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Tobias Angerer im Gespräch : „Sotschi hat einen sehr, sehr schlechten Ruf“

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„Für mich als Sportler ist Olympia das Allergrößte, und ich möchte dort den größtmöglichen Erfolg haben“: Tobias Angerer Bild: picture alliance / Ernst Wukits

Zum Karriereende will Tobias Angerer bei den Winterspielen einen würdigen Abschluss. Im F.A.Z.-Interview spricht der Skilangläufer über Sotschi, Dankbarkeit und seine Zukunft.

          5 Min.

          Der Skilangläufer aus Traunstein ist 36 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. In seiner Karriere gewann er je unter anderem zwei olympische Silber- und Bronzemedaillen, zweimal den Gesamt-Weltcup und einmal die Tour de Ski. Seine letzte Saison soll bei den Winterspielen in Sotschi einen würdigen Abschluss finden. Noch fehlt ihm die Qualifikation.

          Zeitplan im Ski nordisch bei den Winterspielen in Sotschi

          Nach dem Wettkampf lassen Sie Akkupunkturnadeln in den Rücken stecken. Gehört das bei Ihnen zur normalen Physiotherapie?

          Ich bin überzeugt davon, dass es bei der Lockerung und Aktivierung hilft. Dass es die Regeneration beschleunigt. Ich mache das verstärkt, nachdem es bei mir im Dezember so zäh gegangen ist.

          Bis jetzt läuft es tatsächlich nicht. Beim Prolog der Tour de Ski waren Sie bester Deutscher - auf Rang 28.

          Dass es der beste Platz im Team war, haben wir uns nicht so vorgestellt. Für mich persönlich war es ein Schritt nach vorne. Ich habe mir nach einer richtig guten Vorbereitung einen Infekt eingefangen, und dann ging unter Wettkampfbelastung nicht mehr viel. Deshalb habe ich im Weltcup eine Pause eingelegt. Aber danach, in Asiago, war ich so schlecht, dass ich mich schon gefragt habe: Was machst du jetzt, sechs Tage vor der Tour?

          Und?

          Ich habe die Weihnachtsfeiertage mit meiner Familie genossen, habe mich vom Sport vorübergehend verabschiedet. Wichtig ist, dass man in solchen Situationen ruhig bleibt. Ich habe schon ein paarmal den Dezember verhauen und bis zum Saisonhöhepunkt stets die Kurve gekriegt. Für mich zählt nur Olympia und ich weiß, dass ich diese Kurve kriegen kann.

          Haben Sie an Ihrem Gesamtkonzept gezweifelt?

          Überhaupt nicht. Ich hatte selten so eine gute Vorbereitung. Ich war im August wieder absolut schmerzfrei, nachdem die Physios herausgefunden hatten, was meine Rückenprobleme verursacht hat.

          Kommt da noch was? Tobias Angerer ist auf dem Weg nach Sotschi
          Kommt da noch was? Tobias Angerer ist auf dem Weg nach Sotschi : Bild: dpa

          Was war es?

          Man mag es kaum glauben. Es war nur ein verkürzter Oberschenkelmuskel. Und nachdem wir den ordentlich gedehnt hatten, war ich innerhalb von zwei Tagen vollkommen schmerzfrei. Das hat mir noch einmal richtig Motivation gegeben.

          Es ist Ihre letzte Saison. Und Ihre letzte Chance auf einen großen Titel.

          Daran denke ich im Moment nicht. Ich bin ganz im Hier und Jetzt. Für mich ist die Tour de Ski der persönliche Saisonstart, alles, was vorher war, interessiert mich nicht. Und ich werde alles daransetzen, nach Sotschi zu kommen. So will ich mich nicht verabschieden.

          Wie schafft man es, über all die Jahre stets auf der Höhe zu bleiben?

          Man muss immer etwas verändern. In diesem Jahr habe ich mit Andi Katz wieder einen Trainingspartner, nachdem ich fast zwei Jahre viel allein unterwegs war. Es ist schon hart, allein gegen sich und die Uhr zu laufen. Und nachdem meine Rückenschmerzen weg waren, konnte ich wieder Übungen machen, die ich vorher lassen musste. Das war wie ein neuer Reiz.

          Wenn Sie Ihren Körper mit dem vor zehn Jahren vergleichen: Was hat sich verändert?

          Ich glaube, wenn ich heute in Bestform eine Top-fünf-oder-sechs-Zeit laufe, bin ich kaum langsamer als zu der Zeit, als ich viele Rennen gewonnen habe. Natürlich bin ich älter geworden, aber der Langlauf hat sich enorm entwickelt, und viele Nationen haben aufgeholt.

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