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Im Gespräch: DOSB-Präsident Hörmann : „Das hätte so in keiner Weise passieren dürfen“

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DOSB-Präsident Hörmann will genau hinschauen: „Nach den Paralympics in zwei Wochen werde ich in zwei oder drei Jahren wieder hierher kommen und mir das kritisch anschauen“ Bild: AFP

Die XXII. Olympischen Winterspiele von Sotschi sind fürs deutsche Team unbefriedigend zu Ende gegangen. Im Interview spricht DOSB-Präsident Alfons Hörmann über zu wenige Medaillen und einen Dopingfall zu viel.

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          Ziel verfehlt Alfons Hörmanns erste Olympia-Mission als Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes war haarig: Der deutsche Sport, der vom Steuerzahler mehr Geld will, hat in Sotschi ein teils desaströses Bild abgegeben. 19 statt der erhofften 30 Medaillen und ein Doping-Fall: Der 53 Jahre alte Allgäuer muss sich an vielen Fronten rechtfertigen.

          Sie haben sich in der Vergangenheit persönlich für Evi Sachenbacher-Stehle engagiert. Sie haben vor kurzem gesagt, dass Sie glauben, alle Athleten seien sauber, sonst könnten Sie Ihren Job nicht machen. Wie haben Sie die Nachricht aufgenommen?

          Für mich war das wie für alle im Team ein schockierendes Erlebnis. Ich verstehe diese Form von Unachtsamkeit nicht und ich habe mit einem solchen Verstoß gegen alle Empfehlungen, die vom DOSB, vom DSV und von der Nada auch vor den Olympischen Spielen verteilt wurden, nicht gerechnet. Ich kann nur mit ungläubigem Erstaunen feststellen: Das hätte so in keiner Weise passieren dürfen und müssen.

          Sie haben sich im Jahr 2006, als sie wegen auffälliger Blutwerte in Turin eine Schutzsperre erhielt, für Evi Sachenbacher-Stehle eingesetzt, ihr vertraut. Hat sie Ihr Vertrauen missbraucht?

          2006 gab es die Frage einer Schutzsperre. Das hatte eine völlig andere Relevanz, als das Thema jetzt. Bis zum Donnerstag gab es keinerlei Zweifel, und es gibt auch keine Zweifel, dass Evi Sachenbacher-Stehle die Dinge ordnungsgemäß gemacht hat. Damals durfte sie wegen einer Schutzsperre drei Tage nicht starten. Es gab unzählige Kontrollen, wie bei vielen anderen Athleten. Am Donnerstag hat sich dieses Bild gewandelt.

          Wie sehr schadet dieser Fall dem deutschen Team?

          Das ist eine absolut unerfreuliche Konstellation. Wir hätten sie uns allen, insbesondere den Athletinnen und Athleten, gerne erspart. Es ist unverständlich, dass das Team in seiner Stimmung und in seiner Wahrnehmung, auf diese Art und Weise beeinträchtigt wird. Was da an Ergebnis herauskommt, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen zeigen. Wir werden in aller Konsequenz die Prüfung, die Untersuchung, die Analyse unterstützen.

          Der Fall dürfte auch in die Diskussionen über die künftige Ausrichtung und Finanzierung des deutschen Leistungssports mit dem Bundesinnenministerium einfließen. Es steht eine Zahl von vier Millionen Euro im Raum, die der Spitzensport mehr bekommen soll, etwa ein Zehntel dessen, was der Sport mal an Wünschen formuliert hat. Wollen Sie die Diskussion öffentlich führen?

          Die Gespräche werden wir erst einmal nichtöffentlich führen. Aber in einer Demokratie wird es während des gesamten Prozesses öffentliche Diskussionen geben. Wir wollen und werden transparent darstellen, wofür und in welcher Größenordnung Sportförderung Sinn macht. Wir haben ja kein Sportsystem, in dem Mittel heimlich irgendwo hingeschoben werden. Dass wir diskutieren müssen, was uns der Sport wert ist, nicht nur für den Höhepunkt Olympia, ist Fakt.

          „Schaffen die Russen die Nachhaltigkeit oder finden wir in einigen Jahren problematische Szenarien vor?“

          Was ist er wert?

          Der Bundesinnenminister hat die Antwort schon gegeben: Es zählen nicht nur die Medaillen. Sport ist ganzheitlicher zu sehen. Aber andererseits ist auch klar: Wenn Steuergeld weiter investiert werden soll, dann müssen entsprechende Erfolge das grundsätzliche Ziel sein.

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