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Skispringen : Ammann holt Gold - Uhrmann verpasst den Coup

  • -Aktualisiert am

Die Nummer 51 ist die Nummer 1: Simon Ammann gewann in Whistler Bild: AFP

Der Schweizer Simon Ammann gewann die erste Goldmedaille der Spiele in Vancouver. Silber von der Normalschanze holte Adam Malysz, Bronze ging an Gregor Schlierenzauer. Michael Uhrmann indes verpasste eine Medaille denkbar knapp.

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          Nein, nicht wieder, nur nicht wieder Vierter. Seit vier Jahren, als er die Bronzemedaille um einen halben Punkt verpasste, lebt Michael Uhrmann mit dem olympischen Trauma. Am Samstag schien er drauf und dran, es endgültig hinter sich zu lassen. Auf Platz zwei rangierte der Skispringer aus Rastbüchl nach dem ersten Durchgang im ersten Wettbewerb der Olympischen Winterspiele - und war am Ende den Besten der Welt doch nicht gewachsen.

          Der Schweizer Simon Ammann gewann die Goldmedaille, seine dritte, vor Adam Malysz aus Polen und dem österreichischen Überflieger Gregor Schlierenzauer. Uhrmann wurde Fünfter, einen halben Punkt hinter dem Finnen Janne Ahonen zurück. Martin Schmitt, der wie Uhrmann und Michael Neumayer in den Tagen vor Vancouver gut in Form gekommen war, wurde Zehnter. Neumayer fiel im zweiten Durchgang um sechs Ränge auf Platz 16 zurück. Pascal Bodmer, mit 19 Jahren der Jüngste im deutschen Springer-Team, verpasste um einen halben Punkt das Finale und wurde 31.

          Sie waren nur als Außenseiter in den Wettkampf gegangen; Medaillen hatte ernsthaft niemand erwarten können von den deutschen Skispringern. „Wer hätte vor zwei Wochen überhaupt gedacht, dass ich in die Nähe komme?“, fragte Uhrmann. Immerhin habe er einen guten Wettkampf gemacht, sei sehr gut gesprungen. Und so ist der fünfte Platz kein Grund, sich der großen Enttäuschung hinzugeben - eben ganz anders als in Turin.

          Überlegen: Simon Ammann ist der erste Olympiasieger der Spiele von Vancouver

          „Natürlich habe ich mich auf der Rechnung für Gold“

          Wie sich Favoriten durchsetzen, zeigte Simon Ammann. Was hat er doch für eine olympische Geschichte, dieser Schweizer. Wie aus dem Nichts war er 2002 plötzlich Doppel-Olympiasieger, auf der kleinen und der großen Schanze von Salt Lake City geworden und hatte die Herzen seiner Landsleute als „Harry Potter des Skispringens“ im Sturm erobert. Er wurde zum internationalen Medienstar und benötigte danach einige Jahre, um wieder aus der Welle aufzutauchen, die über ihm zusammen geschlagen war.

          Bei den Olympischen Spielen von Turin 2006 belegte er die Plätze 15 und 38 - und schnell schien klar: Salt Lake City war eben doch nur Zufall. Aber Ammann wühlte sich wieder an die Oberfläche, und in dieser Saison ist er, aller österreichischen Herrlichkeit zum Trotz, der beste Skispringer der Welt als Führender im Weltcup. „Natürlich habe ich mich auf der Rechnung für Gold“, sagte er vor der Entscheidung am Samstag, und an seiner Selbstsicherheit war nichts Gespieltes. Ja, sagte er, Olympische Spiele seien eben etwas Besonderes, „ich bin froh, dass es kein Weltcupspringen ist“. Er genieße dieses „olympische Feeling“.

          Die Magie der Spiele trägt er in sich. „Farben“, sagte er einmal auf die Frage, was ihm als Erstes in den Sinn komme, wenn er an die Sternstunden von Salt Lake City denke, „dieses Blau, grün, dann der weiße Schnee“. In diesem Blau und Grün, auch in Vancouver die Farben der Spiele, hatte er sich seinen Anzug schneidern lassen, „das habe ich mir extra so zurecht gelegt“. Vielleicht hat ihn dieses Gefühl, die Erfahrung der Siege, auch an diesem Samstag von Vancouver, so stark gemacht.

          Vielleicht kommt die nächste Chance doch noch - am Samstag

          Schließlich wollten die Österreicher ihm nicht abnehmen, dass er gelassen und in freudiger Erwartung in diesen Wettbewerb ginge. Ihr Trumpfas Schlierenzauer hatte schließlich gerade daran zu knabbern: dass die ganze Nation von ihm wie selbstverständlich diese erste Goldmedaille erwartete. Am Ende war ihm die Erleichterung deutlich anzusehen, wenigstens noch Bronze gerettet zu haben. Als er auf dem Siegespodest neben den beiden „Großen“ des Skispringens stand, musste er sich mit dem Gefühl trösten, dass ihm eindeutig die Zukunft gehört; es sind die ersten Olympischen Winterspiele für den Zwanzigjährigen.

          Vom Dreifach-Triumph, den die Österreicher nicht nur heimlich angedacht hatten, blieb allerdings am Samstag nichts übrig. Thomas Morgenstern, als einer der hohen Favoriten auf der Normalschanze gehandelt, wurde Achter, Wolfgang Loitzl kam hinter Martin Schmitt auf Rang elf, und der Sieger der Vierschanzentournee, Andreas Kofler gar nur auf Platz 19. Da auch Norweger und Finnen schwächelten, wachsen die Chancen der deutschen Springer, vielleicht mit dem Team die Medaille zu gewinnen, die Uhrmann am Samstag knapp verpasste.

          Er war schon mehr als einmal nah dran, dieser Michael Uhrmann, am großen Erfolg. „Bitter, das ist so bitter“, hatte er vor vier Jahren mit leerem Gesichtsausdruck in Turin gesagt, „wer weiß, ob ich so eine Chance noch einmal bekomme.“ Bei den Weltmeisterschaften ein Jahr später in Liberec schien er sie wieder zu haben. Uhrmann gehörte zu den großen Favoriten, aber er stürzte im Training, zertrümmerte sich den Mittelfuß, und der Traum war ausgeträumt. Jetzt, in Vancouver, blieb ihm wieder nur die lobende Anerkennung. Doch Uhrmann fiel nicht in ein Loch. Vielleicht, weil er weiß, dass die nächste Chance doch wieder kommt - am nächsten Samstag. Aber sie kommt auch wieder für Simon Ammann.

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