 7. bis 23. Februar 2014 reisen. Gauck, der mit seinem Verzicht auf eine Olympia-Reise eine große Diskussion auslöste, will die deutsche Mannschaft nach ihrer Rückkehr aus Sotschi begrüßen.

          Bei den Sommerspielen 2012 in London war Gauck noch vor Ort gewesen. Aber nicht immer besuchte der Bundespräsident als ranghöchster deutscher Politiker die Olympischen Spiele. 2008 in Peking etwa war der deutsche Botschafter in Peking, Michael Schaefer, die offizielle politische Vertretung Deutschlands. Vier Jahre zuvor wiederum kam Gaucks Vorvorgänger Horst Köhler nach Athen. Bei den Winterspielen vertraten Innenminister Thomas de Maizière (2010, Vancouver), Köhler (2006, Turin), Bundespräsident Johannes Rau (2002, Salt Lake City) die Veranstaltungen.

          „Keine politische Möglichkeit“ für Besuch

          Auch Litauens Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite verzichtet auf eine Reise nach Sotschi. Angesichts der Menschenrechtslage in Russland sowie des jüngsten politischen und wirtschaftlichen Drucks Moskaus auf die Ukraine, Georgien, Moldawien und auch Litauen sehe sie „keine politische Möglichkeit“ für einen Olympia-Besuch, sagte Grybauskaite kurz vor Beginn des EU-Gipfels am Donnerstag in Brüssel. Sie kritisierte zudem die zunehmende Militarisierung der im Westen an Litauen angrenzenden russischen Exklave Kaliningrad um das frühere Königsberg.

          Obamas Verzicht auf einen Trip nach Sotschi wurde unterdessen von der amerikanischen Presse als Zeichen des Protests gegen das heftig kritisierte Anti-Homosexuellen-Gesetz der russischen Regierung bewertet. Die „New York Times“ interpretierte Obamas Entscheidung, keine hochrangigen Regierungsvertreter, dafür aber offen homosexuelle Athletinnen wie Tennis-Ikone Billie-Jean King als Teil der amerikanischen Delegation nach Sotschi zu schicken, am Donnerstag als „schmerzhafte Botschaft für Putins Prestigeprojekt“.

          „Eine deutliche Botschaft an Russland“

          Die „Washington Post“ schrieb von einer „gezielten Brüskierung“. Auch der „San Francisco Chronicle“ nannte es „eine deutliche Botschaft an Russland“. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte dagegen am Donnerstag, dass es die Verantwortung des Gastgebers sei, gleiche Rechte für alle Athleten sicherzustellen. Das Weiße Haus in Washington hatte am Mittwoch mitgeteilt, Janet Napolitano, die ehemalige Heimatschutzministerin und heutige Leiterin der Universität von Kalifornien, werde die Präsidenten-Delegation bei der Eröffnungszeremonie in Sotschi anführen. Bei der Abschlussfeier soll der stellvertretende amerikanische Außenminister William Burns diese Funktion übernehmen.

          Auch bei den Amerikanern besuchte bei weitem nicht immer der Präsident Olympische Spiele. 2012 nach London schickte Obama seine Frau Michelle, 2000 in Sydney durfte Präsidententochter Hillary Clinton die Amerikaner repräsentieren. 2008 in Peking war George W. Bush vor Ort, zwei Jahre später im Winter von Vancouver Vizepräsident Joe Biden. 1998 in Nagano und 1994 in Lillehammer fehlten Würdenträger aus den Vereinigten Staaten ganz - damals waren die Spiele aber auch bei weitem nicht so politisch brisant wie dieser Tage.

          Ranghöchste politische Vertreter Deutschlands und Amerikas

          Olympische Sommerspiele:

          DEUTSCHLAND

          2012 in London: Bundespräsident Joachim Gauck
          2008 in Peking: Michael Schaefer (Deutscher Botschafter in Peking)
          2004 in Athen: Bundespräsident Horst Köhler
          2000 in Sydney: Innenminister Otto Schily
          1996 in Atlanta: Volker Rühe (Verteidigungsminister)

          VEREINIGTE STAATEN

          2012 in London: First Lady Michelle Obama
          2008 in Peking: George W. Bush
          2004 in Athen: früherer Präsident George Bush
          2000 in Sydney: Präsidententochter Chelsea Clinton
          1996 in Atlanta: Bill Clinton

          Olympische Winterspiele:

          DEUTSCHLAND:

          2010 in Vancouver: Thomas de Maizière (Innenminister)
          2006 in Turin: Bundespräsident Horst Köhler
          2002 in Salt Lake City: Bundespräsident Johannes Rau
          1998 in Nagano: Bundespräsident und Kanzler nicht dabei
          1994 in Lillehammer: Volker Rühe (Verteidigungsminister)

          VEREINIGTE STAATEN:

          2010 in Vancouver: Joe Biden (Vize)
          2006 in Turin: First Lady Laura Bush
          2002 in Salt Lake City: George W. Bush
          1998 in Nagano: Staatsoberhäupter nicht dabei
          1994 in Lillehammer: Staatsoberhäupter nicht dabei

          (F.A.Z.)

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