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Olympische Winterspiele : Ammann darf mit seiner neuen Bindung springen

  • -Aktualisiert am

Weiter geht es: Ammanns Bindung ist regelkonform Bild: AP

Punktsieg für Simon Ammann: Der Olympiasieger darf von 20.30 Uhr an auch von der Großschanze mit seinem von den Österreichern angezweifelten Bindungssystem springen. Manche vermuten bei dem Protest eine Retourkutsche. Oder liegt Spionage vor?

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          Das Theater war riesengroß, aber es ist eigentlich schon wieder halbwegs vom Tisch. Denn Simon Ammann, der Olympiasieger von der kleinen Schanze, darf auch am Samstag auf der Großschanze (20.30 Uhr/ live im ZDF und FAZ.NET-Liveticker: Olympia 2010) mit seinem von den Österreichern angezweifelten Bindungssystem springen. Das hat am Freitag die Wettkampf-Jury des Internationalen Skiverbandes (Fis) entschieden. „Die Jury hat keine Verletzung des bestehenden Reglements festgestellt“, sagte Walter Hofer am Freitag kurz nach der Qualifikation, bei der Ammann mit einer Weite von 140 Metern glänzte.

          Die Verletzung des Reglements hatte der österreichische Skiverband am Tag zuvor bei der Mannschaftsführersitzung mit einem acht Seiten umfassenden Dossier - inklusive Fotos, Grafiken, Zitaten und Erläuterungen - zu belegen versucht. Es trägt die Überschrift „Für eine sichere Zukunft im Skispringen - Fair play.“ Es soll beweisen, dass der Schweizer Skisprungstar seinen Olympiasieg auf der Normalschanze auch einem unscheinbaren technischen Detail verdankt.

          Einem Detail, das nach Ansicht der Österreicher nicht regelkonform ist, und deshalb sofort verschwinden müsse. Das Objekt des Anstoßes ist ein gebogener Bindungszapfen, der dem Schweizer entscheidende Vorteile in der Flugphase verschaffen soll. Deshalb enthält das Dossier auch eine Drohung: Sollten Ammann und sein Teamkollege Andreas Küttel am Samstag beim Springen auf der Großschanze mit diesem Bindungssystem antreten, werde man nach dem ersten Durchgang eine internationale Protestnote bei der Jury einreichen.

          Hat weiter gut lachen: Simon Ammann ärgert die Österreicher
          Hat weiter gut lachen: Simon Ammann ärgert die Österreicher : Bild: AP

          „Die Bindung ist nicht neu und ich habe auch keine Bedenken“

          So weit wird es wohl nicht kommen. Denn die Schweizer sind dem möglichen Protest geschickterweise zuvor gekommen. Am Freitag, vor der Qualifikation, haben sie beim Internationalen Skiverband (Fis) kurzerhand eine Materialkontrolle beantragt. Die wurde von Jouko Tormaenen, dem Chef des Skisprung-Komitees, vorgenommen. Und der Finne hat keine Zweifel an der Legalität. „Die Bindung ist nicht neu und ich habe auch keine Bedenken wegen der Sicherheit.“ Und Walter Hofer, Skisprung-Direktor der Fis, erklärte wenig später, die dreiköpfige Jury habe der Einschätzung des Finnen einstimmig zugestimmt.

          Die Österreicher haben das anders gesehen. Das Bindungssystem mit der gebogenen Koppelstange, das behaupten sie, ermögliche eine planere Skiführung in der V-Flugposition. Was wiederum deutlich die Flugeigenschaften verbessere. Von Weitengewinnen zwischen fünf bis zehn Metern auf der Großschanze ist die Rede. Um dem ganzen auch optisch Nachdruck zu verleihen, zeigen zwei Fotos die Veränderungen der Flugposition Ammanns, eines aufgenommen bei der Vierschanzen-Tournee, das andere beim Olympiasieg auf der Normalschanze in Whistler.

          Die Vorwürfe lassen sich auf drei Punkte reduzieren: Die gebogene Koppelstange ist eine technische Korrektur individueller körperlicher Disposition, also ein Hilfsmittel. Sie erhöht das Unfallrisiko, und sie ist eine neue Entwicklung und bedarf deshalb der Genehmigung der Fis.

          „Das System wurde auch schon von anderen Springern verwendet“

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