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IOC-Vollversammlung : Dabeisein ist alles

Offenheit ist alles: Die IOC-Session ist feierlich eröffnet, von Mittwoch an wird transparent diskutiert Bild: dpa

Olympia zum Mitmachen: Thomas Bach wünscht sich eine offene Debatte über die Zukunft Olympias. Dafür lässt er die Vollversamnmlung der IOC live im Internet übertragen und richtet eine E-Mail-Adresse für den „Dialog des Wandels“ ein.

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          Einmal bei Olympia mitmachen – das klingt für manchen ja nach wie vor wie ein Traum. Aber warum nur träumen? Olympia soll zur Mitmachveranstaltung werden, gute Ideen nimmt Thomas Bach entgegen. „Ich wünsche mir eine offene, lebhafte Debatte über die Zukunft der olympischen Bewegung“, sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am Montag auf seiner ersten Pressekonferenz in Sotschi. Deshalb kann erstmals eine Vollversammlung des IOC auf dessen Homepage im Livestream verfolgt werden (Mittwoch bis Freitag jeweils von 6.00 Uhr MEZ an).

          Und er hat eine E-Mail-Adresse einrichten lassen, an die sich jeder wenden soll, der mit seinen Gedanken zum „Dialog des Wandels“, wie Bach das nennt, beitragen will. Der Dialog soll am Mittwoch beginnen, wenn die IOC-Mitglieder zur 126. Session in Sotschi zusammenkommen, bevor am Freitag die 22. Winterspiele beginnen. Der Blick solle auf der Zukunft liegen, sagte Bach. Einen ersten Anstoß wird es von Ban Ki-moon geben, der als erster Generalsekretär der Vereinten Nationen bei einer IOC-Session eine Rede halten wird (und wohl auch bis zur Eröffnungsfeier am Freitag bleibt).

          Jugend und Nachhaltigkeit

          Anschließend wünscht sich Bach von den 107 IOC-Mitgliedern Gedanken zu den drei Schlagworten, unter denen er einen Fahrplan für die olympische Zukunft entwickeln will. Die Jugend soll im Mittelpunkt stehen, die Glaubwürdigkeit und die Nachhaltigkeit. Bei der übernächsten, der außerordentlichen Session, die für Anfang Dezember in Monaco geplant ist, sollen dann schon konkrete Ideen umgesetzt werden. Das Olympiaprogramm etwa, so schwebt es dem Fecht-Olympiasieger von 1976 vor, solle flexibler werden und nicht mehr nur mit siebenjährigem Vorlauf verändert werden können.

          Bach will also Tempo machen lassen bei der „Anpassung Olympias an die Moderne“, und er will Tempo vermitteln. Am Montag erschien er, im Gegensatz zu Jacques Rogge, seinem stets in dunklen Anzügen gekleideten Vorgänger als IOC-Präsident, im hellen Pullover beinahe hemdsärmelig zum Pressetermin. Und doch lässt sich die Gegenwart nicht abschütteln, denn die Spiele von Sotschi und deren Probleme belasten Olympias Image mehr als beinahe alle Veranstaltungen der Vergangenheit.

          Das ist die Bande: Das Internationale Olympische Komitee beim Gruppenfoto mit Putin Bilderstrecke

          Nachhaltig? Glaubwürdig? Auch kurz vor der Eröffnungsfeier bleiben die Fragen nach ausgebeuteten Arbeitern, den immensen Kosten nach der Verletzung von Menschenrechten in Russland, nach der Zerstörung der Natur für die Wettkampfstätten, nach der Terrorgefahr – und neuerdings auch nach den teilweise noch nicht fertigen Hotels, vor allem im Kaukasusörtchen Krasnaja Poljana.

          Bach antwortete auf diese Fragen am Montag wie bislang immer: Die olympische Charta und ihr Nichtdiskriminierungsgrundsatz gälten während der Spiele, auch in Russland. Nichtbezahlte Arbeiter seien in Höhe von rund 8,3 Millionen Dollar kompensiert worden. Terror habe auch anderswo gedroht, und nur drei Prozent der Hotelzimmer seien noch nicht bezugsbereit. Die Spiele hätten mitnichten 51 Milliarden Dollar gekostet, denn ein Großteil dieser Summe sei in Infrastrukturmaßnahmen geflossen, die mit Olympia nichts zu tun hätten, sondern „Teil der Verwandlung einer altmodischen Sommerfrische in ein Urlaubsziel fürs ganze Jahr“ seien.

          Und noch lieber sprach der Deutsche darüber, dass die Winterspiele inzwischen nicht nur Menschen in Ländern interessiere, in denen man Wintersport treiben könne, sondern dass Sportler aus 88 Ländern in Sotschi dabei sein werden, deren Wettkämpfe in mehr als 200 Länder übertragen würden, in mehr als 75.000 Sendestunden. Diese Rekorde allerdings klingen doch sehr nach dem IOC, das bislang schneller, höher und stärker nach immer neuen Umsatzsteigerungen strebte. Deshalb wird es spannend zu beobachten, zu welcher Form neuer Nachhaltigkeit die Diskussionen im IOC unter seinem Präsidenten Bach führen werden. Nicht zuletzt die Glaubwürdigkeit Olympias wird davon abhängen.

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