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Olympia-Kommentar : Schluss damit!

Abschied ohne Fahne: Die Mannschaft der Olympischen Athleten aus Russland bei der Abschlussfeier in Pyeongchang Bild: dpa

Genug gebüßt! Das IOC will einen Schlussstrich unter die Causa Russland ziehen: Die baldige Rückkehr des russischen olympischen Komitees auf den Olymp ist vor allem eine Frechheit gegenüber Sportlern in aller Welt.

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          Eine russische Flagge zur Schlussfeier der Olympischen Spiele? Das hat sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht getraut. Die russischen Sportler verabschieden sich aus Südkorea, wie sie vor zweieinhalb Wochen angekommen sind, im Status privilegierter Neutralität: als „Olympische Athleten aus Russland“.

          Nie zuvor hatten neutrale Sportler mit dem Namen ihres Landes bei Olympischen Spielen starten dürfen, und es klingt nicht danach, dass es dieses Privileg künftig für andere neutrale Starter geben könnte. In wenigen Tagen aber, wenn die letzten Doping-Proben der Spiele das Labor in Seoul durchlaufen haben und keine weiteren positiven Analysen russische Sportler überführen, wird Russlands Olympisches Komitee (ROC) wieder aufgenommen werden im Olymp. Das IOC will einen Schlussstrich ziehen unter den „nie dagewesenen Angriff auf die Integrität der Olympischen Spiele“, wie Präsident Thomas Bach vor nicht einmal einem Vierteljahr das Staats-Doping in Sotschi 2014 genannt hatte.

          Es ist genug gebüßt: Diese Stimmung ging von Bachs IOC während der gesamten Spiele von Pyeongchang aus. Da kamen die beiden Doping-Fälle russischer Sportler sehr ungelegen. Ausgerechnet Bobfahrerin Nadeschda Sergejewa, die im Training mit ihrem „I don’t do doping“-Sweatshirt posiert und entsprechende Interviews gegeben hatte, wurde erwischt. Das IOC kam zu der Überzeugung, dass es sich bei Sergejewa wie beim Curler Alexander Kruschelnizki um „isolierte Einzelfälle“ handelt, keinesfalls um „systemisches Doping“.

          Zudem bescheinigte Bach der Delegation der Olympischen Athleten aus Russland geradezu exemplarisch „proaktiv“ mit den Fällen umgegangen zu sein. Wer will da weiterhin den großen Betrug von Sotschi bestrafen?

          Frechheit gegenüber Sportlern in aller Welt

          Fragen nach der Tiefe des Betrugssystems, das in Russland nicht erst unmittelbar vor den Spielen vor vier Jahren aufgezogen wurde, sondern auf einer vermutlich jahrzehntealten Doping-Vergangenheit aufbaut und mit Hilfe des Geheimdiensts verfeinert wurde, sind Bach zufolge nicht Sache des IOC. Es mögen sich die internationalen Verbände kümmern. Eine öffentliche Anerkenntnis des Betrugs durch die politische Führung Russlands? Braucht das IOC nicht.

          Die baldige Rückkehr des ROC auf den Olymp ist vor allem eine Frechheit gegenüber Sportlern in aller Welt. Mit der Bedingung für die Russen, für eine Wiederzulassung nur noch auf den ersten Blick saubere Proben abgeben zu müssen, entwertet das IOC die jahrelange Lagerung und Überprüfung alter Doping-Proben. Darauf könne man nicht warten, erklärte Bach am Sonntag, schließlich müssten alle Sportler gleich behandelt werden. Das ist zynisch: Würde das IOC die Argumentation auf die Spiele von Sotschi anwenden, hätte es Russland nie ausschließen dürfen, schließlich war kein Russe mit einer positiven Probe aufgefallen im Betrugslabor am Schwarzen Meer. Nachträgliche Überprüfungen eingelagerter Doping-Proben belegen inzwischen regelmäßig, wie weit Labore beim Aufspüren verbotener Substanzen hinterherlaufen: Hunderte Fälle sind erst Jahre nach dem Betrug entdeckt worden. Für die Rückkehr Russlands aber sollen negative Kontrollen ein paar Tage nach dem Ende der Spiele ausreichen? Es ist, als müsste ein Alkoholkranker beweisen, dass er keinen Alkohol dabei hat, indem er das Etikett seiner Flasche vorzeigt: Steht Mineralwasser drauf, ist alles gut.

          Der letzte Akt in diesem Stück, mit dem Bach und sein IOC den Vorhang fallenlassen wollen, entblößt ein weiteres Mal allzu deutlich: Staats-Doping lohnt sich. Der Staat muss nur mächtig genug sein.

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