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BR-Intendant Wilhelm : „Großereignisse werden als Kommerzveranstaltungen wahrgenommen“

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Wird also auch für das Fernsehen die Aufgabe der Bewertung immer wichtiger?

Ja. Was die Zukunft des Fernsehens angeht, so glaube ich aber, dass ein massenattraktives Live-Erlebnis wie ein Fußball-Länderspiel oder ein 100-Meter-Finale durch nichts zu ersetzen ist. Große Live-Ereignisse werden an Bedeutung sogar noch zulegen. Das Fernsehen hat einen ganz spannenden Entwicklungsprozess vor sich. Sie können heute mit dem kleinsten Medium im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit stehen, wenn ein Ereignis viele Leute emotional packt. Nehmen Sie den Weltraumsprung von Felix Baumgartner. Damit haben kleine Sender ein Millionenpublikum erreicht wie nie in ihrer Geschichte. Umgekehrt wird sich die Mediennutzung abseits der großen Live-Ereignisse stark verteilen. Ein größer werdender Teil des Publikums wird alles im mobilen Internet verfolgen, kommentieren, weiterempfehlen, live oder zeitversetzt.

Wie stellen Sie sich einen Sportkonsumenten 2024 vor?

Ich wäre froh, wenn ich fünf Jahre in die Zukunft blicken könnte. Was aber klar sein dürfte: dass nahezu alle Nutzer im mobilen Internet unterwegs sind. Dass sie nicht nur Empfänger sein werden, sondern auch Sender. Dass sie eigene Inhalte einstellen, Kommentare, Videos, Input aller Art. Das bedeutet, dass das Angebot, das wir machen, neben das Angebot treten wird, das Millionen Menschen unmittelbar untereinander austauschen. Wir selber verwerten bei Fußballübertragungen als Stimmungsbild immer mal mit Smartphones gedrehte Videos, zum Beispiel aus einer Kneipe - das hat dann genau die Anmutung dessen, was die Leute untereinander verschicken.

Wie stellen Sie sich den Sportreporter der Zukunft vor? Muss er alles können?

Es wird die Unterscheidung zwischen Fernsehen und Internet nicht mehr geben. Genauso wie die Funktionstrennungen zwischen Plattenspieler, Telefon, Rekorder und Tonband auch alle weggefallen sind. In der Zukunft werden sich heute noch getrennte Netze und Infrastrukturen überlappen und ergänzen. Etwa die Rundfunksignale im Netz oder umgekehrt das IP-Signal auf dem Fernsehbildschirm. Jeder Reporter, ob User oder Journalist, der ein Thema übernimmt, ein Fußballspiel oder Hallenhandball, wird schauen, was kann seine Infrastruktur leisten, was gibt das Netz her, in dem ich mich bewege, und was an spannender und attraktiver Aufarbeitung kann ich beisteuern? Ich denke, dass es Stars geben wird aus dem Publikum, Leute, die Fußballkommentare bieten, Fachgespräche moderieren mit Experten aus dem eigenen Verein, die das im Einzelfall so gut oder besser machen als mancher Reporter im Studio, so dass sie dann Tausende von Followern haben werden. Medien müssen aber für die gesellschaftliche Rückbindung sorgen. Insofern werden sie sich dauerhaft von dem unterscheiden, was die große Zahl der User einstellt. Medien kommen bei der Recherche schneller an die Verantwortlichen und können ihre Erkenntnisse einem großen Publikum ausgewogener und umfassender aufbereiten. Das ist ein entscheidender Unterschied und Vorsprung, der bleiben wird.

Merkwürdig - Sie beschreiben atemberaubende Zukunftsbilder, und das als Intendant des Senders mit einem der altbackensten Sportformate Deutschlands, dem fast irreversibel von Fußball-Amigo Waldemar Hartmann geprägten „Blickpunkt Sport“. Wie passt das zusammen?

Wann haben Sie „Blickpunkt Sport“ zuletzt gesehen? Weißbier haben wir dort schon lange nicht mehr ausgeschenkt. Wir haben unsere eigene Geschichte und ein treues Publikum, das die Sendung so liebt, wie sie ist.

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