https://www.faz.net/-g8b-96gv1

Eiskunstlauf : Paar aus Nordkorea holt vor Olympia erste Medaille

  • Aktualisiert am

Auf Platz drei, aber im Mittelpunkt: Ryom Tae-Ok und Kim Ju-Sik (rechts). Bild: AFP

Ryom Tae-Ok und Kim Ju-Sik qualifizierten sich als einzige Nordkoreaner sportlich für Olympia. Dann lief die Frist ab. Nun dürfen sie dank einer Wildcard doch zu den Winterspielen – und zeigen zuvor ihr Können auf dem Eis eindrucksvoll.

          Nach der Kür bei der Vier-Kontinente-Meisterschaft in Taipeh wischte sich die nordkoreanische Paarläuferin Ryom Tae-Ok Tränen aus den Augen, denn sie war beim Doppel-Axel gestürzt. Doch schon wenig später konnte die 18-Jährige wieder strahlen: Sie und ihr Partner Kim Ju-Sik holten am Freitag die Bronzemedaille bei der Meisterschaft, die als Gegenstück zur Europameisterschaft betrachtet wird. Damit gewannen die Asiaten die erste Medaille für ihr Land bei einem offiziellen Wettbewerb der Internationalen Eislauf-Union (ISU).

          Für kein anderes Paar war das Interesse größer bei diesem Wettbewerb, den Topläufer wie die Weltmeister Sui Wenjing/Han Cong aus China wegen der Vorbereitung auf die Winterspiele links liegen ließen. Ryom und Kim gaben ein TV-Interview nach dem anderen, in der Pressekonferenz beantworteten sie Fragen im Blitzlichtgewitter, während die amerikanischen Paare Tarah Kayne/Danny O’Shea und Ashley Cain/Timothy Leduc auf Platz eins und zwei nur Nebensache waren. Die Nordkoreaner meisterten den Medienrummel mit erstaunlicher Gelassenheit und lächelten freundlich in jede Kamera, ja schienen die Aufmerksamkeit sogar zu genießen. Auf dem Eis gingen sie ebenfalls aus sich heraus, ob im Kurzprogramm zu dem Beatles Song „A Day in The Life“ oder in der Kür zu dem französischen Lied „Je ne suis qu’une chanson“.

          „Nach dem Kurzprogramm waren wir auf Platz vier, das fand ich sehr schade und hoffte, dass wir es in der Kür besser machen können. Als wir Dritte wurden und die Medaille bekommen haben, war ich sehr glücklich“, kommentierte Ryom. „Die Vier-Kontinente-Meisterschaft war eine Vorbereitung auf die Olympischen Spiele für uns“, ergänzte ihr 25 Jahre alter Partner. „Bei den Spielen wollen wir das tun, was wir im Training machen und hoffen, dass wir unsere Punktzahlen verbessern können. Wir erwarten keine Medaille, sondern nur, dass wir uns verbessern und uns selbst herausfordern“.

          Die beiden Nordkoreaner zeigten in Taipeh eine gute Leistung.

          Im Sommer durfte das Paar nach Kanada und bereitete sich bei Bruno Marcotte, dem Trainer der zweimaligen Weltmeister Meagan Duhamel/Eric Radford, auf die Olympia-Qualifikation in Oberstdorf vor. Die Quali schaffte das Paar im September, danach aber verschwand es von der Bildfläche und der Verband bestätigte nicht die Teilnahme an den Spielen bis zu einer Deadline im Oktober. Daher kommen Ryom/Kim nun nur dank einer Wildcard nach Pyeongchang, obwohl sie sich als einzige nordkoreanische Athleten sportlich qualifiziert hatten.

          Aus Nordkorea kamen immer mal wieder Eiskunstläufer, die auch bei Winterspielen starteten. Doch eine Medaille bei einer ISU-Meisterschaft gewann noch keiner. Marcotte hatte es bereits im Herbst prophezeit: „Sie arbeiten hart, sind unglaublich wissensdurstig und haben das Potenzial, Medaillen zu gewinnen.“ Die Meisterschaft in Taipeh war nicht nur sportlich eine gute Vorbereitung auf die Spiele für Ryom/Kim, die auch in Südkorea garantiert viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen werden.

          Weitere Themen

          Fortuna fit trotz Verletzungen Video-Seite öffnen

          Rheinderby gegen Gladbach : Fortuna fit trotz Verletzungen

          Im Rheinderby treffen die Düsseldorfer am Sonntag auf Borussia Mönchengladbach, die am Donnerstag in der Europa League eine 0:4-Heimniederlage verkraften mussten. Trotz Verletzungspech freut sich Trainer Funkel auf das Spiel.

          Topmeldungen

          Massentourismus vom Wasser kommend: Zwei Kreuzfahrtschiffen liegen im Geirangerfjord.

          Umstrittene Kreuzfahrtschiffe : Norwegen macht die Fjorde langsam dicht

          Es ist ein Geldsegen und ein Öko-Fluch: Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen, die die Luftverschmutzung begrenzen sollen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.