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Vanessa Mae im Riesenslalom : Immerhin nicht völlig vergeigt

  • -Aktualisiert am

Avanti dilettanti: Vanessa Mae hat zwei passable Riesenslalom-Läufe hingelegt Bild: dpa

Stargeigerin Vanessa Mae erfüllt sich ihren olympischen Traum: Die Thailänderin erreicht im Riesenslalom das Ziel - mit 50 Sekunden Rückstand auf Siegerin Tina Maze.

          4 Min.

          Die Carnegie Hall war es nicht gerade, aber sie hatte ja unbedingt auf diese Bühne gewollt. Als Stargeigerin Vanessa Mae am Dienstag den ersten Lauf des olympischen Riesenslaloms in Rosa Khutor in Angriff nahm, regnete es in Strömen. Mit Startnummer 87 kämpfte sie sich im Alpine Center tapfer den Hang hinunter, es sah ein bisschen aus wie Schweizer Skikurs, Level 2, und auf den Stahlrohrtribünen im Ziel verloren sich nur noch wenige Zuschauer, als Vanessa Mae über die Ziellinie fuhr und die Arme in die Höhe riss: Geschafft!

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Die Zeit, nun ja, sie war nicht überwältigend, aber für eine thailändische Starterin war sie auch nicht wirklich schlecht, bei der heimischen Landesmeisterschaft hätte sie sicher für einen Spitzenplatz gereicht. Im Alpine Center von Rosa Khutor belegte Vanessa Mae damit den 74. und letzten Platz mit 26,98 Sekunden Rückstand auf die Führende Tina Maze.

          „I feel the need for speed“

          Das ist kein Ergebnis, welches gewöhnlich dazu führt, dass sie versammelte Weltpresse in der sogenannten Mixed Zone im Regen verharrt, um auf die Athletin zu warten und ihr einen ersten Kommentar abzuringen. Aber da Vanessa Mae ganz ohne Zweifel wesentlich besser Violine spielt, als sie Ski fährt, sie sozusagen die Maria Höfl-Riesch unter den Geigerinnen ist, dauerte ihr Marsch durch die Pressezone fast eine halbe Stunde.

          Vanessa Mae: „Es wird auch meiner Musik eine neue Note geben“ Bilderstrecke

          Fragen über Fragen: Wie war’s, Vanessa? Toll sei’s gewesen, nur das Wetter ein wenig sehr britisch. Vanessa Mae kennt sich aus damit, sie ist in London aufgewachsen. Und auch der britische Humor ist ihr nicht fremd. Sie sei froh, auf dem Kurs nicht verlorengegangen zu sein, sagte sie, schließlich sei es für sie der erste gewesen, bei dem sie immer abwechselnd durch zwei rote und zwei blaue Tore fahren musste. Ansonsten, nun ja, die Zeit spiele nicht so die große Rolle, sie sei hier, um Spaß zu haben und ihr Skifahren zu verbessern, da gebe es ja einiges zu tun. Außerdem habe sie noch einen zweiten Lauf, und bei dem setze sie auf eine neue Taktik: auf Geschwindigkeit. „I feel the need for speed“, sagte sie. Dann zog sie ihr Manager von dannen.

          Vanessa Mae ist eine Attraktion dieser Olympischen Spiele, eine Attraktion der alpinen Skiwettbewerbe – und das, obwohl sie nicht übertrieben gut Ski fahren kann. Aber sie ist in der Musik ein Weltstar, und das reicht. Umgekehrt, so viel steht fest, würde das weniger gut funktionieren. Würde zum Beispiel Maria Höfl-Riesch zwei Jahre lang auf der Geige üben, hätte sie danach vermutlich doch erhebliche Schwierigkeiten, sich für einen Vorspieltermin in der Royal Albert Hall zu qualifizieren. Aber der Sport ist offener, und Olympia hat schon immer ein Herz für Dilettanten gehabt, im Sinne der italienischen „dilettanti“, der Anfänger, der Amateure.

          Viel Arbeit, 27 Sekunden hinter Maze ins Ziel zu kommen

          Vanessa Mae, diese überaus zierliche Frau, wurde vor 35 Jahren als Vanessa-Mae Vanakorn Nicholson in Singapur geboren, als Tochter des thailändischen Hoteliers Vorapong Vanakorn und der chinesischen Konzertpianistin Pamela Soei Luang Tan. Wenig schön und sehr arbeitsreich sei ihre Kindheit gewesen, hat sie einmal erzählt. Als sie drei Jahre alt war, begann die ehrgeizige Mutter, sie am Klavier zu unterrichten, mit fünf bekam sie ihre erste Geige. Die Familie zog nach London, verbrachte jeden Winter ein paar Tage im Schnee, und so wurde aus der kleinen Vanessa Mae nicht nur ein Wunderkind mit der Geige, sondern auch eine begeisterte Skifahrerin.

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