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Ärger im Eisschnelllauf : „Es ist eine nationale Schande“

  • Aktualisiert am

Jetzt tut’s ihr leid: Kim Bo-reum entschuldigt sich vor der Presse. Bild: dpa

Das Verhalten zweier Eisschnellläuferinnen aus Südkorea löst große Aufregung aus. Sogar das Präsidialamt schaltet sich ein. Da helfen auch keine Krokodilstränen mehr.

          Ihr unsportliches und unsolidarisches Verhalten hat zwei südkoreanische Eisschnellläuferinnen das Gesicht gekostet. In einer Petition auf der offiziellen Homepage des südkoreanischen Präsidialamtes hatten bis Mittwochnachmittag (Ortszeit) bereits mehr als 500.000 Menschen die Forderung unterschrieben, dass Kim Bo-reum und Park Ji-woo ihre Rechte als Nationalathleten verlieren und für alle künftigen internationalen Wettbewerbe gesperrt werden sollten. „Es ist eine nationale Schande, dass Leute mit einem Persönlichkeitsproblem ein Land bei den Olympischen Spielen repräsentieren“, heißt es dort weiter.

          Was war passiert? Schon am Montag hatten die beiden bei ihrer Niederlage im Viertelfinale der Mannschaftsverfolgung ein unschönes Bild abgegeben. Die dritte Mannschaftsläuferin, Noh Seon-yeong, kam früh ins Straucheln und verlor den Anschluss. Ihre beiden Teamkolleginnen aber liefen ungerührt weiter. Und das, obwohl bei der Verfolgung die Zeit der Drittschnellsten den Ausschlag gibt. „Wir sind gut gelaufen“, sagte Kim den Journalisten, „aber die letzte Läuferin konnte nicht mithalten. Darum hatten wir ein sehr enttäuschendes Ergebnis.“ Park ergänzte: „Ich war sehr schockiert, als wir über die Ziellinie kamen und ich erkannt habe, dass Noh nicht bei uns war.“ Diese saß allein weinend auf einer Bank und wurde von den anderen nicht weiter beachtet.

          Als klar wurde, welche Empörung im Land herrscht, berief die Nationaltrainerin rasch eine Pressekonferenz mit Kim ein, die sich lange und unter Tränen für ihr Verhalten entschuldigte. Aber zu spät. Es wird weiter mit Fingern auf sie und ihre unfreundliche Kollegin gezeigt. Und ihr Sponsor, ein Hersteller von Sportbekleidung, will ihren Vertrag nicht verlängern. Auch den Kampf um Platz sieben verloren die Koreanerinnen.

          Im Gegensatz dazu blieben die deutschen Eisschnellläuferinnen im Rennen um Platz fünf zusammen, obwohl die Älteste, Claudia Pechstein, schwächelte. Eigentlich hatte sie das Zugpferd des Teams werden wollen, aber sie konnte diese Rolle nicht ausfüllen. Zusammen mit Gabi Hirschbichler und Roxanne Dufter wurde sie nach dem verlorenen Duell mit China Sechste. Ihre Chance auf eine Medaille hatten die Deutschen bereits in der Qualifikation verpasst, wo sie einen der vier Plätze für das Halbfinale hätten erreichen müssen.

          Enttäuschte Gesichter machten auch die Niederländerinnen. Weltrekordhalter Japan hatte ihnen im Finale keine Chance gelassen. Damit gelang es der Superläuferin Ireen Wüst nicht, mit einem sechsten Gold zur erfolgreichsten Eisschnellläuferin der Geschichte aufzusteigen. Auch das niederländische Herrenteam war enttäuscht. Ausgerechnet das Trio aus den Land der Hightech-Professionals verpasste die Wiederholung des Olympiasieges vier Jahre zuvor wegen eines Materialfehlers. Jan Blokhuijsen musste im Halbfinale mit einer gebrochenen Feder im Klappmechanismus der Kufen starten. Die Mannschaft unterlag den Norwegern, die im Finale schließlich Gold gewannen – gegen die südkoreanische Mannschaft, die aber immerhin ein besseres Bild abgab als das Frauenteam.

          Noh Seon-yeong verlor den Anschluss und vergoss später Tränen.

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