https://www.faz.net/-g8b-96rvt

Sieg für russische Sportler : Bach kritisiert die Cas-Richter

Thomas Bach bei seiner ersten Pressekonferenz in Südkorea. Bild: dpa

Salto rückwärts des Chefjuristen: Nach dem Sieg der russischen Sportler greift IOC-Präsident Thomas Bach das Sportschiedsgericht an. Er fordert „dringende“ Reformen.

          Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat sein Urteil gesprochen: Das Gericht ist schuld. Das Internationale Sportschiedsgericht Cas müsse „dringend reformiert“ werden, sagte Thomas Bach auf seiner ersten Pressekonferenz im südkoreanischen Olympiaort Pyeongchang. Die Entscheidung der vier Cas-Richter, die am Donnerstag die Einsprüche von 39 russischen Athleten gegen ihre lebenslangen Olympia-Sperren durch das IOC in 28 Fällen ganz aufgehoben und in elf weiteren auf das Ende der anstehenden Spiele in Südkorea begrenzt haben, diese Entscheidung „hat uns extrem enttäuscht und überrascht, und wir hätten das nie erwartet“, sagte Bach. Das Cas müsse „seine Struktur ändern, um die Qualität seiner Urteile besser zu managen“. Er habe eine entsprechende Forderung dem Präsidenten des Cas, dem Australier John Coates, zukommen lassen.

          Details des Reformvorhabens nannte Bach nicht, aber dass Coates angetan war, wie Bach berichtete, ist nicht überraschend. Der Australier war seit der Wahl Bachs zum IOC-Präsidenten 2013 bis zum vergangenen Jahr Vizepräsident auf dem Olymp. Bislang waren es die Doppelrollen von Multifunktionären wie Coates, die Kritikern aufstießen, besonders wenn diese Spitzenfunktionäre des Sports die Unabhängigkeit des Schiedsgerichts betonten. Auch Bach hatte häufig die Unabhängigkeit der Sportjuristen betont, die am Genfer See urteilen. Bach kennt sich bestens aus: Er war 19 Jahre bis 2013 Vorsitzender der Berufungskammer am Cas.

          Und nun macht der Umgang der Cas-Richter mit den Widersprüchen der russischen Sportler aus Bach einen Cas-Kritiker? Das Urteil im Sinne von 28 der 39 russischen Kläger „macht uns hinsichtlich seiner Qualität Sorgen“, sagte Bach. „Die Pressemitteilung (des Cas, in der das Urteil bekanntgegeben wurde/d. Red.) gibt zu diesen Sorgen Anlass, weil sie davon sprechen, wie sie keine Aussage über die systemische Manipulation des Anti-Doping-Systems in Russland machen. Wie bringt man das zusammen mit einem Urteil, in dem es um das Ergebnis einer solchen bewiesenen systemischen Manipulation geht?“

          Das IOC forderte Widersprüche heraus

          In den vergangenen Tagen haben zahlreiche Kritiker, vor allem Kritiker der IOC-Strategie, diese Frage etwas anders ausgedrückt: Wie soll man Athleten in einem Staatsdoping-System nachweisen, dass sie gedopt haben, wenn das eindeutigste Beweismittel, eine positive Doping-Probe, auf Nimmerwiedersehen verschwand, etwa mit der Hilfe des Geheimdiensts? Hätte den Juristen im IOC, an dessen Spitze der Jurist Bach steht, nicht längst auffallen müssen, dass der Nachweis im Einzelfall schwierig werden könnte? Der Internationale Leichtathletik-Verband und das Internationale Paralympische Komitee haben russische Verbände und damit die russischen Sportler ausgeschlossen. Gerichtsfest. Seit dem Sommer 2016. Das IOC ließ seine Kommissionen bis Ende 2017 untersuchen und forderte Widersprüche kurz vor Olympiabeginn heraus.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Salvini lässt sich am Sonntag von seinen Anhängern in Pontida feiern.

          Lega-Treffen in Pontida : Die Jagdsaison ist eröffnet

          Nach seiner Niederlage ist Matteo Salvini wieder in Angriffslaune. Bei einem Treffen der Lega ruft er zum Sturz der Linkskoalition auf. Die Stimmung in Pontida ist bei spätsommerlichem Wetter in jeder Hinsicht aufgeheizt.
          Christian Pirkner, Chef des Bezahldienstes Blue Code

          Angriff auf Google Pay : „Ich liebe unmögliche Missionen“

          Bisher zahlt kaum jemand mit dem Smartphone. Doch der Unternehmer Christian Pirkner will dem mobilen Bezahlen in Europa zum Durchbruch verhelfen – und legt sich dabei sogar mit Google und Apple an.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.