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Olympia-Kommentar : Welchem Herrn dient dieses IOC eigentlich?

  • -Aktualisiert am

IOC-Präsident Thomas Bach. Bild: AFP

Seit langem ist bekannt, dass Russland Doping vertuscht. Allzu viel ist nicht passiert. Auch wenn IOC-Präsident Bach eine besondere Nähe zum russischen Sportsfreund Wladimir Putin bestreitet, drängt sich eine Frage auf.

          Das Streben nach Rekorden ist der Motor des Leistungssports. Wahrscheinlich wird deshalb kurz vor der Eröffnungsfeier in Pyeongchang an diesem Freitag (12.00 Uhr MEZ im F.A.Z.-Live-Blog, bei ARD und Eurosport1) so lebhaft über die Frage diskutiert, ob die XXIII. Olympischen Winterspiele aufgrund der tiefen Minusgrade wohl die kältesten der Geschichte werden könnten. Rein sportpolitisch lässt sich diese Frage jetzt schon beantworten, und zwar mit Ja. Der eisige Hauch, der von den Machtmanövern der Funktionäre, von den Geschäften der Vermarkter und deren ganzer gieriger Entourage ausgeht, ist dieser Tage besonders deutlich zu spüren.

          Der Skandal um das russische Staats-Doping prägt das Bild Olympias nun seit mehr als zwei Jahren. In dieser Zeit wurde immer plastischer, welchen Illusionen sich die Freunde des olympischen Sports lange Zeit hingegeben haben. Statt über Zusammenhänge zu grübeln, wollten viele lieber ungestört die Brillanz menschlichen Talents und die Schönheit trainierter Körper genießen, die bei internationalen Sport-Spielen gefeiert werden. Der fast unverletzbar anmutende Fußball hat es, trotz niederschmetternder Korruptionsbefunde auf allen Ebenen, bis dato geschafft, seinen Zauber zu behalten. Olympia aber leuchtet – zumindest für die westliche Welt – nicht mehr wie einst.

          Die Hoffnung, dass die Sportler mit ihren Spitzenleistungen, ihrem Kampfgeist und ihren Dramen die schlechte Laune, die von den Funktionären ausgelöst wird, verdrängen könnten, wird auch diesmal gerne geäußert. Es wird Zeit, dass der Sport losgeht – mit dieser Floskel schieben Sportfreunde traditionell sogenannte Funktionärsschelte und politisches Gerangel um die angeblich unpolitischen Spiele beiseite. Und in der Tat: Der Gedanke etwa an die alpine Männer-Abfahrt, in der die wiedererstarkten Deutschen zwei echte Medaillenchancen haben, oder an die emotional aufgeladene Kür des deutschen Eiskunstlauf-Paares kann für echte Fans das düstere Bild eine Weile aufhellen. Doch der Eindruck, dass das russische Doping-System nicht nur eine verheerende Vogel-Strauß-Politik offenbart, sondern auch ein Arrangement des olympischen Sports mit Doping-Mentalität, politischer Profilsucht und der systematischen Ausbeutung junger, talentierter Menschen sichtbar macht, wird durch ein paar sportliche Highlights nicht mehr so leicht verdrängt.

          Russlands zynische Medaillen-Gier ist dafür nur ein Beispiel, aber auch der Umgang des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) unter seinem deutschen Präsidenten Thomas Bach mit diesem Betrug. Das Chaos, das der dem Präsidenten ergebene Führungszirkel des IOC mit seiner vorgeblich so streng wie möglichen Bestrafung des russischen Nationalen Olympischen Komitees angerichtet hat, ist erschreckend. Zweieinhalb Jahre sind seit der Aufdeckung der unter staatlicher Aufsicht organisierten Doping-Massenvertuschung – unter anderem während der letzten Winterspiele 2014 in Sotschi – vergangen. Dennoch war einen Tag vor der Eröffnungsfeier 2018 immer noch nicht klar, wie viele Russen in Pyeongchang nun eigentlich startberechtigt sind. Widersprüche, rhetorische Tricks, plötzliches Abweichen von alten Grundsätzen kennzeichnen Bachs öffentliche Äußerungen auf dem Weg in diesen Wirrwarr.

          Betrachtet man die seltsamen Bestrafungsvorgänge einmal so, wie es ein Sportler tut, nämlich vom Ergebnis her, wird das Agieren der IOC-Exekutive – sieht man einmal von Verschwörungstheorien ab – vollends unverständlich. Das IOC verlangt von Russland nicht einmal, dass es das hinreichend bewiesene organisierte Doping zugibt, und schon gar nicht, dass es Reue zeigt. Russland war schon bei den Sommerspielen 2016 mit einer großen Mannschaft am Start, und auch 2018 umfasst das Team mehr als 160 Athleten, deren Nationalität auf den Anzügen erkennbar ist. Die Kriterien, die das Land erfüllen muss, um zur Schlussfeier von Pyeongchang wieder mit Fahne und Hymne einlaufen zu dürfen, sind schwammig.

          Die Frage, ob die Strafzahlung in Höhe von 15 Millionen Dollar, die gegen Russlands Nationales Olympisches Komitee ausgesprochen wurde, schon beim IOC eingegangen ist, wird ausweichend beantwortet. Und die beiden Hauptzeugen, die das russische System aufgedeckt haben, werden vom IOC nicht etwa als Helden gefeiert, die den vielbeschworenen Anti-Doping-Kampf vorangebracht haben, sondern so wenig wie möglich beachtet. Bei alldem drängt sich die Frage auf: Welchem Herrn dient dieses IOC eigentlich?

          Bach bestreitet eine besondere Nähe zum russischen Sportsfreund Wladimir Putin. Aber fest steht: Der Einfluss des russischen Präsidenten in der internationalen Sportpolitik ist groß. Um dort seine Macht zu erhalten, braucht ein Sportfunktionär keine moralischen Siege, sondern nur eins: Wählerstimmen. In Bachs Fall die Stimmen der IOC-Mitglieder. Und die hat er. Dazu sonnt er sich nun sichtlich darin, dass Olympia dazu genutzt wird, den Dialog zwischen Nord- und Südkorea wieder in Gang zu bringen. Bach, der Friedens-Präsident? Zu dumm, dass ihm zu diesem Attribut ausgerechnet einer der übelsten Kriegstreiber der Gegenwart verholfen hat.

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