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Olympia-Kommentar : Doping lohnt sich

Nun siegt mal schön: Wladimir Putin und das russische Eishockey-Team vor Olympia in Pyeongchang. Bild: AP

Der Sportgerichtshof Cas hebt die Doping-Sperren von 28 russischen Sportlern auf. Und nun? Olympia steckt im Sumpf. Das wäre womöglich zu verhindern gewesen. Aber dazu hätte das IOC genauer hinschauen müssen.

          In einer Woche beginnen die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang. Das ist einigermaßen sicher. Wer dort an den Start gehen darf? Das ist nicht sicher. 28 russischen Sportlern ist nicht nachzuweisen, dass sie Teil des russischen Staats-Doping-Systems vor vier Jahren in Sotschi waren. Ihre Olympia-Sperren haben die Schiedsrichter des Sportschiedsgerichts Cas am Donnerstag aufgehoben. Nach dem, was von der Verhandlung in einem Genfer Kongresszentrum in der vergangenen Woche zu hören war, ist das keine Überraschung. Welcher Angeklagte, der von sich behauptet, bei einem Banküberfall gar nicht dabei gewesen zu sein, würde verurteilt, wenn der Kronzeuge aussagt: „Ja, gewiss, die Waffe für den Raubzug habe ich ihm auf den Nachttisch legen lassen. Ich bin mir sicher, dass er mit ihr losgezogen ist – nur gesehen habe ich es nicht.“

          Tatsächlich können die Urteile des Cas auch das Internationale Olympische Komitee kaum überraschen. Schließlich war bei den Sommerspielen von Rio de Janeiro 2016 zahlreichen russischen Sportlern der Start gewährt worden, eben weil ihnen ein individueller Doping-Verstoß nicht nachzuweisen war. An der Beweislage hat sich seither kaum etwas verändert. Die Aussagen des Kronzeugen Gregorij Rodtschenkow waren schon damals im Wesentlichen bekannt, das IOC aber setzte zwei weitere Kommissionen ein, die sich spät, im vergangenen Herbst, noch einmal von Rodtschenkow berichten ließen, wie der Betrug von Sotschi ablief. Als bald darauf die Sperren gegen einzelne Athleten ausgesprochen wurden, zweifelten Juristen mit Blick auf die Begründungen an der Standfestigkeit der Entscheidungen vor dem Cas.

          Eine große Überraschung können sie auch für IOC-Präsident Thomas Bach nicht sein. Das IOC beklagt nun, dass der künftige Kampf gegen Doping ernsthaften Schaden nehmen könnte. Dabei belegt der Russland-Komplex nur zu deutlich, dass der Umgang der Sportverbände mit professionell organisiertem Doping untauglich ist. Sie konzentrieren sich auf den Nachweis individueller Verantwortung und Beteiligung des einzelnen Athleten. Dabei soll beides in den Strukturen spurlos verschwinden, durch die Mitarbeit des Geheimdienstes zum Beispiel.

          Schon deshalb wäre es nur konsequent und abschreckend gewesen, Russland komplett auszuschließen von den Spielen in Rio sowie denen in Pyeongchang und ein Verfahren vor dem Cas zu riskieren. Das Paralympische Komitee setzte sich vor den Sommerspielen 2016 mit der Aussperrung der Russen durch. Ein Erfolg des IOC vor Südkorea hätte die Drahtzieher des Betruges getroffen. Aber sie können nun frohlocken. Ihr Plan, mit dem der Individualisierung der Schuld beim Athleten der Boden entzogen werden und so die Medaille gesichert werden sollte, ist in weiten Teilen aufgegangen. Doping lohnt sich. Russland ist weiter im Spiel.

          Und nun? Sollen die 28 russischen Sportler tatsächlich nicht starten? Weil der Verdacht bleibt, dass sie betrogen haben in Sotschi? Vor allem ihre Konkurrenten werden ihn hegen. Etliche kommen sich elend vor, sie fühlen sich als die Betrogenen. Einige haben das schon zum Ausdruck gebracht in den vergangenen Wochen, als sie zum Beispiel im Weltcup auf die russische Konkurrenz trafen. Wer aber will urteilen, wer unter den 28 womöglich tatsächlich nicht geschluckt hat? Wieso dürfen Sportler starten, die eine Doping-Sperre abgesessen haben, warum wird jenen eine Einladung verweigert, denen der Cas attestiert hat, dass ihnen nichts nachzuweisen ist?

          Olympia steckt im Sumpf. Das wäre womöglich zu verhindern gewesen. Aber dazu hätte man genauer hinschauen müssen: „Die Anti-Doping-Maßnahmen haben sich in Russland in den letzten fünf Jahren erheblich verbessert, mit einer effektiven und effizienten Anti-Doping-Agentur (Rusada) und einem neuen Labor und Material in Moskau (...). In diesem Jahr wurden großartige Fortschritte gemacht.“ Das schrieb das IOC, sieben Monate vor den Spielen von Sotschi.

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