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Skirennfahrerin Mikaela Shiffrin : Zu perfekt, um wahr zu sein

  • -Aktualisiert am

„Für jeden anderen ist dies mein erstes Olympia. Für mich ist es das tausendste“: Mikaela Shiffrin Bild: AP

Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin ist erst 18 Jahre alt. Doch sie wirkt so abgeklärt, als sei sie von ihrem Weg restlos überzeugt.

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          Mikaela Shiffrin saß allein oben auf dem Podium, rechts drei Plätze frei, links drei Plätze frei. Es hätte aussehen können wie ein Verhör oder wie eine Prüfungssituation, schließlich ist Mikaela Shiffrin gerade mal 18 Jahre alt, und da könnte man schon ein bisschen verloren wirken, allein auf einer großen Bühne. Tat sie aber nicht. Mikaela Shiffrin hatte den Saal im Griff. Und so hatte die Situation mitunter eine ganz andere Anmutung - die einer Uni-Vorlesung mit Shiffrin als Dozentin.

          Bernd Steinle

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Es kommt einem oft unglaublich vor, dass die Amerikanerin Mikaela Shiffrin noch ein Teenager ist. Weil sie schon so viel erreicht hat, sieben Erfolge im alpinen Ski-Weltcup zum Beispiel, den Sieg im Slalom-Weltcup oder den Weltmeistertitel 2013 im Slalom. Und auch weil sie so reif, so in sich ruhend, so abgeklärt wirkt, ganz so, als sei sie von ihrem Weg restlos überzeugt, als könne sie nichts und niemand aus der Spur bringen.

          Besonders deutlich wird das, wenn sie von der akribischen Vorbereitung auf ihre ersten Olympischen Winterspiele in Sotschi berichtet, der sportlichen und auch der mentalen. Sie habe zu Hause schon alle möglichen Situationen für sich visualisiert, mit denen sie bei diesen Spielen konfrontiert werden könnte, sagt Mikaela Shiffrin, all das, was dort auf sie zukommen könnte, habe sie im Kopf längst durchgespielt. Von der Pressekonferenz bis zu dem Moment im Starthaus, Sekunden bevor es losgeht.

          „Ich habe mich auf diesem Podium gesehen, ich habe mich als Erste gesehen und als Dritte, ich habe mich stürzen sehen, und ich habe gewusst, welchen Fehler ich da gemacht hatte. Und ich weiß, dass ich den im Rennen nicht machen werde“, sagt sie. „Ich bin so gut vorbereitet wie irgend möglich.“ Mit der Folge: „Für jeden anderen ist dies hier vielleicht mein erstes Olympia. Für mich ist es das tausendste.“

          Der Zeitplan der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          So kompliziert das klingt, so einfach sieht es aus, wenn es funktioniert. Mikaela Shiffrin fährt auf so elegante, so saubere, so kontrollierte Art Ski, dass auch erstklassige Teamkollegen ins Schwärmen kommen. Die Reinheit und die Leichtigkeit ihres Stils seien beeindruckend, sagte der Riesenslalom-Olympiasieger Ted Ligety einmal: „Wenn man mit Höchstgeschwindigkeit auf einem eisigen, steilen Rennkurs unterwegs ist, ist es die schwerste Sache der Welt, das mühelos aussehen zu lassen. Mikaela schafft das.“

          Es mag nicht immer schnell aussehen, weil sie nicht auf aggressive Weise mit Armen und Beinen durch die Luft wedelt, weil ihr Oberkörper so perfekt ausbalanciert und stabil ist, weil die ganze Bewegung sich nur in den Beinen abspielt. Es ist aber schnell. So schnell, dass Mikaela Shiffrin, die als stilistisches Vorbild die Kroatin Janica Kostelic nennt, auch beim Olympia-Slalom zu den Favoritinnen auf Gold zählt. Nach dem ersten Lauf führt sie mit 0.49 Sekunden Vorsprung auf Maria Höfl-Riesch, die im zweiten Durchgang (17.15 Uhr / Live im Olympia-Ticker bei FAZ.NET) ihr letztes olympisches Rennen bestreitet.

          Im ersten Lauf des Olympia-Slaloms ist Mikaela Shiffrin schneller als alle anderen

          Den Hang, auf dem es dabei zur Sache geht, hat Mikaela Shiffrin im vergangenen Jahr schon kennengelernt, als sie eine knappe Woche lang in Krasnaja Poljana trainieren durfte - segensreiche Folge einer Partnerschaft des amerikanischen Skiteams mit dem russischen. Der Ost-West-Handel sah vor, dass die Russen im vielgerühmten amerikanischen Alpinzentrum in Copper Mountain im Bundesstaat Colorado trainieren durften und die Amerikaner im Gegenzug schon ein Jahr vor den Spielen die Olympia-Hänge im Alpinzentrum Rosa Khutor befahren konnten - als einziges Team neben den Russen.

          Den strategischen Vorteil nutzte am Mittwoch schon Ted Ligety im Riesenslalom der Männer. Nun soll er auch Mikaela Shiffrin im Slalom der Frauen zugutekommen - und es sieht gut aus. Sie hat bei den Testfahrten einen positiven Eindruck gewonnen, „ich mag den Hang“, sagt sie, „er bietet alles, flache Passagen, steile Passagen, Wellen“. Am Freitag im ersten Durchgang ließ sie Taten folgen.

          Der Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele in Sotschi

          So bleibt nur die Frage, wie die 18 Jahre alte Mikaela Shiffrin die besonderen Belastungen, die das Spektakel Olympia für einen Athleten, zumal einen Top-Athleten, mit sich bringt, tatsächlich wegstecken wird. „Ich werde sicher nervös sein“, sagt sie vor dem Rennen, „aber es ist eine enthusiastische Nervosität, und die will ich kanalisieren in gutes Skifahren.“

          Vor einem Jahr, als es bei ihren ersten Weltmeisterschaften in Schladming um Gold ging, war sie zwischen den beiden Durchgängen gehörig ins Nervenflattern geraten. Um ein wenig zur Ruhe zu kommen, zog sie mit Roland Pfeifer, dem Techniktrainer der Amerikanerinnen, zum freien Skifahren los. Pfeifer riet ihr, inmitten der 30.000 österreichischen Fans einfach auf ihre Instinkte zu vertrauen, auf ihre Beine, auf ihre Skikünste. Und die trugen sie anschließend zum Weltmeistertitel. In aller Ruhe und perfektem Stil. Ob das auch in Sotschi gelingt?

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